Darmkrebs

Elektronenmikroskop-Aufnahme einer Krebszelle; Rechte: Mauritius Images/WDR [m]

Dossier Krebs


Darmkrebs


Gallertkrebs im Mastdarm; Rechte: picture-alliance/dpa/Klett G

Früherkennung lohnt sich
Dickdarmkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten in Deutschland. Jedes Jahr erkranken ca. 50.000 Menschen daran. Frühzeitig erkannt, sind die Heilungschancen sehr gut. Doch leider nehmen immer noch nur wenige Männer und Frauen kostenlose Früherkennungs-Untersuchungen wahr: Ärzte empfehlen, ab dem 45. Lebensjahr jährlich den Stuhl auf verstecktes Blut untersuchen zu lassen und ab dem 55. Lebensjahr eine vorsorgliche Darmspiegelung durchführen zu lassen. Und man kann schon viel früher aktiv werden: Eine gesunde und vollwertige Ernährung senkt das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.

Darmspiegelung
Eine Darmspiegelung sollte immer dann gemacht werden, wenn ein Verdacht auf eine Darmkrankheit vorliegt - oder als Krebsvorsorgemaßnahme, d.h. ab dem 55. Lebensjahr. Für die Darmspiegelung wird ein Untersuchungsgerät, ein so genanntes "Endoskop" in den Darm eingeführt und bis zum Dünndarm vorgeschoben. Auf dem Rückweg wird die Darmschleimhaut untersucht. An dem Endoskop sind eine Kaltlichtlampe und eine Optik angebracht. Die Bilder können dann auf einem großen Bildschirm gesehen werden. Der Arzt kann so die Darmschleimhaut sehr genau untersuchen, er sieht Veränderungen der Darmschleimhaut, z.B. Polypen. Diese können direkt während der Untersuchung entfernt werden.

Polypen
Polypen sind Veränderungen der Darmschleimhaut. Sie sehen ganz unterschiedlich aus: manche wie Pilze, andere eher kegelförmig. Meist sind sie farblos. Polypen ist nicht anzusehen, ob sie gefährlich sind oder nicht. Nicht aus allen Polypen kann Krebs werden. Als gefährlich gelten insbesondere Polypen, die sich aus Drüsengewebe gebildet haben (Adenome), sie können wachsen und sich zu Krebs wandeln. Grundsätzlich werden alle Polypen, die bei der Darmspiegelung entdeckt werden, entfernt. Der Pathologe untersucht dann, ob sie harmlos sind oder nicht, ob es sich vielleicht sogar schon um Krebs handelt.

Wird kein Polyp gefunden, dann reicht es aus, die nächste Darmspiegelung etwa zehn Jahre später machen zu lassen; wird ein gutartiger Polyp gefunden, sollte die Kontrolluntersuchung früher stattfinden. Menschen mit einem höheren ererbten Risiko für Dickdarmkrebs müssen engmaschig medizinisch beraten und betreut werden. Sie müssen meist einmal jährlich eine Darmspiegelung machen lassen, und sehr viel früher damit beginnen.

Mit einer Darmspiegelung gelingt es einem Arzt in der Regel, alle Polypen zu finden. Manchmal verbergen sich ganz kleine Polypen an Stellen, die nicht gut einzusehen sind. Das kommt aber eher selten vor. Wichtig ist dennoch, dass der untersuchende Arzt viel Erfahrung besitzt - also häufig Darmspiegelungen macht.

Der Arzt muss unbedingt den gesamten Dickdarm spiegeln. Früher glaubten Mediziner, die meisten Polypen würden sich im Enddarm oder Mastdarm bilden, es würde also ausreichen, diesen Teil zu untersuchen. Das hat sich als falsch erwiesen. Zur Sicherheit kann der Patient vom Arzt ein Photo des Blinddarms verlangen, der Arzt kann auch durch eine Gewebeprobe beweisen, dass er das Endoskop bis zum Dünndarm vorgeschoben hat und also den ganzen Dickdarm begutachtet hat.

Wenn bei einer Darmspiegelung alle Polypen entfernt werden, kann so verhindert werden, dass Darmkrebs überhaupt entsteht. Würden alle Menschen, die älter als 55 Jahre sind, eine Darmspiegelung machen, gäbe es dramatisch weniger Dickdarmkrebs-Erkrankungen.

