WDR 5 Spezial: Erlebte Geschichten

Eine Frau spaziert am Zaun eines Strandweges entlang (Rechte: WDR)

Freitag, 24. April 2009, 21.05 Uhr bis 23.30 Uhr


WDR 5 Spezial: Eine Republik findet ihren Weg

Als der Bundestag im Bonner Wasserwerk mit knapper Mehrheit die Entscheidung traf, der Regierungssitz solle zukünftig Berlin sein, war sie Geschichte: Die Bonner Republik, die den Westen Deutschlands regiert und geprägt hatte – durch und mit Menschen, die in dieser Republik an vielen Stellen und in vielen Funktion mitgewirkt und gestaltet haben.

WDR 5 liess in zweieinhalb Stunden eine Reihe jener Menschen erzählen lassen, die vieles von dem, was die Bonner Republik bewegt und vorangebracht hat, erlebt haben. Ein Streifzug durch historische O-Töne, lebendig und persönlich, anekdotenreich erzählt.


Hannsheinz Bauer; Rechte: dpa
Hannsheinz Bauer

Hannsheinz Bauer war einer der Väter des Grundgesetzes. Niemand von ihnen lebt mehr. Bauer war der letzte Überlebende, der 2005 starb. Er erinnert sich, wie mühsam es war, in  den Nachkriegsjahren geeignete Orte zu finden, an denen der parlamentarische Rat tagen konnte. Bauer kam gerade vom Watzmann in den Berchtesgadener Alpen in seine Pension zurück, als dort ein Brief lag, durch den er in den Parlamentarischen Rat berufen worden war. Kein Fax, kein Handy…

WDR 5 Spezial: 60 Jahre BRD - Erlebte Geschichten in der Bonner Republik mit Hansheinz Bauer



ddp/Stache, Sören
Annemarie Renger

Annemarie Renger, die erste Frau, die Präsidentin des Deutschen Bundestags wurde, war 32 Jahre alt, als sie 1953 zum ersten Mal in den Bundestag einzog. Sie erwarb sich sofort den Titel „Miss Bundestag“. Direkt nach Kriegsende hatte sie von einer Rede des SPD-Politikers Kurt Schumacher gehört, die ihn so faszinierte, dass sie nach Hannover fuhr, um Schumacher zu treffen – auch der Mensch Schumacher faszinierte sie, so dass sie seine Sekretärin wurde.

WDR 5 Spezial: 60 Jahre BRD - Erlebte Geschichten in der Bonner Republik mit Annemarie Renger


VW Käfer; Rechte: dpa/Tschauner, Franz Peter
Hilde Purwin pendelte im Käfer

Hilde Purwin kam als junge Journalistin nach Bonn. Nach einem Volontariat hatte ihr Chefredakteur ihr gesagt, sie würde nach Frankfurt geschickt – damals glaubten noch viele, dass Frankfurt zukünftiges Zentrum der Republik würde, weil dort auch die Amerikaner saßen. Ausgerüstet mit einem nagelneuen Käfer aus Wolfsburg pendelte Hilde Purwin zwischen Frankfurt und Bonn hin und her, um sich schließlich dauerhaft als Korrespondentin in Bonn niederzulassen – und, obwohl SPD-Mitglied, einen gerade von konservativen Kollegen beneidenswert guten Kontakt zu Adenauer zu pflegen.

WDR 5 Spezial: 60 Jahre BRD - Erlebte Geschichten in der Bonner Republik mit Hilde Purwin


Das ehemalige Bundeshaus in Bonn; Rechte: dpa/dpa Picture-Alliance
Karl-Heinz Schmitts Arbeitsplatz: das ehemalige Bundeshaus in Bonn

Karl-Heinz Schmitt lief Pfingsten 1949 mit seiner Braut, wie er sagt, durch die Bonner Rheinaue und sah auf dem Hinweisschild für den Bau des Bundeshauses, dass Arbeitskräfte benötigt würden. Er heuerte direkt als Hilfsmonteur an, ein Jahr später wurde er von der Verwaltung übernommen und arbeitete sich in den folgenden Jahrzehnten bis zum Chef des Sitzungsdienstes hoch; er lernte alle kennen, die Bonner Geschichte geschrieben haben – und er lernte auch ihre Marotten kennen.

WDR 5 Spezial: 60 Jahre BRD - Erlebte Geschichten in der Bonner Republik mit Karl-Heinz Schmitt


WDR/argus/Frischmuth, Peter
Egon Bahr

Egon Bahr, der Architekt der Bonner Ostpolitik in der Regierung Brandt, kam als junger Journalist für den RIAS nach Bonn. Als er gegenüber Parteichef Kurt Schumacher den Wunsch äußerte, in die SPD einzutreten, riet Schumacher ihm ab – Bahr sei ohne Parteibuch wichtiger für die Partei.

