Die kurzperiodischen Kometen
Als "kosmische Eisberge" sind die Kometen zumindest im sonnennahen Teil ihrer meist stark elliptischen Bahnen einer beachtlichen Erosion ausgesetzt [mehr]

Das allgemeine Erscheinungsbild der Kometen

Kometen sehen ganz anders aus als die übrigen Objekte am Sternhimmel - und haben schon allein deswegen in Verbindung mit ihrem plötzlichen Auftauchen in früheren Jahrhunderten immer wieder für Angst und Schrecken gesorgt: Sie erscheinen als verschwommener Lichtfleck, von dem ein mehr oder minder langer Schweif ausgehen kann, der dann nicht selten von Nacht zu Nacht deutliche Veränderungen zeigt.
An diesem "Schreckensbild" änderte sich auch wenig, als der englische Astronom Edmond Halley (1656 - 1742) zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Behauptung aufstellte, Kometen seien eher harmlose Begleiter der Sonne, die - wie die Planeten, wenn auch auf etwas elliptischeren Bahnen - die Sonne umrundeten. Aufgrund seiner Auswertungen von drei verschiedenen, einander aber sehr ähnlichen Kometenerscheinungen aus den Jahren 1532, 1607 und 1682 schloss er, dass es sich jedes Mal um den gleichen Kometen gehandelt haben müsse und sagte dessen Wiederkehr für das Jahr 1758 voraus; heute trägt dieser Komet seinen Namen.
Bei genauerem Hinsehen sind Kometen eher unscheinbare Objekte, die sich nur unter dem Einfluss der Sonne "aufplustern" und überhaupt sichtbar werden. So hatte etwa der Komet "Hale Bopp", der im Frühjahr 1997 für mehrere Wochen selbst am Großstadthimmel mit bloßem Auge verfolgt werden konnte, einen Durchmesser von lediglich etwa 40 Kilometern. Dass er trotzdem über eine Entfernung von mehr als 200 Millionen Kilometern zu sehen war, lag an der Zusammensetzung dieses Kometenkerns.
Man stellt sich einen solchen Kometenkern als Mischung aus gefrorenen Gasen (Eis) und Gesteinskörnern dar, als "schmutzigen Schneeball" oder auch als "fliegenden Eisberg". Wenn ein solches Objekt in die Nähe der Sonne kommt, verdampft ("sublimiert", wird also wegen des Vakuums im Weltraum gar nicht erst flüssig) ein Teil des Eises, wird teilweise auch die Zone unmittelbar unter der Kometenoberfläche erwärmt, und Gas tritt mit hohem Druck durch Risse und Spalten an die Oberfläche und strömt mit einer Geschwindigkeit von etwa einem Kilometer pro Sekunde davon - die Anziehungskraft des Kometen reicht nicht, um diese Kometenatmosphäre ("Koma") festzuhalten. Innerhalb eines Tages können sich die Gasmassen so auf rund 100.000 Kilometer entfernen.
Da die Gasmoleküle gleichzeitig von der Ultraviolettstrahlung der Sonne aufgebrochen und dabei meist auch elektrisch aufgeladen werden, beginnen sie zu leuchten und der Komet verwandelt sich in einen weithin sichtbaren Lichtfleck. Schließlich reißt der vorbeiströmende Sonnenwind die elektrisch geladenen Atome und Moleküle mit nach außen - von der Sonne weg -, und wir sehen einen mehr oder minder deutlichen Kometenschweif, vergleichbar mit der vom Wind mitgeführten Wolkenfahne eines Kühlturms. Solche Schweife können eine Länge von einigen 10 bis 100 Millionen Kilometern erreichen.

Mitunter kann man sogar zwei unterschiedliche Schweiftypen beobachten - einen eher bläulich schimmernden, ziemlich geradlinig von der Sonne weg gerichteten schmalen "Ionenschweif" (der meist aus Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Stickstoff und Cyan besteht) sowie einen breiteren, gelblichen, oft deutlich gekrümmt erscheinenden "Staubschweif"; zusätzlich zum austretenden Gas gehen dem Kometenkern also offenbar auch eingelagerte Staubteilchen verloren.
Da der Materieverlust in Sonnennähe pro Sekunde einige hundert Tonnen betragen kann, schrumpft ein Komet bei jedem Sonnenumlauf um einige bis etliche Meter. Entsprechend kann selbst ein anfangs 40 Kilometer großer Kometenkern nur einige tausend bis zehntausend Umläufe überstehen, ehe er sich weitgehend aufgelöst hat oder zumindest starke Aktivitätseinbußen hinnehmen muss.