Alternative Therapien - Komplementärmedizin
Dossier Krebs
Alternative Therapien - Komplementärmedizin
Nichts unversucht lassen - dieses Bestreben veranlasst viele Krebspatienten über die traditionelle Krebsbehandlung hinaus nach weiteren Therapiemöglichkeiten zu suchen. Schätzungen zufolge nutzen vier von fünf Krebspatienten unkonventionelle Therapieverfahren. Doch wie das Passende finden? Aussagekräftige Studien über Nutzen und Wirksamkeit alternativer Behandlungsmaßnahmen gibt es bislang nur wenige. Forschungsaktivitäten auf der Basis wissenschaftlicher Methoden sind in Deutschland bis zum heutigen Tag die Ausnahme. Ganz anders dagegen die USA. Dort nehmen Politik und Wissenschaft diesen Sektor weitaus ernster: 1999 erklärte die amerikanische Regierung die Komplementärmedizin zum Forschungsschwerpunkt.
Naturheilverfahren sind immer nur Zusatzmaßnahmen
Fest steht: Naturheilkundliche Mittel sind immer Mittel, die ergänzen, die eine Therapie optimieren können - wenn sie gut sind. Sie können aber keinesfalls die Standardtherapie ersetzen. Eine komplementäre Behandlungsmethode ist immer eine Zusatzmaßnahme.
Viele Mittel sind nicht geprüft
Das Geschäft mit der Angst aber blüht: Immer wieder kommen angeblich "neue, natürliche" Präparate gegen Krebs auf den Markt und werden groß beworben. Viele von ihnen sind nicht auf ihre Wirksamkeit hin geprüft worden. Dafür aber umso teurer. Der Nutzen für den Patienten aber ist gleich Null. Es gibt eine große Außenseitermethode-Szene, was deshalb problematisch ist, weil diese Außenseitermethoden oft mit der seriösen Naturheilkunde oder Komplementärmedizin assoziiert werden, tatsächlich aber nichts damit zu tun haben. Es handelt sich dabei oft um Präparate oder Therapiekonzepte, die sehr ähnlich aussehen wie naturheilkundliche Konzepte.
Wer wissen will, ob es sich um eine seriöse Methode handelt oder nicht, kann sich z.B. an seine Krankenkasse wenden, an den Krebsinformationsdienst in Heidelberg oder z.B. die Datenbank des Instituts zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren an der Universität zu Köln nutzen.
Psychoonkologie und Sport helfen
Wissenschaftlich unbestritten ist, dass eine gute psychoonkologische Betreuung, die dann einsetzt, wenn Ängste überhand zu nehmen drohen, die Krebstherapie entscheidend unterstützt. Empfehlenswert ist auch das Treiben von Sport, speziell Ausdauersport, was allgemein eine Steigerung der Abwehrkräfte bewirkt und speziell bestimmte Nebenwirkungen der Chemotherapie abschwächen kann. Das gleiche gilt für die Ernährung. Insbesondere unter Chemo- und Strahlentherapie ist es sinnvoll, möglichst viel rotes Obst und rotes Gemüse zu essen, weil im roten Farbstoff große Mengen so genannter Antioxidantien enthalten sind. Dabei handelt es sich um Substanzen, die Sauerstoffverbindungen (auch: freie Radikale) unschädlich machen. Diese Sauerstoffverbindungen entstehen unter Chemo- und Strahlentherapie vermehrt und gelten zudem selbst wiederum als Krebs auslösend. Daher die Empfehlung, viel Tomaten, Paprika, Waldbeeren, Blaubeeren und Tomatenmark zu essen.
Nur zwei Substanzen haben erwiesene Vorteile Darüber hinaus gibt es eigentlich nur zwei Substanzen, deren Einsatz beim Krebstherapie wissenschaftlich erwiesene Vorteile bringen: das eine ist ein Enzym, das Eiweiße spaltet, das andere ein Selen-Präparat, dass sich in Tumorzellen anreichert, und die Tumorzellen für die nachfolgende Strahlentherapie sensibilisiert. Nach wie vor ungeklärt ist, ob eine Misteltherapie dazu beiträgt, die Lebens- oder die rezidiv- bzw. metastasenfreie Zeit bei Brustkrebs zu verlängern.
Literaturtipps
Beuth, Josef:
Grundlagen der Komplementäronkologie - Theorie und Praxis
Hippokrates-Verlag (2002), 59,95 Euro
Überblick über das breite Spektrum komplementär-onkologischer Verfahren. Das Buch ist gedacht als Nachschlagewerk für Ärzte, kann aber auch Patienten wichtige Hilfestellung geben. Vorgestellt werden nach EBM-Kriterien (Evidence Based Medicine) gesicherte Informationen über komplementär-onkologische Verfahren und klare Therapiekonzepte, die immer in Verbindung mit den erprobten Standardtherapien kombiniert werden und direkt in der Praxis umsetzbar sind.
Federspiel, Krista; Herbst, Vera:
Handbuch Die andere Medizin
Nutzen und Risiken sanfter Heilmethoden
Verlag Stiftung Warentest (1996)
Sehr umfassende Materialsammlung und kritische Auseinandersetzung mit dem Thema, wobei die Autorinnen fast neunzig Prozent der dargestellten Heilmethoden als "nicht empfehlenswert" bewerten.
Klingemann, Hans-Georg:
Unkonventionelle Krebstherapien alternativer Behandlungsverfahren (Goldmann-Verlag 1997)
Sachlich gute Dokumentation eines Arztes über die derzeit angebotenen und allgemein empfohlenen alternativen Krebstherapien und -mittel. Der Autor zeigt auf, dass es bislang nur wenig aussagekräftige Studien über Nutzen und Wirksamkeit alternativer Behandlungsmaßnahmen gibt und dass bei den meisten alternativen Krebsmittel kein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis erbracht werden konnte, es aber in Einzelfällen trotzdem gute Erfolge bei Patienten gibt.
Bühring, Malte u.a. (Hrsg.):
Naturheilverfahren und unkonventionelle medizinische Richtungen
- Grundlagen, Methoden, Nachweissituationen -
Springer LoseBlattSystem (2003), 189,95 Euro
Das LoseBlattSystem schildert alle gängigen Verfahren, bewertet ihre medizinische Nützlichkeit und gibt Indikationsbereiche an. Zahlreiche Verfahren werden außerdem von einem unabhängigen wissenschaftlichen Gutachtergremium bewertet mit klaren, Evidenz-basierten Aussagen zum Wirksamkeitsnachweis und dem Stellenwert des Verfahrens aus wissenschaftlicher Sicht. Die Beiträge stammen ausnahmslos von Fachwissenschaftlern.


![Elektronenmikroskop-Aufnahme einer Krebszelle; Rechte: Mauritius Images/WDR [m] Elektronenmikroskop-Aufnahme einer Krebszelle; Rechte: Mauritius Images/WDR [m]](/fileadmin/user_upload/Sonderseiten/2008/Dossier_Krebs/Banner_DK1.jpg)


