Winziges Wal-Organ fürs Großmaul
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[mehr]![Elektronenmikroskop-Aufnahme einer Krebszelle; Rechte: Mauritius Images/WDR [m] Elektronenmikroskop-Aufnahme einer Krebszelle; Rechte: Mauritius Images/WDR [m]](/fileadmin/user_upload/Sonderseiten/2008/Dossier_Krebs/Banner_DK1.jpg)
Neue Forschungsansätze

In den letzten Jahrzehnten haben Krebsforscher viel gelernt über die Entstehung von Krebskrankheiten. Sie kennen im Detail viele wichtige Unterschiede zwischen gesunden und bösartigen Zellen. Auf der Basis dieser Kenntnisse wollen sie neue und schonendere Behandlungsverfahren entwickeln, mit denen sich Krebszellen gezielt bekämpfen lassen, ohne gesundes Gewebe zu schädigen. Viele dieser innovativen Behandlungsformen befinden sich noch in einem experimentellen Stadium.
Die Krebsbehandlung verträglicher machen
Herkömmliche Krebsmedikamente greifen vor allem Zellen an, die sich schnell teilen, also auch Zellen des Blutsystems, Schleimhautzellen und Haarwurzelzellen. Dies ist der Grund für die zahlreichen Nebenwirkungen der Chemotherapie. Krebsforscher versuchen eine Chemotherapie zu entwickeln, die nur die Krebszellen angreift. Die Strategie: Moleküle, so genannte "pro-drugs", die erst in der Krebszelle wirksam werden. Die Forscher nutzen dazu kleine Unterschiede im Stoffwechsel von normalen Zellen und Krebszellen. Ein Stoffwechselprodukt, das nur von Krebszellen gebildet wird, wandelt das Molekül um in das eigentliche wirksame Zellgift.
Maßgeschneiderte Moleküle bremsen die Zellteilung
Tumorzellen bilden Signalstoffe, welche die Zellteilung beschleunigen. Forscher entwickeln Moleküle, die sich als Gegenspieler zu diesen Signalstoffen eignen, die als Zellteilungsbremse wirken oder die Zellteilung stören. Für wenige Krebskrankheiten, beispielsweise seltene Tumore des blutbildenden Systems ist ein solcher Wirkstoff bereits als Medikament zugelassen. Der Vorteil: der Wirkstoff hemmt gezielt die Zellteilung. Der Nachteil: das Medikament eignet sich nur zur Behandlung von speziellen Tumoren.
Impfen gegen Krebs
Das Immunsystem erkennt und bekämpft Krebszellen nicht effektiv. Das hat viele Gründe: Krebszellen sind aus normalen gesunden Körperzellen entstanden, auf ihrer Zelloberfläche tragen sie nur wenige Merkmale, die sie von Körperzellen unterscheiden. Zum anderen unterlaufen Krebszellen die Immunabwehr. Seit vielen Jahren suchen Forscher nach Wegen, Impfstoffe zu entwickeln, die das Immunsystem trainieren, Krebszellen zu erkennen und gezielt zu bekämpfen. Das Problem: Um einen Impfstoff entwickeln zu können, muss eine Struktur bekannt sein, die sich ausschließlich auf der Oberfläche von Krebszellen findet, nicht aber auf der von gesunden Körperzellen. Sonst würde das Immunsystem gesunde körpereigene Gewebe angreifen - die Folge wäre eine schwere Autoimmunerkrankung. Ein weiteres Problem: Die komplexe Funktionsweise des Immunsystems ist erst in Ansätzen verstanden. Dennoch wird eine Reihe von Impfstoffen erprobt. Noch aber müssen diese experimentellen Impfstoffe erst beweisen, dass sie eines Tages die herkömmliche Krebstherapie sinnvoll ergänzen könnten.
