Regelmäßige Sternschnuppenströme

Dossier: Sonnensystem


Regelmäßige Sternschnuppenströme

Die Saturnatmosphäre von Cassini; Rechte: NASA

Zu bestimmten Zeiten im Jahr hat man gute Chancen, innerhalb kurzer Zeit gleich mehrere Sternschnuppen oder Meteore über den Nachthimmel huschen zu sehen: Mitte August zum Beispiel oder auch Mitte November. Dann nämlich durchquert die Erde auf ihrer alljährlichen Bahn um die Sonne Regionen, die besonders viele Staubteilchen enthalten.
In den 1860er Jahren bemerkte der italienische Astronom Giovanni Virginio Schiaparelli (1835 - 1910, "entdeckte" die berühmten Marskanäle) zunächst, dass die regelmäßig im August auftretenden Sternschnuppen (die "Perseiden") offenbar im Zusammenhang mit einem Kometen stehen, der 1862 von Lewis Swift und Horace Tuttle entdeckt worden war und die Sonne alle 130 Jahre auf einer langgestreckten Ellipsenbahn umrundet. Wenige Jahre später konnte er auch einen Zusammenhang zwischen den "Leoniden" im November und dem Kometen "Tempel-Tuttle" aufzeigen. In beiden Fällen bewegen sich die Staubteilchen vor ihrem finalen Zusammenprall mit der Erde auf Bahnen, die denen der genannten Kometen entsprechen. Offenbar muss es sich also um Staubteilchen handeln, die sich zuvor von den jeweiligen Kometen lösen und entlang der Bahn verteilen.
Damit wird das regelmäßige Auftreten dieser und anderer Sternschnuppenströme verständlich: Man stelle sich nur ein Kettenkarussell auf der Festwiese eines Dorfes vor und in unmittelbarer Nachbarschaft einen aktiven Bewässerungssprenger, dessen Wasserstrahl das Karussell noch streift. Ein Kirmesbesucher, der sich auf dieses Karussell setzt, wird dann regelmäßig immer an der gleichen Stelle nass gespritzt, so wie die Erde immer an der gleichen Stelle ihrer Bahn (und damit alljährlich zur gleichen Zeit) durch die Staubwolke entlang der ursprünglichen Kometenbahn treibt.
Benannt werden die Sternschnuppenströme in der Regel nach dem Sternbild, aus dem sie zu kommen scheinen (dem "Radianten").
Die folgende Tabelle nennt die ergiebigsten Meteorströme im Laufe des Jahres. Die stündliche Rate ist eine theoretische Vergleichszahl; sie gibt an, wie viele Sternschnuppen man erwarten könnte, wenn der Radiant genau im Zenit, also im Scheitelpunkt des Himmels (senkrecht über dem Beobachter) stünde.


Die ergiebigsten Meteorströme im Laufe des Jahres:

Name Radiant Auftreten von-bis Maximum stündl. Rate mittl. Geschwindigkeit km/s
Quadrantiden Rinderhirte 01.01.-06.01. 03.01. 100-200 40
Lyriden Leier 12.04.-24.04. 22.04. 10-20 48
Eta-Aquariden Wassermann 01.05.-08.05. 04.05. 100-200 35-60
Delta-Aquariden Wassermann 20.07.-10.08. 29.07. 30 41
Perseiden Perseus 20.07.-20.08. 12.08. 70 65
Tauriden Stier 19.09.-01.12. 13.11. 10-20 29
Orioniden Orion 14.10.-28.10. 21.10. 30-40 60
Leoniden Löwe 15.11.-19.11. 17.11. 10-20 70
Geminiden Zwillinge 06.12.-17.12. 13.12. 60 40
Ursiden Kleiner Bär 17.12.-24.12. 22.12. 20 35




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