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[mehr]![Elektronenmikroskop-Aufnahme einer Krebszelle; Rechte: Mauritius Images/WDR [m] Elektronenmikroskop-Aufnahme einer Krebszelle; Rechte: Mauritius Images/WDR [m]](/fileadmin/user_upload/Sonderseiten/2008/Dossier_Krebs/Banner_DK1.jpg)
Fatigue

"Müde? Dann solltest Du schlafen!" Vielen Krebskranken hilft dieser Ratschlag gar nicht. Denn Ruhepausen und Schlaf bringen ihnen keine Erholung. Jeder zweite Krebspatient leidet unter "Fatigue", einer quälenden Müdigkeit, einer körperlichen und psychischen Erschöpfung. Anders als normale Müdigkeit am Abend oder nach körperlicher Anstrengung kann Fatigue nicht durch Schlaf überwunden werden. Fatigue belastet den Tagesablauf, behindert die Arbeit, schränkt das Fühlen und Denken ein. Nicht alle Auslöser für diese besondere Form der Erschöpfung sind bekannt. Die Krebskrankheit selbst spielt eine wichtige Rolle. Hinzu kommt die seelische Belastung durch die Diagnose "Krebs". Aber auch die verschiedenen Behandlungen wie Chemo- oder Strahlentherapie begünstigen das Auftreten des Erschöpfungssyndroms. Zuweilen macht sich Fatigue auch erst Monate nach einer erfolgreichen Krebsbehandlung bemerkbar.
Was ist Fatigue?
Jeder kennt das Gefühl, erschöpft zu sein. Aber bei Menschen mit Krebs, die unter Fatigue leiden, können diese Erschöpfungszustände Tage, Wochen oder Monate andauern. Fatigue, von Betroffenen als vollständiger Energie-Verlust beschrieben - ist ein Phänomen, auf das selbst Ärzte erst in den letzten Jahren aufmerksam wurden. Während die Medizin in den letzten Jahrzehnten Fortschritte gemacht hat, Krebserkrankungen selbst besser zu behandeln, wird Fatigue, obwohl sie das häufigste Begleitsymptom von Krebserkrankungen ist, von Ärzten häufig übersehen oder unterschätzt.
Es gibt nicht wenige Krebspatienten, für die Fatigue kein Thema ist, bei anderen Krebskrankheiten - bei bösartigen Krankheiten des Blutsystems, Leukämien und Lymphomen - ist es ein häufiges Problem, ebenso bei Brustkrebs. Insgesamt, so schätzen Mediziner, leidet mehr als jeder zweite Krebspatient unter Erschöpfungszuständen. Es liegen aber keine gesicherten Untersuchungen vor, wie häufig Fatigue wirklich vorkommt.
Mediziner beschreiben Fatigue allgemein als ein Gefühl von körperlicher und geistiger Müdigkeit, die mit verringerten Energiereserven und geminderter Muskelkraft einhergeht. Fatigue ist sehr schwierig zu beschreiben. Patienten sagen, sie seien müde, matt, abgeschlagen, erschöpft, antriebslos. Erschöpfung ist immer auch eine subjektive Kategorie, sie lässt sich - ähnlich wie Schmerz - nur schwer objektiv messen, das Ausmaß kann nur der Betroffene selbst beschreiben.
Fatigue kann viele Auslöser haben
Einige Auslöser für Fatigue sind bekannt. Ein Tumor im Körper macht messbare Symptome, er kann Fieber auslösen, den Körper auszehren. Es kommt zu Gewichtsverlust, Nachtschweiß und anderen körperlichen Reaktionen. Bekannt ist auch, dass die Krebsbehandlung Fatigue verstärken kann: eine Chemotherapie, Strahlentherapie oder eine Operation sind anstrengend. Die Chemotherapie hat viele Nebenwirkungen. Dadurch, dass Krebszellen zerstört werden und die Medikamente mehrfach gegeben werden, können sich auch schädliche oder giftige Stoffwechselprodukte im Körper ansammeln. Schmerz, Übelkeit oder Atemnot können Fatigue verstärken. Auch Mangelernährung und Gewichtsverlust spielen eine große Rolle. Bewegungsmangel kann dazu führen, dass sich Muskeln abbauen: viele Krebspatienten haben dadurch weniger Kraft als vorher.
