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Deutschlands erfolgreichster Autor
Wolfgang Hohlbein: "Das ist genau die Dosis Ruhm, die ich toll finde"
Moderation: Udo Prenzel
Teil 1 der Westblick-Serie:
"Ach, die sind das! Erfolgsautoren aus NRW"
Mit Büchern wie "Märchenmond", das "Blut der Templer“, "Die Chronik der Unsterblichen" oder "Das Druidentor" feiert der Fantasy-Autor Wolfgang Hohlbein seit den 80er Jahren einen Erfolg nach dem anderen. Er gilt als Wegbereiter neuer deutscher Fantasy-Literatur. Wolfgang Hohlbein ist unbestrittener Auflagenkönig Deutschlands und doch nicht jedem so geläufig, wie man meinen könnte.
Stephanie Kowalewski hat ihn in Neuss besucht, wo Wolfgang Holbein lebt und arbeitet.
"Ich hatte das Glück, dass ich einen Beruf gelernt habe, der mir nie Spaß gemacht hat", sagt Hohlbein. Er ist gelernter Industriekaufmann. "Das habe ich aber nur gemacht, weil meine Eltern das wollten." Denn eigentlich wollte er immer nur Geschichten erzählen. "Ich habe immer gesagt, dass ich ein berühmter Schriftsteller werde. Das war natürlich ein Traum, aber als Hobby habe ich es eigentlich immer gemacht", erzählt der Autor.
Heute ist der gertenschlanke 59-Jährige mit den langen graumelierten Haaren Deutschlands erfolgreichster Autor. "Im Moment ist das so, ja", meint Hohlbein.
Aber fangen wir vorne an. Wolfgang Hohlbein wurde 1953 in Weimar geboren. Schon recht bald packte die Familie die Koffer und zog gen Westen. "Wir sind dann in Krefeld gelandet, wo ich einen Großteil meiner Jugend verbracht habe. Später sind wir nach Meerbusch gezogen und jetzt wohne ich seit einiger Zeit hier in der Nähe von Neuss", berichtet Hohlbein.
"Ruhe ist für mich eher kontraproduktiv"
Er wohnt eher etwas bieder in einem Klinkerreihenhaus samt allerhand Figuren und Nippes – zusammen mit seiner Frau Heike, zwei übergewichtigen Möpsen, einem winzigen aber durchaus ausgewachsenen Hund, einigen Katzen, Schildkröten und Fischen. Früher lebten hier auch noch die sechs Kinder. Doch die sind inzwischen erwachsen und bis auf eines alle ausgezogen. Aber nicht weit. Den Hohlbeins gehört die gesamte Reihe der Klinkerhäuser und in jedem steckt Familie. Der erfolgreichste Autor Deutschlands mag es, wenn es etwas turbulent um ihn herum ist. "Ruhe ist für mich eher kontraproduktiv", meint Hohlbein. "Ich fühle mich am wohlsten, wenn eine Katze auf mir rumspringt, ein Hund am Bein zerrt und Kinder im Hintergrund gröhlen. Ich brauch ständig Leben um mich herum."
Seine Frau zählte erst nicht zu seinen Fans
Hohlbein liebt fantastische Geschichten, schreibt Krimis, Western, Gespenster- und Horrorgeschichten. Zunächst war es ein reines Hobby, dann war er als Heft-Autor bei Bastei-Lübbe tätig. Er fand Leser, erste Fans. Seine Frau Heike gehörte allerdings nicht dazu. "Die Sachen waren mir zu blutrünstig. Ich kann nachts dann nicht schlafen", so Heike Hohlbein. Sie sagte ihrem Mann, dass er "doch auch mal etwas schreiben soll, was mich auch interessiert. Ich war ja schon immer eine Märchenleserin." Sie erzählte ihm eine Geschichte, die ihm allerdings anfangs nicht gefiel. "Ich fand auch den Titel eher doof", so Wolfgang Hohlbein. "Das war Märchenmond", sagt seine Frau.
