Trotzdem ein Kind

Elektronenmikroskop-Aufnahme einer Krebszelle; Rechte: Mauritius Images/WDR [m]

Dossier Krebs


Trotzdem ein Kind


Positiver Schwangerschaftstest; Rechte: Mauritius Images

Kinderwunsch trotz Krebserkrankung

Thema für Mann und Frau
Kann eine Frau, die beispielsweise einen Brustkrebs überstanden hat, ohne Angst schwanger werden? Ohne Angst davor, ein krankes Kind auszutragen, ohne Angst davor, das Kind in eine ungewisse familiäre Zukunft auszutragen. Das Thema ist aber fast ebenso wichtig für männliche Krebspatienten, die sich mit der Frage auseinander setzen müssen, ob sie zeugungsfähig sind, ob sie in der Lage sind, ein gesundes Kind zu zeugen - und auch hier wieder die Frage, welche Zukunft das Kind erwartet, wenn ein Elternteil mit dem Damoklesschwert des drohenden Rückfalls lebt.

Gerade für junge Patienten ein Thema
Das Thema betrifft aber nicht nur Krebspatienten in der Familienplanungsphase. Auch Kinder und Jugendliche, die an Krebs erkrankt sind, und deren Eltern müssen sich mit dem Thema "späterer Kinderwunsch" auseinandersetzen. Beispielsweise, wenn in der Therapiephase Maßnahmen ergriffen werden müssen, um einen Kinderwunsch später zu ermöglichen.

Verdrängung hilft nicht
Für alle diese Patientengruppen und ihre Angehörigen gilt: Patienten, Partner und Eltern müssen sich in einer Situation, in der es zunächst um das Überleben des Krebskranken geht, mit einem Zukunftsthema auseinander setzen, was ihnen in dieser Situation unwichtig oder sekundär erscheint.

Ein neues Thema
Obwohl die Frage "Kinderwunsch trotz Krebserkrankung" alle Krebspatienten und deren Angehörige angeht, für die Familienplanung aktuell oder zukünftig ein Thema ist, wurde die Dringlichkeit lange Jahre nicht wirklich in der Ärzteschaft erkannt. Erst in der jüngsten Vergangenheit - nachdem der Krebsinformationsdienst KID die entsprechenden Impulse gesetzt hat - wird das Thema in einer breiteren Ärzteschaft und in deren Fachgesellschaften wahrgenommen.

Der Fortschritt macht es möglich
Der Fortschritt in der Krebstherapie rückte in den letzten fünf bis sechs Jahren die Frage der Reproduktionsfähigkeit nach einer Krebserkrankung in den Blickpunkt. Zukunftsplanung und Lebensqualität werden zum Thema schon während der Krebsbehandlung, weil in den jungen Patientengruppen auch immer mehr Menschen gute Überlebenschancen haben.

Schwangerschaft und Krebstherapie
Eine Krebserkrankung, die erst in der Schwangerschaft diagnostiziert wird, stellt betroffene Frauen und ihre Partner vor dramatische Probleme. Ob die Schwangerschaft fortgeführt werden kann, wie riskant das Warten mit einer Behandlung für die Mutter ist und wie schädigend die Therapie für das Kind sein kann - die Antworten auf diese Fragen hängen sehr stark von der Tumorart, der körperlichen Situation der werdenden Mutter, der Schwangerschaftswoche und der geplanten Therapie ab, allgemeine Auskünfte sind kaum möglich.

Wissen, was auf einen zukommt
Eine intensive Beratung mit den behandelnden Ärzten ist die Voraussetzung für eine Entscheidung: Nicht nur die tatsächlichen Risiken für Mutter und Kind sollten eine Rolle spielen. Je besser eine Patientin weiß, was auf sie zukommen wird, umso eher kann sie abschätzen, was sie körperlich und psychisch auch verkraften kann.

Am Besten ist eine Wartefrist
Eine Schwangerschaft sollte nicht vor dem Ende der Behandlung und in einer der Krankheit angemessenen Wartefrist geplant werden. Als Faustregel für diese Wartefrist gelten ungefähr zwei Jahre. Auch ist das Risiko für einen Rückfall bei vielen Tumorarten innerhalb dieser Zeitspanne am größten und wird erst danach geringer.

Aber: Nicht zu lange warten
Junge erwachsene Krebspatienten sollten mit ihrem Kinderwunsch nicht zu lange warten: Viele Ärzte empfehlen den betroffenen Männern und Frauen in der sogenannten Reproduktionsphase, also im Alter circa zwischen 25 und 35 Jahren, mit der Entscheidung für ein Kind nicht länger als medizinisch nötig zu warten.

Fruchtbarkeit des Mannes
Es gibt bei vielen Fragen rund um das Thema "Kinderwunsch bei Krebs" keinen wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisstand, aber es scheint so zu sein, dass die Samenqualität bei Hodenkrebspatienten, möglicherweise auch bei anderen Patientengruppen schon bei Diagnosestellung schlechter ist als bei gesunden Männern.

