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Bewerbungsschluss - Bewerbungsfrust
Wie Studierende und Unis mit aufwändigen Verfahren umgehen
Moderation: Edda Dammmüller
Teil 1 der Westblick-Serie: "Lernen wie in der Lege
batterie? Studienstart in NRW"
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Eine für alle? [Mediathek]
Was soll aus mir werden? Die Auswahl an Studienmöglichkeiten ist riesig; sich einen Überblick zu verschaffen, gar nicht so einfach. Und die Einschreibung erfolgt nach wie vor – zu Fuß. Denn online funktioniert – fast – nichts.
Rita Pape ist an der Ruhr-Universität Bochum für die Bewerbungen zuständig. In diesen Tagen geben sich die angehenden Studenten bei ihr die Klinke in die Hand - mit vielen Rückfragen. Die eigentliche Bewerbung ist dann mit ein paar Mausklicks erledigt, beschreibt Rita Pape: "Die Bewerber geben Daten an wie Abiturnote, Abiturdatum, und ob sie schon studiert haben. Dann kommen die Daten bei mir im System an, werden einmal kurz geprüft und dann sind sie im Zulassungsverfahren."
Ruhr-Uni Bochum: "dynamisches Nachrückverfahren"
Die Bochumer Ruhr-Universität ist stolz auf dieses System, das ohne großen Personalaufwand funktioniert und pro Wintersemester rund 50.000 Bewerbungen verarbeiten muss. Besonders praktisch sei dabei das so genannte "dynamische Nachrückverfahren", erklärt Karl-Heinz Schloßer, der leitende Verwaltungsdirektor der Uni: "Nehmen wir mal an, es werden drei Plätze zurückgegeben, dann gehen drei weitere Zulassungen sofort raus. Ich bin mir sicher, dass bei uns niemand mehr auf einen Platz wartet, wenn wir mit der Immatrikulation beginnen."
Doppelbewerbungen nerven die Studenten
So wie die Ruhr-Uni in Bochum verwalten auch die anderen rund 70 Hochschulen in NRW ihre Bewerbungen vollautomatisch per EDV. Die meisten Hochschulen sind damit zufrieden. Weniger zufrieden sind die angehenden Studenten. Denn sie müssen sich für fast alle Studiengänge an mehreren Unis gleichzeitig bewerben. Ein Student sagt zum Beispiel: "Man muss sich bei jeder Uni parallel bewerben, immer über Online-Formulare. Man muss sich an jeder informieren, und muss dann wieder gucken, ob es dort zusätzliche Anforderungen gibt wie Praktika und ähnliches. Ein anderer findet es ebenfalls "ätzend", "dass man sich immer wieder neu bewerben muss." Und ein dritter bestätigt, dass die vielen Bewerbungen sehr aufwändig gewesen seien. "Ich hätte mir gewünscht, das zentral machen zu können."
400 zulassungsbeschränkte Studiengänge
Die Lösung wäre eine Anlaufstelle für alle Bewerber. Doch die gibt es bislang – mit einigen Ausnahmen - nur für die klassischen ZVS-Fächer, erklärt Ulf Bade, der Geschäftsführer der Stiftung für Hochschulzulassung in Dortmund - der früheren Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen ZVS: "In Medizin, Tier- und Zahnmedizin und Pharmazie wird nach wie vor das zentrale Verfahren durchgeführt. Alle übrigen zulassungsbeschränkten Studiengänge, das sind rund 4.000, werden grundsätzlich in eigener Verantwortung der Hochschulen vergeben."
Genau dabei sollte die Stiftung für Hochschulzulassung eigentlich helfen. Denn mit der Einführung des Bachelor- und Master-Systems und der Änderung des Hochschulzulassungsgesetzes wurde die "alte" ZVS zum Auslaufmodell und suchte neue Aufgaben. Seit drei Jahren arbeitet die Stiftung nun an einem zentralen Bewerbungssystem, dem "dialogorientierten Serviceverfahren", wie sie es nennt. Über 15 Millionen Euro sind bereits in die Entwicklung geflossen. Doch das Ziel, flächendeckend die Bewerbungen zu koordinieren und damit auch das Problem der Mehrfachbewerbungen zu lösen, ist noch in weiter Ferne. Als Hauptgrund nennt Ulf Bade Softwareprobleme: "Es gibt Probleme bei der Anbindung. Die Datenstrukturen müssen zusammenpassen, und wenn jede Hochschule ihr eigenes Süppchen kocht, wird es schwierig."
Von der Komplexität des deutschen Hochschulwesens
Bislang beteiligen sich deshalb nur 17 von bundesweit rund 400 Hochschulen – davon keine einzige aus NRW. Karl-Heinz Schloßer von der Bochumer Univerwaltung sieht darüber hinaus noch andere Probleme: "Die Komplexität des deutschen Hochschulwesens ist unterschätzt worden. Wir haben mehr als 100 Studiengänge an der Ruhr-Universität, die miteinander verzahnt sind. Das mal eben so abzubilden, das geht nicht." Er will die Bewerbungen deshalb vorerst lieber weiterhin im eigenen Haus bearbeiten, sagt er: "In dem Moment, wo die Studierenden, aus welchem Grund auch immer, nicht nach Bochum kommen, haben wir ein Riesenproblem mit unserem Haushalt. Deswegen ist auch die Bereitschaft nicht groß, Experimente zu machen."
Wer in Bochum studieren möchte, wird sich deshalb mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch im nächsten Jahr direkt an der Uni bewerben müssen. Wichtig ist allerdings, dass sich die Abiturienten vorher gut informieren – eben weil es so viele unterschiedliche Bewerbungsverfahren gibt. Studienberatungen bietet jede Hochschule an. Grund zur Panik gebe es – trotz des doppelten Abi-Jahrgangs, der 2013 an die Unis kommt – aber nicht, meint zumindest Karl-Heinz Schloßer: "Ich habe die Theorie, dass sich die Welle ein bisschen verschiebt. Aus diesen Grund muss kein Student sagen, ich mache mal ein Jahr Pause oder gehe jobben. Nein, die können kommen."
Autor/in:
Christiane Tovar
Redaktion:
Imke Marggraf









