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Stadtansicht und Schriftzug "Westblick" (Rechte: WDR / picture alliance)
Sendung vom 09.10.2012, 17:05 bis 17:55 Uhr
Rebecca Gablé; Rechte: dpa

 Rebecca Gablé

Mit historischen Romanen zum Erfolg

Ein Besuch bei der Autorin Rebecca Gablé

Moderation: Beate Kowollik

Teil 2 der Westblick-Serie:
"Ach, die sind das! Erfolgsautoren aus NRW"

Die Königin des historischen Romans wird sie gern genannt, die Schriftstellerin Rebecca Gablé. Seit fast 20 Jahren schreibt die gelernte Bankkauffrau, studierte Anglistin, Mediävistin und Übersetzerin ihre Romane, die überwiegend im englischen Mittelalter spielen. Ihre besondere Spezialität ist es, historisch verbürgte Personen mit erfundenem Personal so geschickt zu verquicken, dass man alles für authentisch hält. Obwohl sie seit Jahren überaus erfolgreich ist, ihre Bücher zu Hunderttausenden verkauft werden, ist wenig bekannt, dass sie hier aus unserem Bundesland NRW stammt und arbeitet.

Marion Grob hat sie besucht. 

"Das ist eine ganz umgängliche Autorin, mailen Sie ihr, sie antwortet normalerweise rasch." Auf dem Weg zu Rebecca Gablé nach Mönchengladbach fällt mir dieser Rat ihres Verlags wieder ein. Rechts und links der Bahnlinie fliegen Weiden, Äcker, kleine Wäldchen und Orte vorbei. Hier also entstehen diese Respekt einflößend dicken Bücher, mit denen sich die Autorin längst nicht nur bei ihren Fans einen Namen gemacht hat. In jeder Stadtbibliothek stehen ihre Romane.

"Das Besondere an Rebecca Gable ist, dass sie ein sehr lebendiges Bild des Mittelalters zeichnet", meint Petra Littmann, Lektorin für Belletristik aus Dortmund, die jährlich um die 2.000 Neuerscheinungen mehr oder weniger intensiv liest. Bei Gablé habe sie nicht das Gefühl, "dass das Mittelalter nur eine nebulöse, schwammige Kulisse im Hintergrund für irgendeine Liebes- oder Abenteuerhandlung ist, sondern ein ganz fein gezeichnetes Szenarium, wo man wirklich tief in die Fakten eintauchen kann."

Veröffentlichungen unter dem Mädchennamen der Mutter

Die Regionalbahn hat inzwischen Mönchengladbach-Rheydt erreicht. Gablé holt mich persönlich ab. Sie steht an ihren Kleinwagen gelehnt auf dem Bahnhofsparkplatz, schmal, in Jeans und einer Sommerbluse, Sonnenbrille, leicht gebräunte Haut, Haar– und Augenfarbe eher die einer Südländerin. Kein Wunder, die Vorfahren ihrer Mutter stammen aus Frankreich, sie schreibt übrigens unter deren Mädchenamen. 

Noch als Studentin in Düsseldorf schreibt Gablé nach einigen Krimis und Geschichten Mitte der 1990er Jahre ihren Erstling in der Gattung der historischen Romane aus dem englischen Mittelalter: "Das Lächeln der Fortuna". Sie habe ein Referat über zwei englische Könige halten müssen, erzählt sie mir. Die haben sie so in ihrer Unterschiedlichkeit und in ihrer Zeit fasziniert, dass ihr die Idee kam, einen historischen Roman anzufangen.

Familie Waringham mit Stammvater Robin

Ein Volltreffer. Es ist der erste von inzwischen vier dicken Bänden über die weitverzweigte, mehr oder minder königstreue Familie Waringham mit Stammvater Robin als Hauptfigur. Anfangs noch etwas idealtypisch gezeichnet, merkte Alex, der 22 Jahre alte Freund ihres Sohnes und begeisterter Leser der Bücher neulich mal kritisch an, dass sie ihrer Zeit weit voraus seien, viel netter zu ihren Bauern sind, als der Adel damals war. Die Autorin lächelt und meint, sie kenne die Kritik und stehe längst drüber: "Glücklicherweise ist es so, dass man sich im Laufe eines Schriftstellerlebens entwickelt und verändert. Als ich dieses Skript 1993 begonnen habe, hatte ich selbst noch einen anderen Geschmack, was literarische Helden angeht."

Umfangreiche Recherche-Reisen

Wir sitzen in ihrem kleinen, aufgeräumten Arbeitszimmer mit den Decken hohen Bücherregalen, dem großen Schreibtisch mit Bildschirmcomputer. Das Zimmer ist Teil einer Doppelhaushälfte, schmuckes Interieur, viel glänzende Fliesen, akkurate Küche. Nebenan wohnen die Eltern, die Familie ist ihr wichtig. Auch Mönchengladbach ist wichtig, hier ist sie aufgewachsen, hat Bankkauffrau gelernt. Der Blick schweift hinaus zu einem gradlinig angelegten Garten, der an eine große Weide grenzt. Von hier aus geht Gablé auf ihre umfangreichen Recherche-Reisen. Stets dabei ihr Mann Michael, er macht beispielsweise die Fotodokumentation der Reisen.

"Wenn wir ein Gebäude besichtigen, eine Burg, eine Kirche und ein Jahr später schreib ich eine Szene, die genau an diesem Ort spielt, dann ist es so wichtig, detaillierte Fotos zu haben", berichtet Gablé. Sie selber habe nie den Blick fürs Räumliche und ihr Mann sei derjenige, der ein Auge dafür hat.

Historische Genauigkeit

Historische Genauigkeit ist Gablé, der studierten Mittelalterkundlerin, sehr wichtig, dafür und für ihren guten Schreibstil lieben auch Leser wie Alex sie."Die Charaktere sind ganz genau im zentralen Geschehen, es ist eine sehr schöne Schreibweise, auch wenn jeder Roman über 1.000 Seiten lang ist, ist immer noch Spannung die ganze Zeit vorhanden", sagt er.

Bis mein Zug zurückgeht, sitzen wir noch gemütlich auf der Terrasse bei Kaffee und Gebäck. Sie erzählt, dass sie an einem Roman schreibt, der im deutschen Mittelalter spielt, weil sie aus der Leserschaft hört, dass es große Wissenslücken über die deutsche Geschichte gebe. Sie fängt mit Heinrich I. und Otto I. an. "Mit den Waringhams könnte es auch weiter gehen," sinniert sie, "im Grunde wäre das Elisabethanische Zeitalter dran, und die Leser wünschen das auch," meint sie. "Es kommen viele, viele Mails über meine Website. Wobei man den Einfluss nicht überschätzen darf, ich hab den vierten Waringham geschrieben, weil ich es wollte."

"Das Schreiben ist für mich wirklich Selbstzweck"

Eher beiläufig erwähnt Rebecca Gablé, dass demnächst ihre Romane ins Englische übersetzt werden. Freude und auch ein gewisser Stolz sind ihr anzumerken. "Das Schreiben ist für mich wirklich Selbstzweck. Auch wenn ich  für meine Bücher keinen Verlag gefunden hätte, ich würde trotzdem immer noch, so weit es meine Zeit erlauben würde, jede freie Minute damit verbringen, mir Geschichten auszudenken und sie aufzuschreiben."

Dann muss ich zum Bahnhof, sie lässt es sich wieder nicht nehmen, mich zu fahren. Der Verlag hat Recht: was für eine umgängliche und sympathische Frau.

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