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Bildschirme im Hintergrund, davor diverse Schriftzeichen und Schriftzug "Töne, Texte, Bilder" (Rechte: WDR / picture alliance)
Sendung vom 04.08.2012, 15:05 bis 15:35 Uhr
Bild: Exemplar "Frei-Bild für alle"; Rechte: WDR/imago stock&people/imago stock&people/58143490

 Sinkende Käuferzahlen

Boulevard in allen Medien

Boulevardzeitungen profitieren nicht davon

Moderation: Cordula Denninghoff

Boulevardzeitungen, die mit riesigen Überschriften Stimmung machen und um Kunden werben, verlieren Leser. Bei BILD, BILD am Sonntag, BZ in Berlin, Hamburger Morgenpost oder Kölner Express sinken die Auflagen, zum Teil stark. BILD hat innerhalb eines Jahres 200.000 Exemplare weniger zu verzeichnen. Woran liegt das? Das Interesse an bunten Bildern, schnulzigen Geschichten und Promi-Klatsch ist ungebrochen - wird aber inzwischen auch von anderen Medien bedient. Michael Meyer hat untersucht, welche Rolle das für die Boulevardzeitungen spielt.

Redaktion:

Esther Hartbrich

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Boulevard in allen Medien - Boulevardzeitungen profitieren nicht davon

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Das Manuskript des Beitrags

Bunte Geschichten sind allgegenwärtig: Nicht nur in der Zeitung, sondern auch im Internet und im Fernsehen. Wenn Dieter Bohlen für Schlagzeilen sorgt oder ein neues TV-Sternchen einen Skandal inszeniert, dann sieht und liest man das überall. Und genau das ist das Problem, meint Hans-Joachim Fuhrmann vom Bundesverband der Zeitungsverleger.

„Das begann übrigens schon vor dem Internet. Wir glauben, registriert zu haben schon nach der Einführung des Privatfernsehens hat das den Boulevard betroffen, weil gerade Sender wie RTL und SAT1 haben natürlich auch auf Boulevardformate gesetzt, und dort bekam ich quasi gratis Dinge angeboten, die ich bei einem Boulevardblatt wie der BILD, dem Express oder Abendzeitung zahlen musste, das hat sich niedergeschlagen, ganz klar.“

Nicht nur die reißerischen Programme im Fernsehen setzen zunehmend auf Boulevard, selbst bei der seriösen Süddeutschen Zeitung hat man vor einigen Jahren die vermischten Seiten verdoppelt – täglich zwei statt nur einer Seite „Panorama“. Klar – dort wird seriöser geschrieben, es ist eine andere Aufmachung, Boulevard ist es dennoch. Dass die Klatschgeschichten heute nicht mehr exklusiv sind, ist eines der größten Probleme für die bunten Blätter, meint der taz-Medienjournalist Steffen Grimberg, vor allem für die kleineren, regionalen Kauf-Zeitungen.

„Das heißt, wenn ein internationaler Star sich an ein Presseorgan wendet, macht er das natürlich mit der BILD-Zeitung, mit der er die entsprechende Reichweite erzielt, man sieht das ja auch daran, dass die regionalen Boulevardzeitungen schon seit Jahren jetzt immer stärker dabei sind, was ihre Aufmachergeschichten angeht, wirklich auf richtige Regionalgeschichten aus ihrer lokalen Verankerung zu setzen, das ist auch eine gute Chance für sie, inwieweit die Nische dann auch groß genug ist, um langfristig das Überleben zu sichern, da mache ich noch mal ein Fragezeichen dran.“

Bei der BILD-Zeitung hat man gleich zwei Eisen im Feuer: Man kann national große Geschichten fahren, und hat daneben 27 Regional- und Stadtausgaben, so dass man gegebenenfalls auch eine lokale Story auf die Titelseite heben kann. Und dennoch hat das Massenblatt innerhalb nur eines Jahres 200.000 Exemplare weniger verkauft – selbst für die BILD ist das viel. Chefredakteur Kai Diekmann will diese Zahlen anders deuten. Trotz fallender Auflage habe die Zeitung die zweithöchste Reichweite ihrer Geschichte, erreicht also nach wie vor 10 Millionen Leser.

„So, das hängt mit dem Preis der Zeitung zusammen, sie ist nicht mehr so günstig oder so billig wie früher, so dass die Nutzung eine intensivere ist, ich schmeiß sie nicht weg, sondern ich nehm’ sie mit nach Hause in die Familie, das ist für mich das entscheidende Kriterium, was für eine Reichweite haben wir.“

Es sind durchaus auch ökonomische Gründe, warum Boulevardzeitungen immer stärker unter Druck geraten, meint auch Hans-Joachim Fuhrmann vom Verlegerverband, Leser sparten sich eben öfter mal die Zeitung. Ein Beispiel:

„Wenn irgendwo in einem großen Industriewerk in Deutschland Arbeitnehmer entlassen, dann sinkt automatisch die Auflage der dort erscheinenden Boulevardzeitung, weil damit geht auch ein Ritual verloren, nämlich der Arbeiter, der morgens in sein Werk geht, geht am Kiosk vorbei, kauft sich ein Brötchen, eine BILD-Zeitung oder in Köln einen Express oder in München eine Abendzeitung oder eine tz, dann geht er zur Arbeit. Und wenn er seinen Job verliert, dann geht er nicht mehr am Kiosk vorbei, das hat zu solchen Veränderungen beigetragen.“

Deutschlands Boulevardzeitungen werden sich künftig daher noch mehr anstrengen müssen, wenn sie weiterhin Erfolg haben wollen – denn eines liefern diese Art Zeitungen kaum: ausführliche Hintergrundberichterstattung. Doch genau damit punkten die Abonnementszeitungen, vor allem die überregionalen wie SZ oder FAZ, die sich trotz Zeitungskrise teilweise besser behaupten als der Boulevard.

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