Museum Koenig

Stadtansicht und Schriftzug "Westblick" (Rechte: WDR / picture alliance)

montags bis freitags, 17:05 - 17:55 Uhr



Große Politik zwischen Koenigs Tierwelt

Museum Koenig: 100 Jahre Grundsteinlegung

Von Marion Menne

Als der Milliardärs-Sohn Alexander Koenig vor hundert Jahren den Grundstein für sein Naturkundemuseum in Bonn legte, ahnte er nicht, was daraus noch werden sollte: Lazarett, Kaserne, Amtssitz von Adenauer – und schließlich eine Forschungsstätte zur Artenvielfalt der Tiere.


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Wissenschaft trifft Politik [Mediathek]

 


Blick auf die Baustelle; Rechte: Museum Koenig
Baustelle Anfang des 20. Jahrhunderts

Schon mit zehn Jahren, heißt es, sammelte Alexander Koenig allerlei Getier, legte Listen an und unterschrieb mit "der Direktor". Seine Familie, die aus Sankt Petersburg stammte und mit Zuckerfabriken reich geworden war, lebte am Rhein in einer Villa, die später "Villa Hammerschmidt" hieß und zum Dienstsitz des Bundespräsidenten wurde. Zur Verlobung mit seiner Frau Margarethe bekam der Sohn vom Vater eine eigene Villa geschenkt, gegenüber der Straße, der heutigen Adenauerallee. An dieses Haus ließ Alexander für seine schnell wachsende Tier-Sammlung das heutige "Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig" anbauen. Der Grundstein wurde am 3. September 1912 gelegt, an Margarethes Geburtstag.


Ein leidenschaftlicher Sammler

Archivar Rainer Hutterer zeigt auf eine Vitrine; Rechte: WDR/Marion Menne
Koenig-Kenner Rainer Hutterer

Die Koenigs gingen auf etliche Forschungsreisen, zusammen mit Jagdfreunden und Wissenschaftler, und heuerten auch mal einen kompletten Dampfer an, wie bei einer Reise auf dem Nil. Die Tiere wurden vor Ort erlegt, die Haut gegerbt, die Knochen gesammelt. Zu Hause in Bonn machten Präparatoren Giraffen, Elefanten, Gazellen und Vögel wieder "lebensecht". "Er hat die Sammlung und Forschung bis zum Exzess betrieben", sagt Rainer Hutterer, der seit 30 Jahren im Museum arbeitet und nicht nur Leiter der Wirbeltierabteilung,  sondern auch Herr des Archivs ist. Koenig habe damals mehr gesammelt, als man heute vertreten könnte. Von Artensterben sprach damals noch niemand.


Herrschaftlicher Bau beherbergte die große Politik

Blick auf die Fassade des Museum Koenig an der Adenauerallee; Rechte: WDR/Marion Menne
Koenigs "Heilige Stätte" heute

Aber der gläubige Protestant sei kein reiner Trophäenjäger gewesen, so Hutterer. Er habe gesammelt, um den Menschen die göttliche Schöpfung zu zeigen. Die goldene Inschrift an der Museumsfassade "Studiis Zoologicis Sacrum" zeugt davon. Sie heißt übersetzt: Heilige Stätte der Zoologischen Forschung.    

Im Ersten Weltkrieg diente der unfertige Bau als Lazarett, danach als Kaserne für nicht weniger als tausend französische, englische und marokkanische Soldaten der Besatzungstruppen. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Museum nahezu unversehrt. Deswegen zog zeitweise die nach repräsentativen Räumen suchende Bonner Politik ein.

60 Jahre Grundgesetz [WDR]


Konrad Adenauer nutzte Alexander Koenigs Schreibtisch

Alexander Koenig an seinem Schreibtisch; Rechte: Museum Koenig
Die Tiere mussten weichen

So fand 1948 im Lichthof des Gebäudes – die dort ausgestellten Giraffen wurden mit Vorhängen verdeckt – die konstituierende Sitzung des Parlamentarischen Rates statt, der das Grundgesetz erarbeiten sollte. 1949/1950 erledigte Bundeskanzler Konrad Adenauer seine Amtsgeschäfte einige Monate an Koenigs früherem Schreibtisch. Im Arbeitszimmer wurden die Büchervitrinen mit Stoff verkleidet, der Parkettboden mit Teppich überdeckt. Im Hörsaal fanden Kabinettsitzungen statt.  Aber das Museum behagte dem Kanzler nicht. "Er wollte nicht arbeiten, wo lauter tote Tiere sind", erzählt Hutterer. Also zog Adenauer ins Palais Schaumburg um, während Teile des Bundeskanzleramts und später auch des Auswärtigen Amtes noch bis 1955 untergebracht waren.  In einem Behelfsbau im Garten hatte kurzzeitig zudem das spätere  Bundesministerium für Verteidigung seinen Sitz.

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Alte Dioramen...

Eine Besucherin betrachtet ein Diorama der neuen Ausstellung; Rechte: WDR/Marion Menne
Räumliche Illusion

Die Geschichte des Museums wird in einer neuen Ausstellung erzählt, die zum Jubiläumsfest eröffnet wurde. Zu sehen ist auch eines der alten Schaukästenbilder, ein sogenanntes Diorama, mit Tierszenen und Hintergrundmalerei. Wenn man nicht genau erkennen kann, wann der reale Felsnachbau mit den präparierten Seevögeln von der Bäreninsel bei Spitzbergen aufhört und die Leinwand mit der tosenden See anfängt, dann haben die Ausstellungsmacher von damals ganze Arbeit geleistet.


...und neue Ausstellungskonzepte

Zwei Eisbären, rechts ein Iglu; Rechte: WDR/Marion Menne
Bären bestaunen und Iglus bauen

Heute finden sich in der Ausstellung nicht mehr nur Tiere hinter Glas, sondern es gibt auch Vieles zum Anfassen und Ausprobieren. Zum Beispiel bei den Eisbären. Herausziehbare Info-Tafeln erzählen von alleinerziehenden Bärenmüttern, Videos zeigen Inuit beim Schlittenbau, und mit "Eisblöcken" lässt sich ein Iglu bauen.


Wissenschaftler wollen Artensterben aufhalten

Alexander Koenig wird wohl nicht geahnt haben, dass sich seine Nachfolger heute vor allem darum bemühen, das Aussterben der Arten aufzuhalten. Das Forschungsmuseum gehört zur Leibniz-Gemeinschaft und ist dem NRW-Forschungsministerium unterstellt. "80 Prozent des Etats fließt in die Wissenschaft", berichtet Direktor Wolfgang Wägele. 


Direktor: Noch nicht genug Daten vorhanden

Blick in den Lichthof des Museums; Rechte: dpa
Hinter den Kulissen wird geforscht

Zurzeit entwickele sein Team neue Methoden, die Biodiversität zu erfassen. Während man früher beispielsweise mit dem Insektenkescher über die Wiese gegangen sei und viele Spezialisten viele Jahre gebraucht hätten, um die Tiere zu bestimmen, funktioniere heute alles per DNA-Analyse. Den Tieren werde die Erbsubstanz entnommen und mit Datenbanken abgeglichen – wie bei einer Speichelprobe. Die Bonner Wissenschaftler steuern laut Wägele ein Netzwerk, um in ganz Deutschland die nötigen großen Datenbanken aufzubauen: "Denn nur wenn wir genug Daten haben, können wir die Politik beraten, wie die Artenvielfalt der Tiere erhalten bleiben kann."



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Stand: 03.09.2012, 10:53 Uhr




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