Hodenkrebs

Elektronenmikroskop-Aufnahme einer Krebszelle; Rechte: Mauritius Images/WDR [m]

Dossier Krebs


Hodenkrebs


Michelangelos David; Rechte: picture-alliance / dpa

Früh erkannt, Gefahr gebannt!
Er kommt zwar selten vor, ist jedoch bei jungen Männern der häufigste bösartige Tumor. Er ist schmerzlos, kann aber als Schwellung ertastet werden. Die Ursachen, die zum Hodenkrebs führen können, sind noch nicht geklärt. Als Risikofaktoren kommen in Frage Hodenhochstand, eine Entzündung, eine Verletzung oder Unterentwicklung des Hodens sowie eine genetische Veranlagung. Wird der Hodenkrebs früh erkannt, sind die Heilungschancen sehr gut.

Krebs des jungen Mannes
Nur 1 Prozent aller Krebsarten, die Männer betreffen können, sind Hodentumore - doch in der Altersgruppe der 20- bis 40-jährigen Männer stehen Hodentumoren mit 30 Prozent an erster Stelle der Erkrankungen. Nur ein Zehntel der Patienten ist bei Diagnosestellung älter als 50 Jahre. Deshalb gilt der Hodenkrebs als der Krebs des jungen Mannes. Etwa 2.600 Männer erkranken pro Jahr in Deutschland an Hodentumoren. Diese Tumoren treten fast immer einseitig auf. Nur in etwa 2-3 Prozent kommt es zu einem Befall beider Hoden. 90 bis 98 Prozent der Patienten können dauerhaft geheilt werden.

Risikofaktoren
Über die Ursachen ist wenig bekannt. Es gibt allerdings Risikofaktoren wie beispielsweise den Hodenhochstand: Männer, die als Kleinkinder einen Hodenhochstand hatten, bei denen ein Hoden oder auch beide Hoden gelegentlich in den Bauchraum wandern oder ganz oder teilweise in der Bauchhöhle verblieben sind, gehören ebenso zur Risikogruppe wie Männer mit Hodenschrumpfungen. Nach Verletzungen der Hoden oder nach Hodenentzündungen haben Männer ein 10- bis 15mal erhöhtes Risiko, später an Hodenkrebs zu erkranken. Selten entstehen Hodentumoren auch außerhalb des Hodens, wobei hier die Ursachen noch ungeklärt sind.

Hodenhochstand
Durch den Hodenhochstand verlieren Männer ihre Zeugungsfähigkeit. Der Hodenhochstand sollte deshalb schon bei Kleinkindern erkannt und zwischen dem 3. und 18. Lebensmonat behoben werden. Diese Untersuchungen finden routinemäßig bei den Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt statt. Allerdings ist auch die Korrektur der falschen Hodenlage in der frühen Kindheit kein Schutz vor dem höheren Tumorrisiko, sondern schützt lediglich vor Unfruchtbarkeit. Eltern sollten ihren Sohn später über den Hodenhochstand informieren, damit er im Erwachsenenalter bei auffälligen Befunden am Hoden den Arzt über den frühkindlichen Hodenhochstand informieren kann.

Früherkennung
Früherkennung verbessert die Heilungschancen: Je frühzeitiger der Hodentumor diagnostiziert wird, desto besser lässt er sich operativ beseitigen und relativ einfach heilen. Doch ein Drittel der Hodenkrebs-Patienten kommen erst dann zum Arzt, wenn der Tumor bereits erste Tochtergeschwülste gebildet hat.

Selbstuntersuchung
Die regelmäßige Selbstuntersuchung ist die häufigste Früherkennung des Hodentumors. Gerade Männer in der Altersgruppe zwischen 20 bis 40 Jahren sollten regelmäßig ihre Hoden auf Verdickungen und Verhärtungen abtasten. Die Abtastungen sind deshalb wichtig, weil die tumorbedingten Verdickungen und Verhärtungen im Bereich der Hoden meistens keine Schmerzen auslösen.

Wie geht das?
Am besten kann der Mann sich selbst untersuchen, wenn der Hodensack schlaff und weich ist, also bei warmen Temperaturen, zum Beispiel unter der Dusche oder in der Badewanne. Dazu wird der rechte Hoden mit der rechten Hand gehalten und mit den Fingern der linken Hand rundherum abgetastet - auch zum Körper hin nach oben. Das gleiche geschieht mit dem linken Hoden. Machen sich Verhärtungen oder Schwellungen bemerkbar, muss umgehend der Arzt aufgesucht werden.

