Von Raumsonden besuchte Kometen

Dossier: Sonnensystem


Von Raumsonden besuchte Kometen

Die Saturnatmosphäre von Cassini; Rechte: NASA

Im Frühjahr 1986 bot sich zum ersten Mal die Gelegenheit, einen Kometen aus der Nähe zu erforschen. Damals stand die Wiederkehr des wohl bekanntesten Vertreters dieser Klasse bevor, des Kometen Halley. Da die Bahn dieses Kometen hinreichend bekannt war, konnte man frühzeitig mehrere Raumsonden planen und dem kosmischen Gast entgegensenden, darunter auch die europäische Sonde "Giotto", die sich dem Kometen bis auf knapp 600 Kilometer näherte und bis wenige Sekunden vor der größten Annäherung Bilder zur Erde übermittelte.
Auf ihnen sah man ein längliches, ziemlich unregelmäßig geformtes Gebilde von etwa 16 x 8 Kilometer Größe, das an eine überdimensionale Kartoffel erinnert. Deutlich waren mehrere Vertiefungen (Krater?) zu erkennen, eine zentrale Senke sowie ein mehrere hundert Meter hoher Berg. Die Kometenoberfläche selbst war überraschend dunkel und schien von einer dunklen Kruste bedeckt zu sein, aus der nur an einigen wenigen Stellen Gasjets austraten. Trotzdem verlor der Komet aus diesen Eruptionsgebieten pro Sekunde etwa 200 Tonnen Gas und Staub.
Die mitgeführten Detektoren zur Analyse des Kometenstaubes registrierten einen auffallend hohen Gehalt an leichten Elementen wie Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff - offenbar war die Oberfläche des Kometen von einer Eiskruste oder gar von einer Substanz aus organischen Molekülen überzogen - Kohlenwasserstoff-Verbindungen, die sich unter der UV-Strahlung der Sonne im Laufe der Zeit zu einer teerähnlichen Masse verändert hatten.
Mehr als 15 Jahre später, im September 2001, passierte die amerikanische Raumsonde "Deep Space 1" den Kern des Kometen Borrelly, der mit einer Umlaufzeit von 6,8 Jahren zu den kurzperiodischen Kometen gehört. Auch er präsentierte sich auf den Bildern als sehr dunkles, längliches Objekt von etwa acht Kilometer Größe. Wieder fand man nur wenige aktive Bereiche, obwohl der Komet nur zehn Tage vor dem Sonden-Vorbeiflug den sonnennächsten Punkt seiner Bahn passiert hatte; vermutlich ist "Borrelly" schon weitgehend ausgegast und daher nicht mehr sonderlich aktiv.
Anfang 2004 erreichte die Raumsonde "Stardust" ihr Ziel, den Kometen Wild 2, der möglicherweise erst seit kurzem zur Gruppe der kurzperiodischen Kometen gehört. Derzeit bewegt er sich auf einer Bahn, die ihn alle 6,4 Jahre um die Sonne führt, aber dorthin ist er erst 1974 gelenkt worden, als er auf seiner früheren Bahn dem Planeten Jupiter zu nahe kam - vorher war er alle 47 Jahre zwischen Jupiterbahn und einem Punkt jenseits der Uranusbahn hin und her gependelt und wäre damals als "Zentaur" eingestuft worden, wenn man ihn dort schon beobachtet hätte.
Für ein noch "frisches", vergleichsweise junges Mitglied im Kreise der kurzperiodischen Kometen spricht auch das Aussehen des Kometenkerns: Er erscheint ziemlich rund, mit einer (noch?) rauen Oberfläche und etlichen, zum Teil recht tiefen Kratern. Die eigentliche Aufgabe von "Stardust" aber bestand darin, Staubpartikel aus dem Kometenschweif aufzufangen und damit zur Erde zurückzukehren. Die bisherige Auswertung ergab zum Teil überraschende Ergebnisse über die Zusammensetzung der Staubteilchen, die nur bedingt den Erwartungen entsprach.
Die ultimative Kometen-Mission dagegen wird ihr Ziel erst 2014 erreichen: Dann soll die europäische Sonde "Rosetta" in eine Umlaufbahn um den Kometen "Churyomov-Gerasimenko" einschwenken und nach einer ersten Erkundungsphase den Lander "Philae" auf dem Kometenkern absetzen. Er wird dann Messungen vor Ort vornehmen und seine Bilder und Daten über die Muttersonde zur Erde funken. Dann - so hoffen die Wissenschaftler - wird man endlich mehr darüber erfahren, wie Erde, Sonne und Planeten vor rund 4,5 Milliarden Jahren aus einer kosmischen Gas- und Staubwolke entstanden sind, denn Kometen haben diese ursprüngliche Materie bis heute weitgehend unverändert - wie in einer kosmischen Tiefkühltruhe - verwahrt.





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