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[mehr]![Elektronenmikroskop-Aufnahme einer Krebszelle; Rechte: Mauritius Images/WDR [m] Elektronenmikroskop-Aufnahme einer Krebszelle; Rechte: Mauritius Images/WDR [m]](/fileadmin/user_upload/Sonderseiten/2008/Dossier_Krebs/Banner_DK1.jpg)
Schmerztherapie

Viele Menschen mit Krebs bekommen im Laufe ihrer Krankheit Schmerzen, bei anderen treten Tumorschmerzen nicht auf. Wichtig ist: Kein Mensch muss Schmerzen hinnehmen oder erdulden. Es gibt viele Möglichkeiten, Schmerzen zu bekämpfen. Mit Medikamenten, Entspannungstechniken, Akupunktur oder anderen Verfahren.
Schmerzen aushalten zu wollen, ist nicht gut. Der Körper bildet sehr schnell eine Art "Schmerzgedächtnis" aus. Doch in Deutschland bekommen immer noch viele Krebspatienten nicht die Schmerzbehandlung, die sie dringend bräuchten. Eine Krebserkrankung verändert das Leben. Die Krankheit und ihre Behandlung kann Patienten mit einer ganzen Reihe von belastenden körperlichen und seelischen Problemen konfrontieren. Da sind die Folgen einer eingreifenden Operation, der Chemo- oder Strahlentherapie. Es können körperliche Symptome auftreten wie Übelkeit, Erbrechen oder Müdigkeit. Manche Patienten leiden unter der Veränderung ihres Aussehens. Sie sind nicht mehr so belastbar wie früher. Sie sorgen sich um die (auch finanzielle) Versorgung ihrer Familie. Sie hoffen auf Heilung, sie fürchten ein Wiederauftreten oder eine Verschlimmerung ihrer Krankheit. Schmerz ist nie das einzige Problem eines krebskranken Menschen, aber es kann ein sehr belastendes Problem sein.
Krebs und Schmerzen
Eine Krebserkrankung ist nicht zwangläufig mit Schmerzen verbunden. Es gibt Tumorarten, die sehr häufig Schmerzen bereiten. Dazu gehören Bauchspeicheldrüsenkrebs, Hals-Nasen-Ohren-Tumoren und Knochenkrebs. Patienten mit bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems - Leukämien und Lymphdrüsenkrebs - leiden selten unter Schmerzen. Insgesamt sind Schmerzen aber ein häufiges Problem. Dabei können Schmerzen unabhängig vom Stadium der Krankheit auftreten.
Ursachen
"Krebsschmerz" kann verschiedene Ursachen haben. Es können Schmerzen sein, die durch den Tumor selbst bedingt oder Schmerzen, die Folge der medizinischen Behandlung sind. Unterschiedliche Schmerzen können von Tumoren selbst ausgelöst werden. Tumoren im Knochen etwa führen zu einer Art Entzündungsschmerz. Nervenschmerzen entstehen, wenn ein Tumor auf umliegende Nerven drückt oder in das Nervengewebe hineinwächst. Wenn Tumoren in Organen wachsen, kommt es häufig zu einem Druckschmerz. Daneben kann es im Rahmen einer Krebsbehandlung durch Chemotherapie oder Strahlentherapie zu Schmerzen kommen. Aber auch äußere Faktoren, wie körperliche Anstrengung, Wetterwechsel, Verspannungen und Schlafmangel können Krebsschmerzen verstärken.
Schmerzgedächtnis
Der Schmerz ist ein wichtiges Warnsignal des Körpers. Wenn wir uns in den Finger schneiden, schmerzt die Wunde. Es ist ein Signal, das auf einen akuten Defekt hinweist. Wenn die Wunde verheilt ist, verschwinden die Schmerzen von alleine. Solche akuten Schmerzen können auch im Rahmen einer Krebserkrankung auftreten. Bei plötzlich auftretenden Schmerzen, ist es wichtig, seinen Arzt aufzusuchen, der nach den Ursachen des akuten Schmerzes suchen wird. Häufig handelt es sich bei Tumorschmerzen aber um dauerhafte oder regelmäßig auftretende Schmerzen - um so genannten "chronische" Schmerzen. Hier hat der Schmerz seine Warnfunktion verloren. Der Schmerz selbst wird zum eigentlichen Problem. Chronische Schmerzen aushalten zu wollen, ist nicht gut. Der Körper bildet sehr schnell eine Art "Schmerzgedächtnis" aus, denn Dauerschmerzen verändern die Reizweiterleitung ins Gehirn. Schon kleinste Reize lösen dann starke Schmerzempfindungen aus. Schmerz kann sich verselbständigen und das Leben beherrschen.