Vielen Menschen macht eine Darmspiegelung Angst. Aber eine Darmspieglung muss nicht weh tun. Unangenehm kann aber die Vorbereitung auf die Untersuchung sein. Zwei Tage vor einer Darmspiegelung sollte die Ernährung auf Schonkost umgestellt werden. Am Tag vor der Untersuchung müssen Abführmittel genommen werden, die den Darm entleeren und reinigen. Nur so hat der Arzt freie Sicht auf die Darmschleimhaut, die er untersuchen will.

Der Dickdarm macht einige sehr starke Biegungen und Kurven. Das Vorschieben des Untersuchungsinstrumentes kann an diesen Stellen ohne Betäubung schon sehr unangenehm sein. Eine Vollnarkose ist trotzdem nicht notwendig, es gibt gut wirksame verträgliche Beruhigungsmittel, die in einen schlafähnlichen Zustand versetzen.

Der Haemoccult-Test
Der so genannte Haemoccult-Test wird ab dem 45. Lebensjahr im Rahmen der gesetzlichen Krebsvorsorge empfohlen. Der Test weist verstecktes Blut im Stuhl nach. Stuhlproben werden auf Testpapierchen aufgetragen. Im Labor werden die Proben untersucht. Der Hintergrund: Polypen, Krebsvorstufen und Krebsgeschwülste fangen ab einer bestimmten Größe an zu bluten. Dieses versteckte, nicht sichtbare, "okkulte" Blut wird mit dem Test nachgewiesen.

Der Test ist billig, einfach anzuwenden, aber er ist nicht 100 % sicher. Nicht alle Polypen bluten, das Blut kann auch von Hämorrhoiden kommen. Nahrungsmittel können den Test verfälschen. Es gibt also eine Reihe von Fehlerquellen. Wenn der Test anschlägt, sollte auf jeden Fall zur Sicherheit eine Darmspiegelung gemacht werden.

Auch der Haemoccult-Test könnte helfen, die Häufigkeit von Darmkrebs zu senken. Aber wenige Menschen hierzulande nutzen den Test. Empfohlen wird er ab dem Alter von 45 Jahren. Nur jede dritte Frau und etwa jeder zehnte Mann in diesem Alter macht jährlich den Test. Und: Sicherer ist in jedem Fall die Darmspiegelung.

Experimentelle Diagnostik
Mediziner erproben zur Zeit weitere Diagnose-Verfahren, etwa die "virtuelle Darmspiegelung", ein virtueller Flug durch den Darm. Das Verfahren ist aber noch sehr neu, wie zuverlässig es ist, muss noch in großen Studien belegt werden. Mit modernen bildgebenden Verfahren (der Computer-Tomographie, CT, oder der Magnet-Resonanz-Tomographie) wird zunächst eine Aufnahme vom Bauchraum gemacht. Die Schichtaufnahmen - 500-600 Einzelbilder - werden dann im Computer zusammengesetzt zu einem virtuellen 3-D-Bild des Darms.

Der Arzt kann - vor dem Bildschirm sitzend - durch den Dickdarm "fliegen" und die Schleimhaut nach Auffälligkeiten absuchen. Der Vorteil für Patienten: Die Untersuchung dauert nur 20-30 Sekunden. Bei der anschließenden Auswertung braucht der Patient nicht dabei sein. Aber auch vor der virtuellen Koloskopie muss der Patient Abführmittel nehmen und den Darm gut entleeren.

Die virtuelle Koloskopie kann also noch nicht die Darmspiegelung ersetzen. Das Problem: große Polypen und Tumore lassen sich so gut entdecken, auf dem Bildschirm lässt sich aber schlecht unterscheiden zwischen kleinen Polypen und Resten von Stuhl im Darm. Bei verdächtigen Befunden würde also eine herkömmliche Darmspiegelung folgen. Ein weiterer Nachteil: die virtuelle Coloskopie ist ein reines Diagnose-Verfahren. Bei der Darmspiegelung dagegen können Polypen auch direkt entfernt werden. Darmkrebs

In Deutschland erkranken jedes Jahr Mehr als 50.000 Menschen an Dickdarmkrebs, jährlich 30.000 Menschen sterben an Darmkrebs. Darmkrebs lässt sich nur dann gut heilen, wenn er früh entdeckt wird. Das Problem: Am Anfang verhält sich ein Darmkrebs sehr unauffällig. Der Darm gibt keine Warnzeichen. Diese treten erst auf, wenn die Krankheit fortgeschritten ist: Verstopfung, Durchfall, Blut im Stuhl, Krämpfe. Auch diese Symptome nehmen viele oft lange auf die leichte Schulter, weil der Darm auch bei harmlosen Krankheiten so oder so ähnlich reagiert.

