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Von den vielen medialen Aufgeregtheiten begleitet uns nur weniges ins neue Medienjahr. Es macht aber trotzdem Freude, sich noch mal zu erinnern. Vera Linß hat sich die Schlagzeilen vorgenommen.
Redaktion:
Willi Schlichting
War da was?-Das bleibt vom Medienjahr 2012
Guten Abend meine Damen und Herren, ARD und ZDF haben ihr Programm geändert. B Schausten und ich begrüßen Sie zu einem Gespräch aus gegebenen Anlass mit dem Bundespräsidenten Christian Wulff, der ganz besonders in den letzten Tagen sehr heftig in die Kritik geraten ist.
Das neue Jahr begann so, wie das alte aufgehört hatte: Mit wochenlangen Debatten über die Affären um Bundespräsident Christian Wulff. Ein undurchsichtiger Kredit, eine gesponserte Urlaubsreise, ein Anruf bei der BILD-Zeitung, mit der Wulff die Berichterstattung beeinflussen wollte und schließlich die Aufhebung der Immunität – Wulff wurde zum Dauerthema und am Ende blieb nur noch der Verzicht aufs Amt.
Ich trete deshalb heute vom Amt des Bundespräsidenten zurück, um zügig den Weg für die Nachfolge freizumachen.
… so Christian Wulff am 17. Februar. Zum ebenso heiß diskutierten Medienthema brachte es auch ein anderer Promi gleich zu Beginn des Jahres.
Dieser Mann war Mr Morning und Mr Late Night. Er kennt die Welt und die Welt kennt ihn. Dieser Mann hat alles gemacht und das war erst das Warm-up. Jetzt kommt die Show. Gottschalk live, das erste mal im Ersten.
Über vier Millionen Zuschauer konnte der einstige „Wetten Dass“-Moderator zum Start an den Bildschirm locken. Doch sein Leben in der so genannten Todeszone, dem ARD-Vorabendprogramm, währte nicht lang. Für die werktägliche Talkshow gab es schon nach den ersten Ausgaben heftige Kritiken, die Thomas Gottschalk anfangs so parierte.
Also solange du den Eindruck hast, dass das was du machst, von einer gewissen Relevanz ist und das habe ich noch und wenn das Gegenteil der Fall ist, bin ich einer der wenigen, die es sich leisten können, ins Exil zu gehen. Also ich werde mich den Leuten nicht länger als nötig hinterher tragen. Das ist eine Work in progress und das wird dauern und wenn ich den Eindruck habe, dass das was ich mache, nicht gewünscht ist, dann lass ich es.
Und so kam es dann auch. Nach siebzig Sendungen war Anfang Juni Schluss. Wo die Männer schwächeln, könnte die Stunde der Frauen schlagen. Zeit wird es, so die Botschaft des Vereins „Pro Quote“. Während die BILD-Zeitung am 8. März grade mal das Seite 1-Girl abschaffte, geht es den Medien-Frauen um echte Gleichberechtigung. Mitinitiatorin Ines Pohl, Chefredakteurin der taz:
Es reicht. Wir haben, glaube ich, lange genug darüber diskutiert, dass der Zustand in den dt. Medienhäusern, was den Anteil an weiblichen Führungspersonen anbelangt, einfach nicht mehr tragbar ist. Und unser Eindruck war: Der Worte sind genug gewechselt, wir müssen einfach mal ne Aktion machen.
Und an dieser beteiligten sich über 300 Journalistinnen aus allen Sparten. Das Ziel von „Pro Quote“: Bis 2017 soll ein Drittel aller Führungskräfte in den Medien weiblich sein. Das Thema bleibt uns also erhalten, wie manch anderes des Jahres 2012.
Stichwort Tagesschau-App. Fünf Millionen Mal wurde sie inzwischen herunter geladen. Doch der Streit mit den Presseverlegern um die Rechtmäßigkeit des Angebots hält an. Im September erklärte das Kölner Landgericht eine Ausgabe für rechtswidrig, aber nicht die App generell. Die ARD legte Berufung ein, will jedoch, so die ARD-Vorsitzende Monika Piel, am liebsten eine außergerichtliche Einigung.
Zumal das Problem meiner Meinung nach juristisch gar nicht zu lösen ist, sondern man muss es medienpolitisch lösen. Und das geht nur über Kompromisse und über Gespräche. Wir haben immer erklärt in der ARD, wir sind dazu bereit und wir hoffen, dass wir bald wieder an den Gesprächstisch kommen.
Im Gespräch bleiben wird mit Sicherheit auch das umstrittene Leistungsschutzrecht für Presseverleger, das im November in den Bundestag eingebracht wurde. Und: Auch der Einfluss von Politik auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird weiter Thema bleiben. Anlass dazu gab es im Oktober erneut, als der CSU-Sprecher Hans Michael Strepp versuchte, beim ZDF einen Bericht über den Landesparteitag der bayrischen SPD zu verhindern. Nicht nur ZDF-Chefredakteur Peter Frey war schockiert.
Das ist bisher nicht vorgekommen, so eine Intervention direkt in der Nachrichtenredaktion. Das macht ja auch das Besondere an diesem Vorgang aus, dass es darum ging, eine Berichterstattung über eine andere Partei infrage zu stellen. Und es ist eben nicht so, wie in der Öffentlichkeit manchmal geglaubt wird, dass man im öff.-rechtl. Rundfunk nur an irgendwelchen Strippen ziehen muss und schon ändert sich das Programm. Also wirklich ein sehr ungewöhnlicher Vorgang.
Ungewöhnlich auch: Die Nachrichtenagentur dpa schrieb 2012 nach zwei Jahren wieder schwarze Zahlen – im Gegensatz zu Konkurrent dapd. Diese ging im Oktober insolvent. Schwere Managementfehler wurden der Agentur attestiert. Dennoch gibt es Hoffnung. Kurz vor Jahresende übernahm Investor Ulrich Ende das Ruder. Der ehemalige Geschäftsführer des TV-Senders N24 ist überzeugt ...
…dass ich das auch hier schaffen kann, aus dieser Agentur einen Laden zu machen, den jeder im Markt akzeptiert. Ich möchte ganz einfach, dass guter Journalismus von der dapd ausstrahlt und die Kollegen sagen: Das kommt von dapd und deswegen möchte ich das haben.
Andere können diese Hoffnung nicht mehr hegen: Für die Financial Times Deutschland war am 6. Dezember Schluss. Die seit November insolvente Frankfurter Rundschau hingegen wartet noch auf einen Investor.







