YouTube macht jetzt Fernsehen

- Sendung vom 26.10.2012, 15:05 bis 15:35 Uhr
YouTube macht jetzt Fernsehen
Von Nikolaus Steiner
In dieser Woche ging der erste YouTube-Themenkanal mit einem Comedy-Format auf Sendung. Bei den klassischen Fernsehsendern reagiert man gelassen – doch der Verband privater Rundfunkmedien fordert bereits ein Eingreifen der Politik.
YouTube macht jetzt Fernsehen - von Nikolaus Steiner [Töne, Texte, Bilder]

- YouTube-Pläne: "Nischen" ausfüllen
YouTube startet einen Angriff auf das klassische Fernsehen. Im Trailer für das neue Comedy-Format "Ponk" stößt einer der YouTube-Comedians einen Röhrenfernseher von einer Klippe. Die Message ist klar: Die Fernsehsender sollen sich warm anziehen. Ganz so hart wollte es YouTube-Sprecherin Mounira Latrache dann doch nicht formulieren, vielmehr solle das neue Angebot "Nischen" ausfüllen, also als "Ergänzung" betrachtet werden.

- "Fernsehen von der Klippe stoßen"
Bei "Ponk" geht es vor allem um Sketche und Parodien, die in einer Kölner WG gedreht werden. Die fünf Schauspieler, die angeblich wirklich gemeinsam in der Wohnung leben, sind bereits prominente YouTube-Gesichter und haben dank anderer Channels schon eine große Fangemeinde. YouTube hat also quasi die berühmtesten deutschen Comedy-Gesichter von verschiedenen Kanälen zu sich ins Boot geholt.
Jeden Wochentag sollen bei "Ponk" neue Videos- und Audios hochgeladen werden. Der Themenkanal finanziert sich über Werbung und ist damit für den User kostenlos abrufbar. Nach dem Start des Comedy-Channels sollen dann auch Stück für Stück andere Kanäle mit Themen wie Auto, Umwelt oder Gesundheit an den Start gehen.
100.000 Abonnenten nach dem ersten Tag

- Grewenig: "Nötige Gelassenheit"
Bereits nach dem ersten Tag hatte der neue Channel mehr als 100.000 Abonnenten. Für die klassischen Fernsehsender sei das aber kein Grund zur Panik, meint Claus Grewenig vom Verband Privater Rundfunk und Telemedien. "Ich glaube, man muss das mit der nötigen Gelassenheit sehen." Schließlich sei so ein Sparten-Fernsehprogramm im Netz jetzt nichts Revolutionäres. "Wir stellen uns dem Wettbewerb gerne", so Grewenig.
Ähnlich gelassen reagiert man bei den Öffentlich-Rechtlichen. ARD-Programmdirektor Volker Herres sagte dazu: "Für uns sind neue Themenkanäle keine Konkurrenz. Als öffentlich-rechtlicher Sender haben wir einen Programmauftrag zu erfüllen und dabei ein möglichst breites Publikum mit unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen anzusprechen." Und auch das ZDF ließ über einen Sprecher mitteilen, dass man die neuen Spartenkanäle interessiert, aber gelassen "beobachte".
Google entscheidet, welche Videos im Netz gefunden werden
Also alles kein Problem für die klassischen TV-Sender? Nicht ganz, meint Claus Grewenig vom Verband privater Rundfunkmedien. Denn YouTube ist Google. Und Google entscheidet, welche Videos im Netz schnell gefunden werden können. Wenn die klassischen Fernsehsender in Konkurrenz zu Google treten, könnten sie dadurch ein Nachteil haben, weil ihre Angebote schwerer zu finden sein könnten. Deshalb fordert Grewenig hier eine Regulierung von Seiten der Politik, um zu verhindern, dass YouTube die eigenen Inhalte bevorzugt behandele und die Angebote der privaten Sender sichtbar blieben.
Wie die Zukunft aussehen könnte, zeigt die Situation in den USA: Dort fördert Google mehr als 100 Spartenkanäle im Netz mit bis zu 100 Millionen Dollar. Das Unternehmen erhofft sich damit in Zukunft mit seinem Angebot auch auf internetfähigen Fernsehern präsent zu sein. Mit seinem Angriff auf den deutschen TV-Markt könnte sich YouTube könnte schon bald als ernsthafter Konkurrenz für die Fernsehsender in Deutschland entwickeln.




