Braunkohle in NRW

- Fragen und Antworten zum Thema Braunkohle
Welche Zukunft hat die Braunkohle? Ein FAQ
Von Martin Teigeler
RWE nimmt am Mittwoch (15.08.2012) sein neues Braunkohlekraftwerk in Neurath offiziell in Betrieb. Doch in Zeiten von Energiewende und Klimawandel erscheint die wirtschaftliche Zukunft des Kraftwerks fraglich. Fragen und Antworten zu den Chancen und Risiken eines umstrittenen Energieträgers.
Wie wichtig sind Braunkohlekraftwerke für die Energieversorgung in NRW?

- Braunkohle-Land NRW
Laut Landesregierung wird über 75 Prozent des in Nordrhein-Westfalen erzeugten Stroms in Kraftwerken auf Braun- und Steinkohlenbasis erzeugt. Braunkohle sichert demnach rund 50 Prozent der Stromerzeugung in NRW. Mehrheitlich will die Politik daran festhalten - trotz Energiewende. Zumindest für einen nicht genau definierten Übergangszeitraum soll Kohle im Spiel bleiben. Braunkohle lieferte 2011 knapp 25 Prozent des deutschen Strombedarfs. Schon in diesem Jahr wackelt die Spitzenposition – die erneuerbaren Energien holen auf.
Was unterscheidet Braun- und Steinkohlekraftwerke?
Der Braunkohle-Tagebau zerstört ganze Landschaften. Zudem hat Braunkohle bei der Verbrennung eine geringere Energieeffizienz als Steinkohle. Die Stromerzeugung aus Steinkohle verliert in der Bundesrepublik dennoch an Bedeutung. Wegen des 2007 beschlossenen Endes für den subventionierten Bergbau wird heimische Steinkohle ab dem Jahr 2018 gänzlich entfallen. Steinkohle zur Stromerzeugung kann dann eigentlich nur noch aus Importen kommen. Braunkohle sei als heimischer Energieträger nach Angaben von RWE noch "für viele Generationen" kostengünstig vorrätig. Allein im rheinischen Revier arbeiten rund 11.000 Menschen im Tagebau. Umweltschützer fordern einen Ausstieg aus der besonders klimaschädlichen Braunkohle. Je Tonne verfeuerter Rohbraunkohle wird laut Umweltverband BUND unweigerlich eine Tonne des Treibhaugases Kohlendioxid freigesetzt. Greenpeace nennt Braunkohle "Gift fürs Klima".
Wie viel Braunkohle wird verfeuert?
Nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) legte die Braunkohle-Stromproduktion im Jahr 2011 - auch wegen der Stilllegung von acht Atomkraftwerken - bundesweit um 3,3 Prozent zu. Für den Klimaschutz sei der Anstieg beim Braunkohleverbrauch zunächst egal, da der Emissionshandel den CO2-Ausstoß in Europa nach oben begrenze. Was Braunkohlekraftwerke mehr an Kohlendioxid ausstoßen, müssen Industrie und Energieversorger an anderer Stelle einsparen.
Welche Bedeutung haben die neuen Kraftwerke für die Energiewende?

- Größte Quelle für Treibhausgas
Rund 35 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen entstehen in NRW. Unter den zehn klimaschädlichsten Kohlekraftwerken Europas stehen nach Angaben von Umweltschützern auch vier Braunkohlekraftwerke aus Nordrhein-Westfalen. Mit über 90 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr stellt das rheinische Braunkohlerevier demnach die größte Quelle für Treibhausgase in Europa dar. Moderne Kraftwerke wie Neurath sind weniger umweltschädlich als die Vorgängerbetriebe aus den 50er bis 70er Jahren. Die neuen Blöcke in Neurath erbringen eine Leistung von 2.100 Megawatt, was der anderthalbfachen Leistung eines Atomkraftwerks entspricht. 16 alte Kraftwerksblöcke werden laut RWE bis Ende 2012 abgeschaltet.
Zur Verteidigung der Braunkohle wird von Politikern und Wirtschaftsvertretern immer wieder angegeben, sie benötige im Unterschied zur Steinkohle keine staatlichen Subventionen. Stimmt das?
Bereits im Jahr 2004 kam ein Gutachten des Wuppertal Instituts im Auftrag des Bundesumweltamtes zu dem Ergebnis, dass Braunkohle "kein subventionsfreier Energieträger" ist. Sowohl in Ost- wie in Westdeutschland gebe es vor allem indirekte Begünstigungen der Braunkohle gegenüber anderen Energieträgern und Wirtschaftszweigen in Milliardenhöhe, etwa in Form von Steuervorteilen.
Welche neuen Kraftwerke kommen noch hinzu?
23 Kohlekraftwerke sind derzeit in Deutschland in Planung oder im Bau. In Duisburg, Hamm und eben Neurath sind in NRW derzeit fünf neue Kohlekraftwerksblöcke mit 4.500 Megawatt Leistung im Bau oder bereits im Probebetrieb. Die Projekte in Datteln (Eon) und Lünen (Trianel) liegen wegen Klagen von Umweltschützern derzeit auf Eis. Die Betreiber wollen vor Gericht einen planmäßigen Start 2013 erreichen.
Audios und Videos zum Thema Braunkohle [Mediathek]
Die Zukunft der Braunkohle [Quarks&Co, 10.08.2012]
Wie aus Bäumen Braunkohle wurde [Quarks&Co, 14.04.2009]
Das Bundesministerium zum Energieträger Kohle
Greenpeace über fossile Energieträger
Positionen und Aktionen des Umweltverbandes BUND
Stand: 15.08.12