Märchenmond war Hohlbeins erster Roman – ein Jugendbuch und der Durchbruch. Die beiden schrieben das Buch gemeinsam, gezielt für einen Autorenwettbewerb. "Wir haben die Geschichte ohne viel Hoffnung hingeschickt, und den Wettbewerb gewonnen", erinnert sich der 59-Jährige. Zu diesem Zeitpunkt war Wolfgang Hohlbein Ende 20 und bald danach Bestsellerautor. "Es ist relativ langsam angezogen, aber kontinuierlich. Nach einem halben Jahr stellte sich raus, dass es sogar ein kleiner Bestseller werden könnte." Dass es dann irgendwann einmal sieben Millionen verkaufte Exemplare sind, damit hätte auch der Verlag nicht gerechnet. "Man hat mir dann die Chance gegeben, ein zweites und ein drittes Buch zu machen und das ging dann so weiter", so Hohlbein.
Mal für Erwachsene, mal für Jugendliche
Bis heute hat er um die 200 Bücher geschrieben, die in über 40 Ländern erschienen sind. Immer sind es fantastische Geschichten, mal für Erwachsene, mal für Jugendliche, mal blutrünstig, mal märchenhaft. Oft geht es um den Kampf des Guten gegen das Böse. Außerdem arbeitet der vielfach preisgekrönte Autor mit Musikbands wie "Schandmaul" zusammen, "Märchenmond" gibt es auch als Musical, außerdem wurden einige Bücher verfilmt.
Zurzeit schreibt er an einem neuen Band der "Chronik der Unsterblichen". Gearbeitet wird übrigens Nachts, an einem sehr kleinen Schreibtisch im Wohnzimmer vor einem gigantisch großen Fernseher. "Das ist so,seit die sechs Kinder ihm nur Nachts Zeit zum Schreiben gaben", sagt seine Frau Heike. Seitdem sorgt sie für gute nächtliche Arbeitsbedingungen. "Ich mache meinem Herzallerliebsten einen riesen Berg Brote, er isst mit Vorliebe Lachs."
Schreiben auf dem Touchscreen
Wolfgang Hohlbein liebt Technik und schreibt mit einem digitalen Stift auf einem Touchscreen in einer sehr akkuraten Handschrift. Gegen Morgen geht der Meister dann zu Bett und schläft bis zum frühen Nachmittag. In der Fantasy-Szene ist Holbein Kult, für seine meist jungen Leser ist er ein Star. Staralüren hat der Bestsellerautor aber keineswegs, obwohl er seinen Erfolg sehr wohl genießen kann. "Das ist genau die Dosis von Ruhm, die ich toll finde", beschreibt er. "Wenn ich will, kann ich mich in der Menge baden, aber ich kann auch ganz normal abends mit einem Freund in den Biergarten gehen und muss nicht Angst haben, dass die Paparazzi hinterm nächsten Busch herausspringen."
40 Millionen Bücher weltweit verkauft
40 Millionen Bücher hat der Erfolgsautor inzwischen weltweit verkauft. So viel wie kein anderer deutscher Schriftsteller. Doch auf der Spiegel-Bestsellerliste taucht er so gut wie nie auf. "Mein bester Platz in 30 Jahren immerhin war mal Platz sieben oder acht, aber nur ganz kurzfristig. Meistens dümpeln die Bücher so zwischen Platz 15, 20 oder 30 herum." Es wurme ihn schon ein bisschen, sagt Hohlbein. "Na klar. Ich meine, wer will nicht auch mal eine Nr.1 haben."
Bei dem Hamburger Wochenmagazin wird er das aber wohl nicht mehr erleben. Von denen werde er völlig ignoriert. "Da gibt es zehnseitige Berichte über deutsche Fantasy, in denen mein Name nicht auftaucht. Natürlich tut sowas weh und ich frag mich warum. Ich weiß es nicht." Inzwischen ist es ihm auch fast egal, sagt er. Immerhin ist Wolfgang Hohlbein auch ohne diese Bestsellerliste der erfolgreichste deutsche Autor geworden.
Redaktion:
Marion Grob
Deutschlands erfolgreichster Autor - der Beitrag zum Nachhören









