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Stadtansicht und Schriftzug "Westblick" (Rechte: WDR / picture alliance)
Sendung vom 11.10.2012, 17:05 bis 17:55 Uhr
Bild: Kerstin Gier; Rechte: dpa/Jörg Cars

 Kerstin Gier

Preisgekrönte Frauenliteratur

Ein Besuch bei der Autorin Kerstin Gier

Moderation: Irene Geuer

Teil 4 der Westblick-Serie: "Ach, die sind das! Erfolgsautoren aus NRW"

Sie lebt mit ihrer Familie in einem winzigen Dorf im Bergischen Land. Dort schreibt die Schriftstellerin Kerstin Gier ihre Bücher, die in der ganzen Welt gelesen werden. Allein ihre Jugendbuch-Trilogie "Liebe geht durch alle Zeiten" ist in 27 Ländern mehr als eine Million Mal verkauft worden. Auch ihre Frauenromane gehen bestens. Meist rosa verpackt und mit vielsagenden Titeln wie "Ein Single kommt selten allein", "Herrchen gesucht" oder "Sektfrühstück mit einem Unbekannten". 

Von Thomas Mau

Kleine Geschichten zu erfinden, machte Kerstin Gier schon als Kind Spaß. Sie erinnerte sich daran, als sie ihr Diplom als Pädagogin in der Tasche hatte, aber keine Stelle fand. Stattdessen nahm sie Jobs an – als Telefonistin oder Sekretärin und sie begann zu schreiben. Gleich ihr erster Roman wurde ein Erfolg: "Männer und andere Katastrophen". Damit fing alles an. 1996, kurz vor ihrem 30. Geburtstag.

Seitdem hat sie viele Bücher geschrieben. Mit beredten Titeln, die das ganze Genre der Frauenliteratur treffend beschrieben: "Ein Single kommt selten allein", "Herrchen gesucht", "Sektfrühstück mit einem Unbekannten", "Gegensätze ziehen sich aus", "Sex zu zweit, das geht zu weit", "Ach, wär ich nur zu Hause geblieben", "Sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt!", "Küsse niemals deinen Boss", "In Wahrheit wird viel mehr gelogen", "Lügen haben schöne Beine".

Fiktive Figuren werden zu realen Freundinnen

"Ich glaube, man braucht diese Genre-Schubladen", sagt Kerstin Gier, "aber in Wirklichkeit kommt es eigentlich nur darauf an, ob es ein gutes oder ein schlechtes Buch ist und nicht, welchem Genre dieses Buch zuzuordnen ist." Kerstin Gier weiß, dass sie ein bestimmtes Genre bedient. Aber sie schreibt nicht unbedingt gezielt daraufhin. Sie mag es, Ihre Leser, oder besser gesagt Leserinnen, zu unterhalten.

Ihre Figuren gewinnen solch ein Eigenleben, dass sie mancher Leserin wie eine Freundin erscheinen. Die Constanze zum Beispiel aus ihrem Buch "Müttermafia". Constanze scheitert wie die meisten Frauen an den hohen Anforderungen, die sie sich selbst stellt: möglichst perfekt zu sein als Mutter, als Ehefrau und im Beruf. Das misslingt ihr auf so sympathische Weise, dass viele Leserinnen sie geradezu als reale Freundin sehen.

Prima Dialoge von Abziehbildern

Auch für die Autorin selbst werden die fiktiven Figuren zu Freundinnen, erzählt Kerstin Gier. Es gibt im Internet sogar einen Blog, in dem Constanze regelmäßig etwas schreibt, als ginge die Geschichte jenseits der Buchdeckel weiter. Anscheinend beschreibt Kerstin Gier ihre Protagonistin so lebendig, dass sie ein Eigenleben gewonnen hat. Genau das aber vermisst die Literaturprofessorin Elisabeth Stein von der Universität Wuppertal. "Was sie prima kann sind Dialoge", sagt Elisabeth Stein. "Die finde ich uneingeschränkt super, nur die Figuren sind so holzschnittartig, wie Abziehbilder, furchtbar voraussehbar; dieses pseudo-realitätsnahe, überzeugt mich nicht."

Dabei legt Kerstin Gier gerade auf die Entwicklung ihrer Figuren großen Wert. "Ich kann in so einer Schreibphase ganz schlecht unter Leute gehen, weil die Leute dann immer denken, mit mir stimmt was nicht."

Ratgeber für Männer

Kerstin Gier geht davon aus, dass Männer ihre Bücher kaum kaufen. Dazu sei der Einband zu rosa. Trotzdem könnten ihre Bücher für Männer sehr interessant sein, glaubt sie. "Wenn ich ein Mann wäre, würde ich mir die Bücher kaufen und als Ratgeber lesen", sagt die Schriftstellerin. "Sie geben wieder wie Frauen sich Männer wünschen und was Frauen an Männern schrecklich finden."

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