Mord vor der Haustür - Krimis aus NRW
Mord vor der Haustür - Krimis aus NRW
Sie heißen Kryszinski, Voss oder Toppe, sind Privatdetektive oder Polizisten und haben eine große Fangemeinde. In Münster, Kleve, Mülheim und anderen Städten - aber auch weit über die Region hinaus.
Mehr als 100 Krimiautoren leben und schreiben in Nordrhein-Westfalen, die meisten ihrer Romane spielen direkt vor der Haustür. Die einen sind mit ihren Büchern so erfolgreich, dass sie davon leben können. Für andere ist das Schreiben nur ein Hobby neben ihrem eigentlichen Beruf.
Westblick stellt Autoren und ihre Bücher vor. Zum mitfiebern, gruseln oder einfach genießen. (Sendetermine: Dezember 2008 und Dezember 2009)
Horst Eckert
Horst Eckert arbeitete als Fahrstuhlführer und Bierschlepper, später als Journalist. Vor fast 15 Jahren schrieb er seinen ersten Roman, inzwischen hat er elf Krimis veröffentlicht. Fast alle spielen in Düsseldorf, einer Stadt, die nach seiner Aussage alle Milieus vereinigt, von der Drogenszene bis zur Landesregierung. Eine Hassliebe, von beiden Seiten? Eckerts Krimis haben ihm auf jeden Fall schon mal ein Auftrittsverbot in Gebäuden der Stadt Düsseldorf eingebracht. Davon unbeirrt spielt auch sein neuestes Buch wieder in ... Düsseldorf!
Werner Köhler
Werner Köhler ist ausgebildeter Buchhändler und Organisator der „LitCologne“. Aber er schreibt auch selbst, und zwar Krimis. Im deren Mittelpunkt steht immer der Kölner Kriminalkommissar Jerry Crinelli. Der muss sich im aktuellen Buch dem großen Thema „Mafia“ stellen. Gar nicht so einfach für einen Polizisten mit italienischen Wurzeln. Oder fällt es ihm vielleicht gerade deshalb leichter?
Jutta Profijt
Jutta Profijts Krimis spielten eigentlich immer in Mönchengladbach. Doch für ihr sechstes und siebtes Buch wechselte sie nicht nur die Stadt, sondern auch den Blick. Die beiden „Kühlfach“-Krimis erzählten aus Sicht der … Leiche! Im Mittelpunkt stehen der tote Autoschieber Pascha, oder besser: dessen Seele, und ein Gerichtsmediziner. Gemeinsam müssen sie das Geheimnis eines gerade abgebrannten Klosters lösen.
Jan Zweyer
Jan Zweyer schreibt in seinen Krimis über alles, was im Ruhrgebiet wichtig ist. Bergbau und Fußball zum Beispiel. Aber er blickt auch in die Geschichte, momentan arbeitet er an einer Trilogie über einen preußischen Polizeibeamten im Ruhrgebiet. Im gerade erschienenen zweiten Band, der in den 40er Jahren spielt, muss er das Verschwinden einer Zwangsarbeiterin aufklären.
Dorothea Puschmann
Dorothea Puschmanns erster „richtiger“ Krimi ist Anfang des Jahres erschienen und wurde gleich hoch gelobt. Die Autorin hat bislang vor allem Kurzgeschichten geschrieben und ein Krimi-Magazin herausgegeben. In ihrem ersten eigenen Kriminalroman soll ein junges Detektivpaar einen gekidnappten Anwalt befreien. Doch dann verschwindet ein weiterer Mann, der Leiter des Münsterschen Bauamts.
Jörg Juretzka
Kristof Kryszinksi donnert mit Bleifuß durch Mülheim an der Ruhr, Oberhausen und Essen - immer unterwegs in japanischen Schrottkarren. Kryszinki ist Ex-Knacki, Ex-Junkie und Mitglied einer Rockergang, öfter mal betrunken und finanziell grundsätzlich klamm. Der Privatermittler löst seine Fälle mit unkonventionellen Methoden sowie beeindruckendem Einsatz unter konsequenter Missachtung von Verkehrsregeln. Dafür verantwortlich ist Jörg Juretzka. Der Autor aus Mülheim wurde für seine Kryszinki-Romane bisher zwei Mal mit dem Deutschen Krimi-Preis ausgezeichnet.