Blutarmut
Die Blutarmut, die Anämie, gilt als eine der häufigsten Ursachen der Fatigue. Die roten Blutzellen versorgen den Körper mit Sauerstoff. Transportmittel für den Sauerstoff ist der rote Blutfarbstoff, das Hämoglobin. Blutarmut entsteht, wenn der Tumor selbst das Knochenmark schädigt. Dann werden weniger rote Blutzellen gebildet. Auch die Strahlentherapie und viele Krebsmedikamente können das Knochenmark schädigen. Eine weitere Ursache für Blutarmut kann sein, dass der Körper zu wenig von einem wichtigen Wachstumsfaktor bildet. Ohne dieses Erythropoetin reifen Blutzellen nicht heran. Bei Blutarmut wird weniger Sauerstoff in alle Zellen des Körpers transportiert, die Zellen können nicht richtig arbeiten. Blutarmut schwächt den Körper.
Eine Tumorerkrankung stellt aber auch eine große psychische Belastung dar, der mit Stress verbunden ist. Wie geht das Leben weiter, werde ich wieder gesund, werde ich wieder arbeiten können, ist die Zukunft meiner Familie gesichert? Fragen, die quälen und bewältigt werden müssen. Seelische Faktoren oder eine Depression können die Erschöpfung auslösen. Auf der anderen Seite bleibt die Erschöpfung selten ohne Auswirkungen auf das psychische und seelische Wohlbefinden.
Behandlungsmöglichkeiten
Hilfreich ist oft schon das Wissen, dass Fatigue nicht Ungewöhnliches ist, einige Zeit nach dem Ende der Behandlung meist überwunden wird und, dass Fatigue nichts über den Verlauf einer Krebskrankheit aussagen muss. Zunächst ist es wichtig, mit dem Arzt über die Erschöpfung zu sprechen. Das Vorliegen einer Fatigue kann der Arzt nicht aus Laborwerten, Blutwerten, Röntgenbefunden lesen. Es kann also sein, dass ein Arzt zunächst nicht an die Diagnose Fatigue denkt. Hier hilft nur die Aussage des Patienten weiter. Welche Behandlungen sinnvoll sind, was aus der Erschöpfung heraus hilft, muss jeder Patient mit seinem Arzt gemeinsam entscheiden.
Der Arzt wird zunächst schauen, ob sich hinter der Erschöpfung nicht behandelbare Ursachen verbergen. Dazu gehören Infektionen, Störungen im Wasser-Salz-Haushalt, Zuckerstoffwechselstörungen, eine Schilddrüsenunterfunktion, neurologische Erkrankungen, die nicht mit Krebs zu tun haben sowie Nebenwirkungen von Medikamenten, die müde machen (Schlafmittel, Medikamente gegen Bluthochdruck, Schmerzmittel). Auch auf eine Anämie oder einen Eisenmangel wird der Arzt achten. Aus der Blutuntersuchung kann der Arzt ablesen, ob genug roter Blutfarbstoff (Hämoglobin) im Blut enthalten ist. Wird ein bestimmter Grenzwert unterschritten, sollte die Anämie behandelt werden.
Eine Möglichkeit dazu ist eine spezielle Bluttransfusion, die Gabe von roten Blutzellen von einem Blutspender. Der Vorteil: die Transfusion wirkt sofort. Der Nachteil: die körperfremden roten Blutzellen leben nur etwa drei Wochen, die Transfusion muss dann wiederholt werden. Außerdem besitzen Transfusionen ein sehr niedriges aber trotz aller Sicherheitsmaßnahmen nie ganz auszuschließendes Risiko, dass mit dem Blut Krankheitserreger übertragen werden - z.B. Hepatitis-Viren, die eine Leberentzündung auslösen.