Anzeichen
Folgende Anzeichen müssen auf jeden Fall durch eine eingehende ärztliche Untersuchung abgeklärt werden: Eine einseitige schmerzlose Schwellung des Hodens, ein Schweregefühl im Hoden und/oder eine tastbare, meist schmerzlose Verhärtung des Hodens. Weitere, schon etwas deutliche Symptome sind: Ziehende Schmerzen im Hoden, nicht heilende Hoden- oder Nebenhodenentzündungen und/oder eine oft einseitige Schwellung der Brustdrüsen, eine Gynäkomastie.

Das früheste, erste Stadium
Die Erkrankung hat nur den Hoden selbst befallen und hat sich noch nicht im Körper ausgebreitet.

Zweites Stadium
Die Erkrankung breitet sich in der Regel zunächst in die Lymphknoten des unteren Bauchraumes aus. Weder Lymphknoten außerhalb des Bauchraumes noch andere Körperorgane sind befallen.

Fortgeschrittenes, drittes Stadium
Der Hodenkrebs kann über den Blutkreislauf Lymphknoten außerhalb des Bauchraumes und jedes Körperorgan, vor allem aber die Lunge, die Leber, das Gehirn und das knöcherne Skelett befallen.

Gute Heilungschancen
In jedem Tumorstadium kann Hodenkrebs geheilt werden, auch wenn der Tumor fortgeschritten ist oder wenn sich Metastasen in anderen Körperregionen oder Organen gebildet haben. Doch je früher Hodenkrebs erkannt wird, desto einfacher ist die Behandlung und desto besser sind die Aussichten dauerhaft von dem Krebs geheilt zu werden.

Tastuntersuchung
Bei Verdacht macht der Arzt zunächst selbst auch eine Tastuntersuchung, bei der in etwa 97% der Fälle der Tumor vom Arzt festgestellt oder bestätigt werden kann. Anschließend untersucht der Arzt auch noch den Bauchraum, um mögliche größere Tochtergeschwülste, so genannte Metastasen, auszuschließen, beziehungsweise zu entdecken.

Indikator Tumormarker
Abhängig vom Typ der Hodenkrebserkrankung sind die so genannten Tumormarker - bestimmte Stoffe im Blut - bei bis zu 90% aller Patienten erhöht. Ihre Konzentration kann durch eine einfache Blutuntersuchung bestimmt werden. Die Tumormarker sind nicht nur bei der Diagnosestellung wichtig, sondern können auch sehr hilfreich bei der Therapieüberwachung sein. Ihr Abfall zeigt einen Therapieerfolg an und ihr Anstieg ein fortschreitendes Wachstum. Ein Wiederauftreten der Tumormarker nach erfolgter Therapie deutet auf Tochtergeschwülste hin. Es ist allerdings zu beachten, dass auch andere Erkrankungen zu einer Erhöhung dieser Marker führen können.

Ultraschalluntersuchung
Per Ultraschalluntersuchung der Hoden lassen sich fast alle Tumoren feststellen, auch wenn die Tumoren kleinere, mit den Fingern nicht tastbare Knötchen sind oder im Hodeninneren liegen.

Gewebeentnahme
Bei der Gewebeentnahme wird in aller Regel der Hoden über einen Leistenschnitt freigelegt und der Tumor komplett ausgeschält und der sog. Schnellschnittuntersuchung zugeleitet. Sollte sich ein gutartiger Befund ergeben, bleibt der Resthoden erhalten, ist der Befund negativ erfolgt die Entfernung des Tumor tragenden Hodens und eine Röntgenuntersuchung der Lunge - immer als Computertomographie.

Röntgenuntersuchung der Lunge (CT)
Diese Untersuchung wird in der Regel zusätzlich durchgeführt. Das Bild gebende Verfahren kann mögliche Tochtergeschwülste in der Lunge oder im Gewebe, welches das Herz umgibt, darstellen und nachweisen. Sie sind ein Zeichen einer Streuung von Krebszellen über die Blutbahn. Wichtig ist der Vergleich mit früher angefertigten Röntgenbildern.