Antikörper gegen Krebs
Für Krebszellen typische Oberflächenstrukturen können auch direkt attackiert werden. Mit maßgeschneiderten Molekülen, so genannten monoklonalen Antikörpern. Diese Antikörper sind ein Ergebnis der Impfstoffforschung. Anders als in der Impfforschung aber soll hier nicht das Immunsystem eines Patienten angeregt werden, Abwehrmoleküle zu bilden. Sondern die Abwehrmoleküle werden im Labor hergestellt und als Medikament gespritzt. Die Antikörper koppeln dann gezielt an spezielle Oberflächenstrukturen der Krebszelle an und bewirken so den Untergang der Krebszelle. Oder sie bremsen das Tumorwachstum. Monoklonale Antikörper können eine herkömmliche Therapie ergänzen. Der Nachteil: Die Antikörper sind sehr teuer, und bislang erst für wenige spezielle Tumorarten entwickelt worden.
Gentherapie
Ziel einer Gentherapie ist es, genetische Defekte auszugleichen (zur Seite "Krebs und Gene"). Dazu werden so genannte "therapeutische Gene" in die Zelle eingeschleust. Bösartige Zellen sollen so zu normal funktionierenden Zellen werden. Ist in der Krebszelle beispielsweise ein Gen defekt, das für den programmierten Zelltod (die so genannte "Apoptose") unentbehrlich ist, und das intakte Gen wird in die Krebszelle eingeschleust, dann kann die Krebszelle so in den programmierten Selbstmord getrieben werden. Die Folge: die Krebszelle stirbt ab. Das grundsätzliche Problem aller Gentherapien: die therapeutischen Gene müssen in alle Tumorzellen hineingebracht werden. Als Gen-Taxi werden in der Gentherapie veränderte, abgeschwächte Viren benutzt. Die Herausforderung für die Forschung ist, die Gen-Taxis so zu konstruieren, dass sie Tumorzellen von normalen Zellen unterscheiden können, und dass sie selbst in große Tumoren eindringen können. Bislang erprobten Gen-Taxis gelingt dies nur unvollkommen. Auf absehbare Zeit wird die Gentherapie deshalb bestenfalls die herkömmlichen Krebstherapien ergänzen können. Darüber hinaus ist eine Gentherapie nicht ohne Risiko. Denn einige der als Gen-Taxis benutzten Viren stehen selbst im Verdacht, Krebs auszulösen.
Krebszellen in den Selbstmord treiben
Bei einigen Tumoren gelingt es, mit einer Strahlen- oder Chemotherapie den programmierten Zelltod auszulösen, bei anderen nicht. Die Forscher glauben, dass bei diesen Krebszellen das Selbstmordprogramm zwar vorhanden, aber gestört ist. Deshalb haben sie spezielle kleine Moleküle entwickelt, die entweder das Todessignal verstärken, das die Krebszelle erhält oder Signale, welche die Krebszelle am Leben halten, abschwächen. In der Praxis bedeutet das: die Tumorzellen werden so wieder empfindlich für eine Chemotherapie.
Den Krebs aushungern
Tumore regen die Neubildung von Blutgefäßen an. Nur wenn ein Tumor neue Gefäße bildet, die ihn mit Blut und Nährstoffen versorgen, kann er wachsen. Ein noch sehr junger Ansatz in der Krebsforschung ist es, gezielt die Neubildung von Blutgefäßen zu verhindern und so den Krebs auszuhungern (Anti-Angiogenese). Stoffe, welche die Neubildung von Blutgefäßen unterbinden, ließen sich so gegen viele verschiedene Tumorarten einsetzen. Die Krebszellen wiederum könnten die Therapie nicht unterlaufen, bilden also keine Resistenzen.
Die Gefäßneubildung aber ist komplexer und wird von sehr viel mehr Signalmolekülen gesteuert, als Forscher noch bis vor kurzem dachten. Die Wissenschaftler verstehen das komplexe Signal-Netzwerk erst ansatzweise. Ob sich der Forschungsansatz jemals in eine effektive Therapie umsetzen lässt, ist deshalb noch vollkommen offen.
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