Schmerzmessung und Schmerztagebuch
Die Behandlung der Schmerzen muss immer sehr genau abgestimmt werden auf die Ursachen, Art und Stärke der Schmerzen sowie auf die Bedürfnisse eines Patienten. Wie stark ist der Schmerz? - Diese Frage ist für einen Außenstehenden nicht zu beantworten. Die Stärke der Schmerzempfindung ist immer subjektiv. Aber es ist dennoch möglich, die Schmerzstärke zu messen. Dabei helfen Schmerzskalen. So kann der Patient seine Schmerzempfindung etwa auf einer Skala von 0 (kein Schmerz) bis 10 (maximal vorstellbarer Schmerz) einordnen. Auch kann er die Beeinträchtigung genauer beschreiben: ist der Schmerz in seinem Ausmaß irritierend, beunruhigend, quälend oder unerträglich? Hilfreich kann auch ein Schmerztagebuch helfen, in dem der Patient protokolliert, wann Schmerzen auftreten, welche Qualität sie haben (pochend, dumpf, spitz, stechend, bohrend etc.) und an welchen Stellen des Körpers sie auftreten. Die Schmerzen zu messen und zu dokumentieren, kann aus vielen Gründen hilfreich sein. Die subjektive Kategorie "Schmerz" wird so fassbarer für den behandelnden Arzt und für den Patienten. Missverständnissen kann so von vornherein vorgebeugt werden. Arzt und Patient reden nicht aneinander vorbei. Zudem wird es einfacher, sich über das Ziel einer Schmerzbehandlung zu verständigen. Außerdem lassen sich Erfolge und Defizite einer Behandlung schneller klären.
Medikamente gegen Schmerzen
Bei der Schmerztherapie spielen Medikamente eine wichtige Rolle. Gegen Entzündungsreaktionen und leichtere Schmerzen helfen klassische Schmerzmittel wie Aspirin, Paracetamol oder Diclofenac. Opioidhaltige Schmerzmittel (Opiate) dagegen haben Einfluss auf die Weiterleitung und Verarbeitung der Schmerzinformation über die Schmerzbahnen im Gehirn. Es gibt schwächere und sehr stark wirksame Opioide (Opiate). Helfen können auch Medikamente, die nicht in erster Linie als Schmerzmittel bekannt ist, etwa Antidepressiva, Cortison oder Knochenaufbaupräparate wie die Bisphosphonate. Außerdem können Chemotherapie oder Strahlentherapie helfen, Schmerzen zu lindern, weil diese Behandlungen dazu führen, dass ein Tumor kleiner wird. Wichtig ist, auch an Massagen, Bäder, Packungen und Krankengymnastik zu denken. Denn so lassen sich schmerzhafte Verspannungen im Körper lösen. Helfen können auch Entspannungstechniken.
Auf die Kombination kommt es an
Meist ist es sinnvoll, verschiedene Arten von Schmerzmedikamenten zu kombinieren. Das Ziel ist, das richtige Schmerzmedikament zur richtigen Zeit zu geben, also eine Kombinationsbehandlung zu entwickeln, die möglichst wenige belastende Nebenwirkungen aufweist. Zu Beginn einer medikamentösen Schmerztherapie mit Opiaten kann es zu Übelkeit oder Erbrechen kommen. Diese Nebenwirkungen treten sehr früh auf, klingen in der Regel aber nach kurzer Zeit ab. Auch die Schläfrigkeit verschwindet, wenn sich der Körper auf die Medikamente eingestellt hat. Andere Nebenwirkungen halten sich hartnäckig - wie etwa die Verstopfung. Ein weiteres Problem kann ein Juckreiz sein. Muskelkrämpfe als Nebenwirkung der Medikamente treten häufig erst nach einer längeren Behandlung auf. In der Regel gelingt es, mit Medikamenten die Nebenwirkungen zu beseitigen oder zu lindern.
Mythologisierungen
Tumorschmerzen lassen sich sehr erfolgreich behandeln. Nicht immer ist es möglich, völlige Schmerzfreiheit zu erreichen. Viele Tumorpatienten wollen auch keine völlige Schmerzfreiheit, sondern nur eine Linderung der Schmerzen, damit ihr Leben nicht von den Schmerzen beherrscht wird. Immer noch werden nicht alle Krebspatienten mit Schmerzen angemessen versorgt. Ein Problem ist nach wie vor, dass der Einsatz von Opiaten mythologisiert wird. Viele Patienten schrecken vor dem Gebrauch von Opiaten zurück, weil sie zu Unrecht glauben, dann sei das Ende ihres Lebens nahe. Und viele Ärzte fürchten - ebenfalls zu Unrecht -, Opiate könnten ihre Patienten süchtig machen. Dennoch hat die Schmerztherapie und die Versorgung von Krebspatienten in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Wurden vor 20 Jahren nur die wenigsten Krebspatienten nach den Regeln der schmerztherapeutischen Kunst behandelt, so sind es heute bundesweit immerhin 40 bis 60.000 Patienten. In Nordrhein Westfalen ist geplant, ein Netzwerk von ambulanten Diensten und Palliativstationen aufzubauen, um so langfristig eine flächendeckende Versorgung sicher zu stellen.
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Der Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum
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