Andreas Hoppert
In der Wohnung von Andreas Hoppert türmen sich die Krimis bis zur Decke. Der 39jährige Krimifan und -autor ist im Hauptberuf Richter am Sozialgericht Detmold. Im Jahr 2002 erschien „Der Fall Helms“, der auf der realen Schießerei einer GSG9- Truppe mit dem Terroristen Wolfgang Grams am Bahnhof in Bad Kleinen beruht. Seitdem folgten vier weitere Bücher. In allen spielt Marc Hagen die Hauptrolle, ein ehemaliger Rechtsanwalt, der sich als Detektiv durchschlägt. Marc Hagen löst zwar seine Fälle, aber er hat weder viel Glück bei den Frauen, noch bringt ihm seine Tätigkeit viel ein - eine besondere Art alter Ego des Autors.
Kathrin Heinrichs
Kathrin Heinrichs wohnt in Menden, dort wo das Sauerland schon ein bisschen Stadt ist, ohne ganz die Atmosphäre des dörflich-ländlichen verloren zu haben. An einem ähnlichen Ort lebt auch Vincent Jacobs, ihre Hauptperson, ein Lehrer, der ständig über Leichen stolpert. Kathrin Heinrichs schreibt aber nicht nur Krimis, sondern auch Alltagssatiren und tritt mit einem eigenen Kabarettprogramm auf. In ihren bislang sieben Sauerlandkrimis geht es vor allem um das ländliche Leben: Schützenfeste und Vereine, Familientreffen oder die starke Stellung der Kirche.
Oliver Buslau
Das Bergische Land ist das Revier des Wuppertaler Privatdetektivs Remigius Rott. In mittlerweile sechs Fällen läßt ihn der Krimiautor Oliver Buslau in der Region rund um das Städtedreieck Wuppertal, Solingen und Remscheid ermitteln. Remigius Rott ist der klassische Großstadt-Schnüffler à la Philip Marlowe. Er leidet an chronischer Geldnot, hat immer zu wenig Fälle und ernährt sich hauptsächlich von Fastfood. Noch vor kurzem hat Buslau den neuesten der sechs Krimis mit Remigius Rott veröffentlicht. Der Titel: „Neandermord“.
Leenders/Bay/Leenders
Die Ideen für ihr Bücher entwickeln Hiltrud Leenders, ihr Ehemann Artur Leenders und Michael Bay gemeinsam. Die ersten Skizzen entstehen meist am heimischen Esstisch. Dort erstellen die ehemalige Übersetzerin, der Unfallchirug und der Psychotherapeut fast bürokratisch genau Karteikarten mit den Namen und Geschichten ihrer immer neuen Protagonisten. Nur zwei von ihnen tauchen in fast allen Krimis des Trios auf: die Klever Kommissare Helmut Toppe und Jupp Ackermann. Toppe ist dabei der „klassische “Kripo-Mann, sein Kollege Ackermann der humorvolle, ziemlich offenherzige Gegenpart.
Christoph Güsken
In Münster wird den Verbrechern eher mit Witz und Ironie hinterher geschnüffelt. Auch bei den Detektiven Kittel & Voss ist das der Fall. Ausgedacht hat sie sich Christoph Güsken. Der gelernte Buchhändler und Theologe macht privat einen eher stillen Eindruck, beim Schreiben tobt er sich aber aus. Er versenkt ein Ausflugsschiff im Aasee, schickt eine „Westfälische Antipressholzfraktion“ in den Kampf gegen die Möbelhausriesen am Rande der Stadt, und selbst das in Münster so heilige Fahrrad wird nicht verschont. Weil es eine autofreie Siedlung schon gibt, erfindet Güsken einfach eine fahrradfreie.
Carsten Sebastian Henn
Carsten Sebastian Henns Spezialität sind Krimis mit einer besonderen kulinarischen Note. In seinen Romanen geht es nicht nur um die Frage: „Wer war der Mörder?“, sondern auch um erlesene Weine und gehobene Küche. Seine Hauptfigur, der literarische Sternekoch Julius Eichendorf, gerät immer wieder in blutige Mordfälle. Die löst er mit analytischem Verstand beim Kochen delikater Speisen und dem Genuss erlesener Weine. Eichendorf fügt die Indizien seiner Fälle zusammen, während er eine Essenz von Baumpilzen mit gebackener Gänseleber zaubert und dazu einen Cabernet Franc von der Loire trinkt.


















