Herzfunk
Montags werden im "WDR 5 KiRaKa - Radio für Kinder" Fragen beantwortet, die manche nicht zu stellen wagen. Alle Antworten gibt es hier im Netz zum Nachlesen und Anhören. [mehr]

Interview mit den Macherinnen der Aufklärungsreihe "Herzfunk"
Die Aufklärungsreihe "Herzfunk" beantwortet seit zwölf Jahren die Fragen, die Kinder ihnen schicken. Und zwar alle. Einige werden in der Sendung WDR 5 KiRaKa beantwortet - bei anderen schreiben die Macherinnen eine persönliche Antwort.
Herzfunk | KiRaKa - Radio für Kinder | heute | 14:05 Uhr

Die Macherinnen des "Herzfunks" im KiRaKa und auf WDR 5 werden immer dann aktiv, wenn sie eine neue Frage bekommen. Kinder können den Herzfunkerinnen die Fragen schicken, die sie vielleicht nicht ihren Eltern, Geschwistern oder Freunden stellen möchten. Jede Frage wird beantwortet - manche davon in einem persönlichen Brief, viele auch im Radio. Die Idee zu der Aktion hatten im Jahr 2000 die WDR-Autorinnen Katrin Sanders und Elisabeth Raffauf. Zusammen mit WDR-Redakteurin Monika Frederking, die die redaktionelle Verantwortung für das Projekt trägt, haben sie auch den "Herzfunk-Briefkasten" und die "Herzfunk-Spezials" entwickelt. Ihre Arbeit brachte ihnen in diesem Jahr auch eine Nominierung für den Deutschen Radiopreis ein.
WDR 5: Mit dem Herzfunk sprechen Sie Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren an. Warum brauchen Kinder überhaupt Aufklärung im Radio?

Monika Frederking: Es ist gut, wenn Kinder wissen, wie ihr Körper beschaffen ist, welche Gefühle sie haben und wenn sie in der Lage sind, die auch auszudrücken. Das hilft ihnen auch dabei, selbstbewusst zu sein. Dabei ist auch der "Herzfunk" eine große Möglichkeit für Kinder.
Elisabeth Raffauf: Wir geben die Fragen der Kinder an andere Kinder weiter - und das ist für die viel interessanter, als wenn sie von oben herab aufgeklärt werden. Und das Radio ist dafür wie geschaffen, weil man die Kinder nicht sieht. Dadurch haben sie einen bestimmten Schutz. Trotzdem können sie sich selber hören - im Gegensatz zu Fernsehen und Print-Medien.
WDR 5: Wo finden Sie die Kinder, die die "Herzfunk"-Fragen beantworten?
Katrin Sanders: Das sind keine Zufallsergebnisse, sondern wir fragen in Grundschulen nach, welche Kinder Interesse daran haben, sich zu den Fragen anderer auszutauschen. Wir bilden dann Radiogruppen und arbeiten ein ganzes Jahr mit ihnen zusammen. Das macht den Kindern unheimlich viel Spaß. Für die Lehrer ist das eine ganz willkommene Ergänzung zum Aufklärungsunterricht. Das steht spätestens in der vierten Klasse an, kann aber auch vorher stattfinden. Wir hören aus den Antworten der Kinder, wie viel sie schon wissen. Und wie viel sie wissen, ohne das zu verarbeiten. Sie sind mit Begriffen und Bildern konfrontiert, die manchmal eine Nummer zu hoch sind für sie. Und die Radiogruppen helfen uns dabei, das in die Lebenswirklichkeit der Kinder zurückzuholen.
"Ich fand es auch gut, dass man zu allem seine eigene Meinung sagen konnte und wir haben auch von unseren peinlichsten Erlebnissen gesprochen." - Schülerin aus der Klasse 3/4a, 2005
WDR 5: Es gibt auch Fragen, da holen sie sich noch Hilfe von außen dazu ...

Elisabeth Raffauf: Wir sprechen erwachsene Experten an, wenn es um Fachfragen geht, bei denen die Kinder in unseren Radiogruppen die Antworten nicht wissen können. Zum Beispiel: "Warum sind bei Jungs die Eier außen und bei Mädchen innen?" Das kann dann beispielsweise ein Urologe gut erklären. Die Kinder haben natürlich auch ihre Ideen - und sind oft auch nah dran, aber der Experte erklärt es dann nochmal aus seiner Sicht.
WDR 5: Wie läuft es denn mit den Radiogruppen ab, wenn Sie in den Schulen zu Besuch sind? Es ist doch für die Kinder bestimmt peinlich, manche Fragen zu beantworten.
Elisabeth Raffauf: Ich teile die Gruppe oft in Mädchen und Jungen. Bei den Interviews sagen die Kinder dann auch: "Oh, ist das peinlich!" Und es wird viel gekichert. Aber das ist ganz normal und gehört dazu. Ich stelle auch klar, dass nicht alles beantwortet werden muss. Und manchmal sagen die Kinder dann: "Nein, das ist jetzt Privatsache."
WDR 5: Die Fragen, die die Kinder Ihnen schicken, sind ganz unterschiedlich. Gibt es Fragen, die immer wieder gestellt werden?
Monika Frederking: Es gibt sehr viele Fragen zum Verliebtsein, es gibt aber auch unheimlich viele Fragen zur Körperlichkeit. Zum Beispiel: "Ist es normal, wenn ich schon mit zehn Jahren meine Periode habe?". Wenn sich die körperliche Entwicklung von Kindern ein bisschen von der ihrer Freunde unterscheidet, befürchten sie oft, dass sie nicht ganz in Ordnung sind. Unsere Beiträge bestärken die Kinder.
Kinder fragen, Kinder antworten
WDR 5: Sie lassen sich von den Eltern eine Genehmigung geben, dass ihre Kinder an den Radiogruppen teilnehmen dürfen. Gibt es da manchmal auch Kritik?

Monikas Frederking: Ganz selten beschweren sich auch Mütter oder Lehrer über den Herzfunk. Die haben Angst, wir könnten die Kinder auf das Thema Sex bringen. Das ist aber eine Erwachsenen-Sorge. Denn die Kinder fangen nicht an, wie wild irgendwelche Dinge zu praktizieren, nur weil eine Frage von einem anderen Kind beantwortet wurde. Wenn ein Thema die Kinder an der Stelle noch nicht interessiert, dann werden sie freundlich darüber hinweg hören. Nur die Mutter hat dann vielleicht rote Ohren. Wenn die Kinder aber für das Thema aufnahmefähig sind, dann wird es ihnen helfen, wenn sie später jemand von der Seite blöd anquatscht. Dann wissen sie, worum es geht. Die Kinder werden stärker und können sich auch auf dem Schulhof behaupten.
WDR 5: Was ist das Schöne an der "Herzfunk"-Arbeit?
Katrin Sanders: Wir haben anfangs gedacht, dass alles nach einem Jahr erklärt sei. Mittlerweile haben wir aber weit über 5.000 Fragen bekommen. Mich fasziniert und begeisterst bis heute, wie die Kinder überhaupt fragen. Zum Beispiel: "Wissen die Eltern, wie man sich fühlt, wenn sie sich scheiden lassen?" oder "Warum heiratet man und streitet sich?" Jede Frage ist immer gleich ein Gesprächsangebot. Darauf würden wir Erwachsenen nie kommen.
Das Interview führte Katrin Schlusen
KiRaKa nominiert für den Deutschen Radiopreis 2012 http://www.wdr2.de/panorama/sonntagsfragen/radiopreis128.html
Stand: 01.10.2012