Operation
Weil Hodentumoren schnell metastasieren, also Krebszellen streuen, sinkt die Heilungschancen, je länger die Behandlung aufgeschoben wird. Die operative Entfernung des gesamten erkrankten Hodens ist der wichtigste und erste Therapieschritt. Damit das Risiko einer Krebsstreuung so gering wie möglich gehalten wird, wird außer dem Hoden auch ein Teil des Samenstranges mit entfernt. Eine Gewebeprobe aus dem anderen Hoden soll eine bösartige Erkrankung des anderen Hoden ausschließen.

Chemotherapie und Bestrahlung
Abhängig von der Art des Hodenkrebses und dem Vorhandensein von Tochtergeschwülsten raten die Ärzte auch nach einer operativen Entfernung des Hoden zu einer zusätzlichen Chemotherapie und/oder Bestrahlungstherapie, um mögliche Metastasen im Bauchraum zu behandeln. Seit Einführung der Chemotherapie in das Therapieprogramm ist Hodenkrebs eine der am besten behandelbaren Krebserkrankungen.

Potenz und Zeugungsfähigkeit
Mit der Diagnose Hodenkrebs kommt bei vielen erwachsenen Patienten die Frage nach der Zeugungsfähigkeit und der Potenz nach einer Behandlung auf. Da der gesunde Hoden der Gegenseite die Funktion des entfernten Hodens übernimmt, treten langfristige Nebenwirkungen wie Unfruchtbarkeit, Impotenz oder eine Beeinträchtigung des sexuellen Erlebens durch diese Operation nicht auf, wenn nur ein Hoden entfernt werden musste.

Wenn beide Hoden betroffen sind
Werden beide Hoden entfernt, ist die Prognose bezüglich Sexualität und Familienplanung schwieriger. Sowohl die Chemotherapie als auch die Strahlentherapie können die Samenreifung beeinträchtigen. Der Schweregrad der Schädigung ist von Dauer und Intensität der Behandlung abhängig. Die Samenzellreifung erholt sich innerhalb von zwei Jahren bei mindestens der Hälfte der Patienten.

Psychosoziale Betreuung
Zu einer umfassenden Hodentumorbehandlung gehört deshalb auch die gute psychosoziale Beratung: Jungen Männern wird geraten, vor Chemo- oder Strahlentherapie ihren Samen in einer Samenbank zu deponieren. Dort wird das Sperma tiefgefroren gelagert und kann dann später bei Kinderwunsch wieder aufgetaut und genutzt werden. Unklar ist derzeit, ob die Kosten dafür selbst getragen werden müssen, oder die gesetzlichen Krankenversicherungen sich beteiligen.


Literaturtipps

Joachim Hartlapp, Peter Albers, Elke Freudenberg:
Hodenkrebs. Ein Ratgeber für Krebspatienten und ihre Angehörigen.
Mit Adressen im Anhang
Weingärtner Verlag

Peter Erhardt:
4 x Stehaufmännchen. 4 x Hodenkrebs, 4 x gekämpft und gesiegt
Schmitz, Egestorf, 2005


Adressen und Links

Psychosoziale Beratungsstelle für Krebskranke und Angehörige Selbsthilfe Krebs e.V.
Albrecht-Achilles-Straße 65, 10709 Berlin
Tel. für Betroffene: 030-8914049
Tel. für Angehörige: 030-89354
Krebs-Krisen-Telefon (Fr./Sa./So. von 18.00 bis 21.00 Uhr): (030) 89 09 41 19 49

Berufsverband der deutschen Urologen e.V.
Uerdinger St. 64
40474 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 9513729
Fax: 0211 / 9513732
E-Mail: bdu-schatzmeister@t-online.de

Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.
Uerdinger St. 64
40474 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 5160960
Fax: 0211 / 51609660
E-Mail: info@dgu.de

Der Krebsinformationsdienst KID im Deutschen Krebsforschungszentrum ist ein Angebot für jeden, der Fragen zum Thema Krebs hat. KID informiert kostenlos, neutral und vertraulich.
KID-Telefon: Montag - Freitag, 8-20 Uhr, 06221 - 41 01 21
E-Mail-Service KID: krebsinformation@dkfz.de

Deutsche Krebshilfe e.V.
Thomas-Mann-Str. 40
53111 Bonn
Postfach 1467
53004 Bonn
Tel.: 02 28/7 29 90-0
deutsche@krebshilfe.de

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