Möglichkeiten für den Mann
Können die behandelnden Ärzte abschätzen, dass eine Krebsbehandlung ein Risiko für die Fruchtbarkeit darstellt, empfehlen heute die meisten Fachleute betroffenen Männern, möglichst früh ein Spermadepot einzufrieren, und überweisen dazu an geeignete Samenbanken.

Fruchtbarkeit der Frau
Es ist möglich, dass die Fruchtbarkeit von Krebspatientinnen alleine schon durch den Stress eingeschränkt wird. Bei Frauen kann nach Chemotherapiebehandlung oder Bestrahlung im Einzelfall die Reproduktionsfähigkeit eingeschränkt sein. Patientinnen können nach einer Chemotherapiebehandlung oder Bestrahlung früher in die Wechseljahre kommen.

Möglichkeiten für die Frau
Schonung von Eierstöcken und Eizellen: Vor einer Bestrahlung des Beckens besteht für einige Patientinnen mit Kinderwunsch die Möglichkeit, die Eierstöcke durch einen kleinen Eingriff aus dem Bestrahlungsfeld zu verlegen. Dies kann später rückgängig gemacht werden und beeinträchtigt die Fruchtbarkeit in der Regel nicht. Die vorbeugende Entnahme von Eizellen ist vor einer Behandlung nur selten möglich.

Unterstützte Familienplanung - was kann man erreichen?
Rein theoretisch steht Krebspatienten und ihren Partnern die gesamte Palette der heute verfügbaren Fertilitätsbehandlung zur Verfügung.

An die Zukunft denken
Die Therapieplanung des Krebskranken sollte die Frage eines späteren Kinderwunsches einschließen - schon bei Kindern. Zu einem Zeitpunkt, zu dem ein Kinderwunsch vielleicht noch gar nicht da ist oder keine Partnerschaft besteht, müssen Entscheidungen getroffen werden, die das spätere Leben beeinflussen, und dies nicht selten unter großem Zeitdruck.

Mit den Experten darüber reden
Es ist sinnvoll, dass der Onkologe im Gespräch klärt, inwieweit die Fruchtbarkeit beeinträchtigt wird und welche Maßnahmen ergriffen werden können, damit später Kinder gezeugt werden können.

Auch für Kinder und Jugendliche ein Thema
Krebs bei Kindern und Jugendlichen kann die Aussicht auf spätere eigene Kinder drastisch einschränken. Für Mädchen und Jungen in der fortgeschrittenen Pubertät gelten im Großen und Ganzen die gleichen Untersuchungsmöglichkeiten wie für Erwachsene. Fachleute empfehlen aus psychologischen Gründen, bereits Jugendliche entsprechend zu beraten und sie nicht in Unwissenheit oder Unsicherheit über ihre Zeugungsmöglichkeiten zu lassen.

Hormonbehandlung
Ist die Krebsbehandlung vor oder zu Beginn der Pubertät erfolgt, achten behandelnde Ärzte besonders auf den rechtzeitigen und ungestörten Eintritt der Geschlechtsreife, um die betroffenen Kinder bei Bedarf mit Hormonen behandeln zu können.

Bei Mädchen
Bei Mädchen gilt das Alter von 13 Jahren als Zeitpunkt, zu dem bei Bedarf eine Untersuchung des Hormonspiegels stattfinden sollte.

Bei Jungen
Bei Jungen kann man ein weiteres Jahr warten, sollte dann aber, wenn die Pubertät ausbleibt, entsprechende Maßnahmen ergreifen, auch um das Kind vor ungünstigen psychischen Folgen zu schützen.

Spätfolgen für das Kind?
Insgesamt gehen Fachleute heute von einer "Alles-oder-Nichts-Regel" aus: Bleibt die Fruchtbarkeit erhalten, bedeutet dies meist auch, dass die Keimzellen nicht geschädigt wurden. Über die Wahrscheinlichkeit, ein gesundes Kind zu bekommen, können sich Krebspatienten und ihre Partner anhand ihrer persönlichen Behandlungsunterlagen bei den so genannten genetischen Beratungsstellen informieren. Hausärzte oder Frauenärzte sind erste Ansprechpartner für diese Frage, sie überweisen bei Bedarf an die Beratungsstellen.


Adressen und Links

Der Deutsche Krebsinformationsdienst KID bietet eine sehr gute Informationsmöglichkeit auf seiner Homepage

Die Deutsche Kinderkrebsstiftung hat in ihrer Elternzeitschrift "WIR" Ausgabe 1/2005 zum Thema "Krebsbehandlung und Kinderwunsch" veröffentlicht.

Die psychosozialen Krebsberatungsstellen sind erste Anlaufstellen für eine Beratung; sie verweisen bei Bedarf auch an weitere Ansprechpartner.

Informationsnetz für Krebspatienten und Angehörigen

Das gemeinsame Informationsportal der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) und des Kompetenznetzes Pädiatrische Onkologie und Hämatologie.

Kompetenznetz Lymphome





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