Alternativ kann ein Hormon als Medikament gespritzt werden: das Erythropoetin, das für die Bildung der roten Blutzellen verantwortlich ist. Das Medikament wird in der Regel ein bis zweimal in der Woche gespritzt. Nach sechs Wochen etwa ist klar, ob das Medikament geholfen hat. Oft ist auch die zusätzliche Gabe von Eisentabletten oder anderen Eisenpräparaten sinnvoll. Denn der Körper braucht Eisen in ausreichender Menge für eine gesunde Blutbildung.
Bewegung und Sport
"Krebskranke sind nicht so leistungsfähig, damit sie sich erholen, sollten sie geschont werden und sich schonen" - so ein gängiges Urteil. Tatsächlich sind Menschen gerade nach einer Chemotherapie oder Strahlentherapie nicht zu Höchstleistungen fähig. Aber zu wenig körperliche Bewegung birgt auf Dauer auch Risiken: die Muskeln bauen sich ab, das Herz-Kreislaufsystem kann schwächer werden, die Ausdauer nimmt ab. Vorsichtiges sportliches Training - unter Anleitung - kann diese Effekte bremsen. Ideal sind Ausdauersportarten wie Gehen, Joggen, Radfahren oder Schwimmen. Auch Spazierengehen hat schon einen Effekt. Es sollte dabei nie um Höchstleistungen gehen, das Training sollte der Krankheitssituation angepasst sein und mit dem Arzt abgesprochen werden. Und bei bestimmten Beschwerden, wie fieberhaften Infekten oder Komplikationen bei der Behandlung, ist Sport nicht sinnvoll. Ausreichend Bewegung kann auch helfen, das häufige Schlafproblem von Menschen mit Fatigue zu lindern.
Regeln für eine guten Schlaf
Auch viele gesunde Menschen haben Schlafprobleme. Es gibt einige allgemeine Tipps, wie sich Schlafen lernen lässt. Diese gelten auch für Fatigue-Patienten:
- die Dauer des Schlafs auf eine bestimmte Zeit festlegen, die erfahrungsgemäß zu Erholung führt oder geführt hat,
- nach dem Aufwachen sofort aufstehen,
- bei Einschlafstörungen nicht im Bett liegen bleiben, sondern sich beschäftigen, bis sich wieder das Gefühl der Müdigkeit einstellt.
- das Bett nur zum Schlafen nutzen, nicht zum Lesen oder Fernsehen,
- am Tage auch bei großer Müdigkeit nur maximal eine Stunde schlafen
- auch an Wochenenden zur gewohnten Zeit aufstehen
Nur bei schweren Schlafstörungen sollte auf leichte Medikamente zurückgegriffen werden - aber immer erst nach einer Beratung mit dem Arzt und niemals auf eigene Faust.
Wer hilft weiter?
- Das Fatigue Telefon (FIT) des Krebsinformationsdienstes (KID) am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg. Erreichbar: Montag, Mittwoch, Freitag 16-19 Uhr. Telefon: 06221 - 42 43 44
- Viele Kliniken bieten bereits psycho-onkologische Beratung und Begleitung an.
- Selbsthilfegruppen sind wichtige Anlaufstellen für Informationen und Erfahrungsaustausch.
- Informationen über Sport und Bewegung bei Krebs gibt es bei Krebssportgruppen, die beinahe überall angeboten werden.
"Was ist Fatigue - Ein Ratgeber für Krebspatienten, die sich erschöpft fühlen"
ist gegen Einsendung eines mit 1,53 € frankierten DIN-A-5-Umschlages erhältlich beim Deutschen Grünen Kreuz.
Stichwort "Was ist Fatigue"
Schuhmarkt 4
35037 Marburg
Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
Inkanet - Das Informationsnetz für Krebspatienten und Angehörige
Krebs-Kompass - Patienteninformation und Selbsthilfeforum
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Onkolinks - Umfangreiches Verzeichnis von Links zum Thema Krebs
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