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Das Thema Rundfunkbeitrag bringt Redaktionen in Wallung
Der freie Medienjournalist und Blogger Stefan Niggemeier hält die anhaltende Kritik des Handelsblatts am neuen Rundfunkbeitrag für "Propaganda". Dem Blatt wirft er gezielte Desinformation vor. Auch die Bildzeitung ist bei dem Thema um Zuspitzung bemüht. Nach Niggemeiers Einschätzung ohne besondere Rücksicht auf die Tatsachen. Das Medienmagazin spricht mit dem langjährigen Autor vieler überregionaler Zeitungen über die Zeitungsberichte zum Rundfunkbeitrag. Wo ist Kritik am neuen Modell berechtigt? Beschädigen einige Zeitungen mit ihren Berichten zu dem Thema die eigene Glaubwürdigkeit?
Interview mit Stefan Niggemeier
Guter Dinge, trotz schlechter Presse: Die NRW-Grünen und der Rundfunkbeitrag
Der Pressespiegel zum neuen Rundfunkbeitrag hat es in sich: Der Boulevard spricht von "Abzocke", die seriösen Blätter titeln ebenfalls scharf. "Bei ARD und ZDF sitzen Sie in der Gebührenfalle", schreibt das Handelsblatt in dieser Woche. Die Kritik am neuen Rundfunkbeitrag ist zugleich eine Kritik am Rundfunkänderungsstaatsvertrag, den alle deutschen Landtage ratifiziert haben. Zur parlamentarischen Mehrheit haben in Nordrhein-Westfalen auch die Grünen mit ihrem entschiedenen Ja beigetragen. Wir fragen Oliver Keymis, ob beim Rundfunkbeitrag nachgebessert werden muss. Keymis ist Landtagsabgeordneter der Grünen und dort Experte für Medienfragen. Außerdem hat er einen Sitz im Rundfunkrat des WDR. In diesem Kontrollgremium wirkt auch die CDU-Medienexpertin Andrea Verpoorten. Deren Einschätzung, dass das System der Rundfunkgebühren außer Kontrolle geraten sei, teilt er nicht.
Interview mit Oliver Keymis
Einfach für alle? Verstehen Betriebe ohne Fachabteilung den Rundfunkbeitrag?
Für den Privathaushalt ist der neue Rundfunkbeitrag übersichtlich: Eine Wohnung ein Beitrag! Das bedeutet nicht, dass es an dieser Regelung keine Kritik gäbe. Bei Betrieben führe der Beitrag zu Unverständnis und Ungerechtigkeit, so die Einschätzung einiger Zeitungsautoren. Im Vergleich zum Privathaushalt ist es bei den Betrieben tatsächlich etwas komplizierter. Einige Betriebe mit vielen Mitarbeitern, vielen Filialen und vielen Firmenwagen klagen zudem über eine deutliche Kostensteigerung. Wir haben unseren Reporter Kai Rüsberg zu den Kleinbetrieben geschickt, die keine Pressestellen haben. Kommt der Handwerksbetrieb mit dem Rundfunkbeitrag klar? Wie steht es um die Kosten? Eine Stichprobe aus Bochum
Beitrag von Kai Rüsberg
Kritik am Rundfunkbeitrag - Der Blickpunkt im Medienmagazin zum Nachhören
Manuskript
"Wir haben schon gezahlt... war erste Rechnung, die wir abgebucht bekommen haben in diesem Jahr."
Michael Teupen ist Chef der Batteriegroßhandelfirma Jewo in Bochum. Sein Büro ist schlicht eingerichtet. Ein Radio oder gar einen Fernseher gibt es hier nicht. Die würden bei der Arbeit auch stören. Aber unten, in der Warenhalle hören manche Mitarbeiter Radio.
"Wir sind hier in der Fertigung ist es zu laut.... da haben wir ein Radio stehen... hier Packstation... laufenden Bestellungen mit 4 Mitarbeitern."
Sein Unternehmen gehört zur Staffel 3 der Gebührentabelle. Das sind pro Monat 2 volle Rundfunkgebührensätze entsprechend 36€ plus ein Auto a 6€.
"Wir haben 33 Mitarbeiter... 2 Autos, eines frei"
Auch wenn es ihn jetzt aktuell geärgert hat, dass seine Gebühr gestiegen ist, hat er dies abgehakt. Nicht zu zahlen, käme für ihn nicht in Frage.
"Sollte man nicht tun. Wir sind in der Vergangenheit regelmäßig geprüft worden."
Im Cafe Treibsand in Bochum läuft den ganzen Tag Musik. Jedoch nicht aus dem Radio. Inhaber Peter Schulze mischt sie selbst aus seinem CD Archiv - je nach Tagesstimmung. Rundfunkgebühr muß er trotzdem bezahlen, aber nur den kleinsten Betrag von 6 Euro.
"Ich meine, hat sich nicht viel geändert. Wir haben immer den kleinsten Bereich bezahlt... Wir sind unter 8 Mitarbeitern und da tut sich erst mal nichts."
So wenig Geld es ist, den selbstständigen Kleinunternehmer schmerzt es trotzdem. Er klagt darüber, weil bei ihm seit Monaten die Geschäfte schlecht laufen.
"Natürlich tut das weh... bei uns läuft es nicht gut. Wegen der Baustelle und man soll alles bezahlen: GEZ, Miete... und man hat nur nen kleinen Umsatz am Tag"
Beim Verlag und PR Agentur RDN in Recklinghausen läuft es ganz gut. Daher hat der Inhaber Stefan Prott auch keine Probleme mit der Rundfunkgebühr.
"Wird wie so vieles abgebucht. teurer geworden."
Doch mit 4 festen Mitarbeitern liegt auch er noch in der günstigsten Beitragsstaffel 1. 6 Euro sind für ihn leicht zu verschmerzen. Im Gegenzug stellt er für die Gebühren aber auch Ansprüche an den Service der Rundfunkanstalten.
"Es ist ein kleiner Betrag, ich bin ein Fan der ÖR. Aber ich würde mir wünschen, wir haben keinen Fernseher hier, dass die Beiträge im Internet länger als 14 Tage zu empfangen sind."
Allerdings weiß er als PR-Profi auch, dass diese Einschränkung nichts mit der Rundfunkgebühr zu tun hat, sondern eine Einschränkung durch den Rundfunkstaatsvertrag ist.