Wird ein Darmkrebs entdeckt, dann muss der Tumor entfernt werden - sowie ein Teil des Darms sowie der dazugehörigen Lymphknoten. Ein Problem ist, dass der Tumor schon gestreut, also Tochtergeschwülste, Metastasen in anderen Organen gebildet haben kann.

Patienten, bei denen ein Darmkrebs gefunden wurde, haben häufig Angst vor einem künstlichen Darmausgang. Aber solch ein künstlicher Ausgang muss nur selten gelegt werden, - nur dann, wenn ein Tumor nah am Schließmuskel wächst. Manchmal allerdings müssen Ärzte vorübergehend einen künstlichen Darmausgang legen, so lange bis die Operationsnähte verheilt sind.

Der Erfolg einer Darmkrebsbehandlung hängt davon ab, wie weit der Tumor fortgeschritten war. Je früher der Krebs entdeckt wird, um so besser. Am besten ist, der Krebs entsteht gar nicht erst. Das ist das Ziel der Früherkennungs-Untersuchungen: vor allem der Darmspiegelung.

Erbliches Dickdarmrisiko
Etwa jeder 10. Dickdarmkrebs gilt als erblich bedingt. Es gibt Familien, in denen Dickdarmkrebs früher auftritt und häufiger. Es gibt also Menschen, die ein höheres genetisches Risiko haben, Dickdarmkrebs zu bekommen. Das genetische Risiko lässt sich am Familienstammbaum ablesen, außerdem existieren spezielle Gentests.

Diese Gentests helfen nicht unbedingt den direkt Betroffenen, die bereits Krebs haben. Aber die Angehörigen können geschützt werden. Bei wem die entsprechenden veränderten Gene nachgewiesen werden, muss medizinisch engmaschig betreut werden. So kann er aber vor Krebs bewahrt werden. Familienmitglieder, welche die veränderten Gene nicht besitzen, brauchen sich keine Sorgen machen. Sie brauchen keine anderen Vorsorge-Untersuchungen als Menschen der "Normalbevölkerung".

Es existieren verschieden Formen erblicher Darmkrebs-Erkrankungen. Die häufigste Form heißt "HNPCC-Syndrom". Hier sind Reparatur-Gene defekt. Das macht anfälliger für Krebs - nicht nur im Darm. Äußerlich ist der Dickdarmkrebs von HNPCC-Patienten nicht zu unterscheiden von gewöhnlichem Dickdarmkrebs. Klarheit bringt nur ein Gentest.

Einfacher zu diagnostizieren ist die "familiäre Polyposis". Hier ist schon bei jungen Menschen der Dickdarm mit Polypen übersäht. Vorsorglich muss dann der gesamte Dickdarm operativ entfernt werden, aus dem Dünndarm wird ein Ersatzdickdarm gebildet. Ein beinahe normales Leben ist dann möglich.

Ernährung und Dickdarmkrebs
Nicht allein die Gene spielen eine Rolle bei der Entstehung von Dickdarmkrebs, sondern auch Umweltfaktoren - so etwa die Ernährung. Als ungünstig für Darmgesundheit gelten Übergewicht, mangelnde Bewegung, zu fettes Essen, zu viel Fleisch. Rotes Fleisch - von Rind und Schwein - gilt dabei als schädlicher als Geflügelfleisch. Als gut für den Darm ist nach Ansicht von Ernährungsexperten Fisch sowie Gemüse, Salate und Obst. Und faserreich sollte die Ernährung sein, denn Ballaststoffe quellen im Darm auf. Sie beschleunigen den Transport des Nahrungsbreis durch den Darm.


Adressen und Links

Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg

Deutsche Krebshilfe e.V. - Darmkrebs





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