WDR 5 Spezial: 60 Jahre BRD - Erlebte Geschichten in der Bonner Republik mit Egon Bahr


Antonius John erinnert sich noch genau, warum die CDU 1947 in Ahlen in Westfalen einen Programmparteitag abhielt und da eine für sie heute eher undenkbare Wirtschafts- und Gesellschaftsform verabschiedete. Ahlen hatte sich zu einem Zentrum von christlich sozial denkenden klugen Köpfen wie Walter Weymann, dem Herausgeber der „Frankfurter Hefte“, wie Eugen Kogon und Walter Dirks entwickelt – und sie legten nahe, die Wirtschaft zu „vergemeinschaften“. Heraus kam das Ahlener Programm, das Adenauer später in seinen Memoiren nicht mehr erwähnt.

WDR 5 Spezial: 60 Jahre BRD - Erlebte Geschichten in der Bonner Republik mit Antonius John


Adenauer winkend vor einem Flugzeug; Rechte: akg-images
Adenauers Besuch in Moskau wurde von Wilhelm Lange vorbereitet.

Wilhelm Lange war 41 Jahre alt, als er eine Reise nach Moskau „verordnet“ bekam. Lange, von 1953 – 1964 Chef des Bundespresseamtes mit Abordnung zum Auswärtigen Amt war, oblag die ehrenvolle, aber auch schwierige Mission, den Besuch von Bundeskanzler Konrad Adenauer im Herbst 1955 in der „Soffjetunion“ vorzubereiten. Damit sollten nach Hitlers Überfall auf die Sowjetunion 1941 deutsch-sowjetische Beziehungen neu begründet und Botschafter ausgetauscht werden, und zugleich wollte Adenauer die in sowjetischen Arbeitslagern festgehaltenen Kriegsgefangenen nach Hause holen. Wilhelm Lange bewältigte die Aufgabe erfolgreich, wie wir heute wissen –„und was nicht sofort zu regeln war, erledigten wir mit Geld!“

WDR 5 Spezial: 60 Jahre BRD - Erlebte Geschichten in der Bonner Republik mit Wilhelm Lange


Friedrich Nowottny; Rechte: dpa
Friedrich Nowottny

Friedrich Nowottny moderierte am 7. Juni 1985 zum letzten Mal seinen "Bericht aus Bonn", den 1000., und verabschiedete sich damit als geachtete Stimme aus der Bonner Republik: Der kleine Mann mit der markanten unnachahmlichen Stimme, der bisweilen auf Jaffakisten kletterte, um seine baumlangen Gegenüber wie etwa den früheren hessischen Ministerpräsidenten Holger Börner "in Augenhöhe" interviewen zu können, gehörte zum politischen Inventar im Bonn vor allem der 70er Jahre. Er erinnert sich noch gut an die Teegespräche, die er bei diversen Kanzlern erlebte.

WDR 5 Spezial: 60 Jahre BRD - Erlebte Geschichten in der Bonner Republik mit Friedrich Nowottny


Diether Posser (li.) im Gespräch mit Josef Neuberger; Rechte: dpa
Diether Posser (li.)

Diether Posser, Justiz- und Finanzminister in Nordrhein-Westfalen, wollte eigentlich in den Auswärtigen Dienst. Dann traf er in der Gruga-Halle in Essen den späteren Bundespräsidenten Gustav Heinemann, der im November 1951 seine Praxis als Rechtsanwalt eröffnen wollte und Posser fragte, ob er Lust hätte, bei ihm als Sozius einzusteigen. Posser wollte und wurde schon bald angefragt, ob er die Verteidigung von zwei Angeklagten aus der Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft übernehmen würde. Für den jungen Juristen Posser tat sich damit ein Feld auf, das er bis Mitte der 60er Jahre beackerte: Die Verfolgung der Kommunisten durch Adenauers Regierung.

WDR 5 Spezial: 60 Jahre BRD - Erlebte Geschichten in der Bonner Republik mit Diether Posser


Theodor Heuss; Rechte: WDR/dpa
Ulla Galm wohnte bei Theodor Heuss, ihrem Onkel.

Ulla Galm war die Nichte des ersten deutschen Bundespräsidenten Theodor Heuss. Sie lebte mit ihrer Familie in Miltenberg am Main in Unterfranken und war dort auch Stadträtin. Als die Kinder aus dem Haus waren, entschied sich Ulla Galm zu promovieren – und um für die Doktorarbeit mehr Ruhe und Zeit zu haben, zog sie für mehrere Monate nach Bonn und wohnte bei ihrem Onkel Theodor. Von den abendlichen Gespräche und dem Image vom „Papa Heuss“ handeln ihre „erlebten Geschichten“.

WDR 5 Spezial: 60 Jahre BRD - Erlebte Geschichten in der Bonner Republik mit Ulla Galm 




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