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Bildschirme im Hintergrund, davor diverse Schriftzeichen und Schriftzug "Töne, Texte, Bilder" (Rechte: WDR / picture alliance)
Sendung vom 23.06.2012, 15:05 bis 15:35 Uhr
Bild: iphone mit TagesschauApp; Rechte: dapd

 Gern genutzt

Das Publikum mag sie, die Verleger weniger

Die App der Tagesschau

Vier Millionen Smartphon-Nutzer haben sie bereits: die Tagesschau-App. Die macht aus dem Angebot tagesschau.de im Internet ein Format, das auf die kleinen Bildschirme passt. Die große Tagesschau für das kleine Smartphon hat in dieser Woche den Grimme-Online-Award erhalten, den Preis des Grimme-Instituts für innovative Online-Angebote. Auch die Verleger interessieren sich für die öffentlich-rechtliche App. Sie sehen darin allerdings unzulässige Konkurrenz. Über den Preis und die Reaktionen berichtet Peter Grabowski.

Redaktion:

Willi Schlichting

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Das Publikum mag sie, die Verleger weniger

Das Manuskript des Beitrags

"Meine Damen und Herren: Herzlich willkommen zum Grimme Online Award 2012"

Der Preis des Marler Grimme-Instituts für publizistisch wertvolle Angebote im Netz ist eine hoch begehrte Trophäe. Und seine Verleihung jedes Jahr aufs Neue eine hoch erfrischende Sache. Hier gibt's kein überflüssiges Bühnengeplauder, keine langwierigen Showeinlagen, stattdessen geht's Schlag auf Schlag: Laudatorin oder Laudator kommt auf die Bühne, ein Videoclip mit den Nominierten wird eingespielt, dann "the winner is", Handshakes, Foto, fertig, weiter.

"Dieser Preis geht an: berlinfolgen … geht an: Zukunft Mobilität … an: Memoryloops … Der Grimme Online Award in der Kategorie Wissen und Bildung geht an: Lobbypedia…"

Deshalb gilt der Award als die vielleicht kurzweiligste Preisverleihung der Republik, sicherlich aber als die zügigste. Auch die Sieger in der zweiten Kategorie "Information" waren bereits nach einer guten halben Stunde durch: das interkulturelle migazin.de und das verkehrskritische Portal Zukunft Mobilität. Die ebenfalls nominierte tagesschau-App hatte die Jury nicht ausgezeichnet.

"Jeden Tag sehen Millionen Menschen die Ausgaben der tagesschau im Fernsehen und im Internet. Die tagesschau-Smartphone-Applikation ermöglicht nun, auch unterwegs und mobil …"

Diese kostenlose Mobilnutzung der gebührenfinanzierten tagesschau-Webseite ist medienpolitisch umstritten. Vor allem die Zeitungsverleger wehren sich dagegen und waren anfangs mit ziemlich grobem Geschütz unterwegs. WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus.

"Es geht darum, dass jemand steuerfinanziert kostenlos Inhalte anbietet und damit unsere Märkte kaputt macht. Und das finden wir politisch skandalös und nicht gesetzeskonform. Das kann man auch illegal nennen."

Mittlerweile haben sich Öffentlich-Rechtliche und Zeitungshäuser in vielen informellen Gesprächsrunden angenähert, vor dem Kölner Landgericht ist aber immer noch eine Klage der Verleger gegen die App anhängig. Ob das wirklich alle Grimme-Juroren ausblenden konnten?

"Das nicht, aber man hat eben gesagt: Es darf für uns bei der Bewertung des Apps keine Rolle spielen. Wir beurteilen es so, wie es ist."

Das sagte Uwe Kammann, der Direktor des Grimme-Instituts - nach der Verleihung. Da hatte es für die zwischenzeitlich etwas enttäuscht drein-blickenden Macher der tagesschau aber auch schon ein richtiges Happy End gegeben. Ziemlich überraschend, beim allerletzten Akt des Abends: Dem Publikumspreis!

"Es war ganz knapp, aber trotzdem hat gewonnen: Die tagesschau-App"

Ganze 35 Stimmen Vorsprung vor dem Zweitplatzierten vermeldete Laudator Ralf Schmitz für das kleine Nachrichten-Programm auf Mobil-telefonen und Tabletcomputern. Aber: vorn ist vorn, ein Grimme-Preis ein Grimme-Preis. Und der Chef von ARD Aktuell war entsprechend stolz.

"Ach, das freut mich total, dass es der Publikumspreis geworden ist, weil das natürlich 'n Preis ist, der uns zeigt, dass die Leute das schätzen, was wir da machen. Und die abseits von allen medienpolitischen Überlegungen einfach sagen: ja, die tagesschau-App ist etwas, das wir gerne nutzen, und deshalb stimmen wir für die ab."

Kai Gniffke und sein Team zeigten sich auf der Bühne im Kölner Dock One-Gebäude sichtlich erleichtert: Sie hatten eine Art Volksabstimmung für Ihren Zankapfel gewonnen. In seiner Dankesrede wurde der öffentlich stets bedächtige ARD-Aktuell-Chef dann auch richtig emotional – und sehr persönlich.

"Ich mach das aus einem Grund, weil: Die Tagesschau hat's schon gegeben, da war ich noch nicht auf der Welt. Und ich will, dass es die Tagesschau noch gibt, wenn ich nicht mehr auf der Welt bin."

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