Ein Bauernhof stellt auf Bio um Zur Erntezeit kommt das Zittern um Zuschüsse

Oktober 2013: Die Mehrings im Kreis Coesfeld haben die Umstellung schon vor Monaten begonnen, doch jetzt lässt die staatliche Unterstützung auf sich warten und die Pläne der Bauern geraten ins Wanken.


Biobauernhof
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Der Famiienbetrieb der Mehrings setzt seit 2013 auf biologische Landwirtschaft

Kistenweise knackige rote Äpfel, aber auch Birnen und Pflaumen lagern auf dem Hof – neben dem Eierverkauf gehen sie auch noch gut weg. Auf der Wiese nebenan picken schon die ersten Bio-Hähnchen im Fallobst – ihre Flügel haben die Bauern nicht gestutzt. Den Hühnern gehört die ganze Wiese. Erst abends, wenn sie hungrig und müde sind, kehren sie in ihren Stall zurück.

"Wir haben jede Menge Streuobst, aber auch Schweine und Hühner, es macht Spaß, dass wir so viel anzubieten haben", sagt Heike Mehring. Der Familienbetrieb ist erst seit diesem Jahr von der konventionellen auf die biologische Landwirtschaft umgestiegen. Viel Werbung bei ihren Kunden brauchen Heike und Tobias Mehrings nicht zu machen. Obwohl das Biohähnchen nicht gerade erschwinglich ist: Elf Euro kostet das Kilo Hähnchenfleisch. Gerade weil der Einstieg in die Biolandwirtschaft schwierig ist, haben die Mehrings den Preis genau ausgerechnet. "Es steckt viel Handarbeit hinter der Geflügelzucht, die Biohähnchen, die viermal so lange wie konventionelle Hähnchen leben, bekommen Bio-Futter", erklärt die Bäuerin.

Pokern um den Getreidepreis


Insgesamt zufrieden ist auch Tobias Mehring mit dem Start in die biologische Landwirtschaft. Vor dem Hintergrund, dass die Preise für landwirtschaftliche Produkte wie Geflügel und Getreide fallen, weil es ein Überangebot gibt. Auf den Rat der landwirtschaftlichen Genossenschaft hin, hat er nun einige Tonnen Weizen eingelagert. Erst wenn die Preise für Getreide wieder steigen, will er verkaufen. "Das ist ein Pokerspiel", sagt Tobias Mehring. Weil die Vermarktung des Getreides für ihn Neuland ist, hat er diese Aufgabe an die Genossenschaft abgegeben.

Pflanzenschutzmittel gehören der Vergangenheit an


Tobias Mehring sitzt in seinem Traktor
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Der konventionell angebautet Mais muss vom Acker

Auf dem Feld beginnt für die Mehrings der Endspurt für das Jahr 2013 – das Jahr der Umstellung auf den Biobauernhof. Der letzte konventionell angebaute Mais muss vom Acker, und die Felder anschließend gedüngt werden. Mit einem zwölf Meter breiten Striegel, der hinter dem Traktor gezogen wird, zieht er durch den Acker. Das muss möglichst rasch passieren, noch bevor die Getreidekeimlinge aus dem Boden schießen.

"Das Feld sieht dann ziemlich gerupft aus, aber es erholt sich", erklärt der Bauer. Zwar versucht er das durch mehr Aussaat auszugleichen - ganz ohne Verluste geht dies nicht vonstatten. Danach heißt es, Klee säen - die Blüten ziehen nämlich Insekten an - Bohnen und Zwischenfrüchte, die als Futter für das Vieh dienen. Wenn diese Früchte nachher untergepflügt werden, entsteht als Dünger Stickstoff. Pflanzenschutzmittel gehören der Vergangenheit an.

Der Biobauer am Schreibtisch

Unterm Strich kann sich die vorläufige Bilanz aber sehen lassen, auch wenn die Mehrings ihren Zeitplan nicht einhalten konnten. So ist der Schweinestall derzeit nur zur Hälfte belegt und der Nachwuchs mit Ferkeln verzögert sich ebenfalls. Außerdem lässt der Bau eines neuen Stalls für die Legehennen auf sich warten: 35 Prozent der Kosten steuert der Staat bei, um auf diese Weise Betriebe zu unterstützen, die von der konventionellen auf die biologische Landwirtschaft umstellen.


Biobauer Tobias Mehring sitzt in seinem Büro
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"Man muss Plan B in der Tasche haben"

Doch die Gelder sind noch nicht bewilligt. Noch setzt er darauf, dass der Antrag auf die Zuschüsse zum Öko-Betrieb in diesem Jahr bewilligt wird. Das muss er auch, denn für einen neuen Stall für die Legehennen kommen schnell mehrere Hunderttausend Euro zusammen. Klappt das nicht, setzt er darauf, dass die Mittel im Jahr 2014 freigegeben werden. "Man muss Plan B in der Tasche haben", sagt Mehring. So kommt es, dass Tobias Mehring derzeit viel am Schreibtisch sitzt und mit Behörden telefoniert. Noch schaut die Familie zuversichtlich in die Zukunft. "Was besonders Spaß macht, ist, dass alle Tiere gesund sind", meint der Biobauer.



Stand: 01.10.2013, 12.38 Uhr