Social Radio in der ARD

Bildschirme im Hintergrund, davor diverse Schriftzeichen und Schriftzug "Töne, Texte, Bilder"; Rechte: WDR / picture alliance
Sendung vom 13.10.2012, 15:05 bis 15:35 Uhr

Champions League interaktiv

Social Radio in der ARD

"Social Radio" heißt das neue Mitmach-Angebot in der ARD. Fußballfans können im Internet den Live-Übertragungen der Spiele folgen und sich gleichzeitig mit anderen Fans und den Experten von sportschau.de austauschen.

Von Michael Voregger


Sreenshot der ARD-Social Radio-Website; Rechte: ARD
Die Social Radio-Seite der ARD

Die Übertragung von einem Fußballspiel im Radio kann eine aufregende Sache sein. Das beweist der Hörfunk an jedem Bundesligaspieltag mit seiner Live-Berichterstattung. Jetzt hat die ARD sich an ein besonderes Experiment gewagt. Im Internet berichten die Kommentatoren direkt über die Spiele der Champions-League. Gleichzeitig können sich die Hörer auf der Internetseite der Sportschau und der ARD Mediathek direkt beteiligen.

Beim ersten Spieltag der Champions League im September gingen die Kommentatoren Holger Dahl und Burkhard Hupe bei ihren Live-Reportagen von den Spielen von Schalke und Dortmund sofort auf die Anmerkungen der Hörer ein. Holger Dahl sagte zum Beispiel: "Schönen Gruß an alle Internetuser. Wir sind heute nicht allein, und das glaubt man in Piräus bei dieser Stimmung sowieso nicht. Es gibt den Wunsch von einem User – einem Schalke-Fan – 'Wuhu!' zu rufen, wenn Schalke ein Tor schießt. Ich glaube, wir bleiben bei 'Tor!'". So lassen sich auch einfache Fragen schnell beantworten.


Den Nutzern gefällt's

Ein anderer Nutzer wollte die Aufstellung der beiden Mannschaften aus dem Ruhrgebiet wissen. Die Berichterstatter gingen zwar nicht in ihren Radio-Kommentaren darauf ein, aber auf der Internetseite lieferten sie die Antwort prompt. Bei den Usern gab es sogar Appelle an das Gemeinsame der sonst so streitbaren Mannschaften aus dem Ruhrgebiet. "rotebrauseblog" schrieb etwa: "Getrennt in den Farben, vereint in der Sache". "Cyrano" wollte dagegen noch mal "die Zeitlupe von Reus' Tor hören." Und "RDabars" lobte "die euphorischen Reporter, die das Spiel lebendiger machen".


Einfache Technik

Social Radio-Website der ARD; Rechte: ARD
Kommentare auf der Social Radio-Seite

Die technische Umsetzung des Projekts hat die ARD betont einfach gehalten. Die eingesetzte Software ist auf das unkomplizierte und schnelle Mitmachen möglichst vieler Nutzer ausgerichtet. Jeder Besucher der Seite kann sofort mit Kommentaren einsteigen und muss nicht bei Social-Media Anwendungen wie Twitter oder Facebook angemeldet sein. So kommen schnell viele Wortmeldungen zusammen. Sogar so viele, dass die Redaktion mitunter Mühe hat, entsprechend zu reagieren. "Es wird ohnehin sortiert. Es ist nicht so, dass ein Nutzer etwas schreibt, und das sofort online erscheint", sagt Käthe Day von der Onlineredaktion der Sportschau. "Wir prüfen, ob in den Kommentaren Beschimpfungen oder unflätige Dinge auftauchen. Wir sind verantwortlich, und deshalb durchlaufen die Einträge eine redaktionelle Kontrolle."


Live und interaktiv für "digital natives"

Mit Social Radio kombiniert die ARD Hörfunkreportage und Onlineangebot. Heraus kommt ein interaktives Fußballerlebnis mit hohem Unterhaltungswert. Fußball ist eine emotionale Angelegenheit und lebt von unterschiedlichen Meinungen. Das ist immer aufregend – auch wenn das Spiel selber das mal nicht ist. "Die Verbindung von Live-Hörfunkreportage mit Kommentierungsmöglichkeit scheint viele Nutzer anzusprechen. Offenbar haben sie stärker das Gefühl, live dabei zu sein", freut sich Käthe Day. "Wenn die Reporter dann noch direkt Bezug auf die Einträge nehmen, ist das ideal. Am zweiten Abend schrieb ein Nutzer sogar, er würde den Fernseher bewusst auslassen, weil ihm die Übertragung via Social Radio viel besser gefalle", erzählt sie. 

Bei Social Radio geht es um die Verbindung von sozialen Netzwerken mit den klassischen Medien. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk will man so an die Generation der "digital natives" herankommen, denen der lineare Medienkonsum nicht ausreicht, da er sich auf die Wahrnehmung eines Mediums konzentriert. Um diese Zielgruppe zu erreichen, braucht es den "Second Screen". Denn nur mittels des zweiten Bildschirms von Laptop, Tablet oder Smartphone kann man – anders als (bislang) mit dem Fernsehbildschirm – gleichzeitig etwa ein Sportereignis verfolgen und im Netz kommunizieren. Nach der ARD-ZDF-Onlinestudie tauschen sich bereits 13 Prozent der Fernsehzuschauer, die in einem sozialen Netzwerk aktiv sind, in ihrer digitalen Gemeinschaft über ihren Medienkonsum aus.


Ein Modell für die Zukunft

Wolfgang Schmitz; Rechte: WDR
WDR-Hörfunk-Direktor Wolfgang Schmitz

Sportschau und ARD sind mit dem Verlauf des Experiments bisher sehr zufrieden. Am ersten Spieltag der Champions-League wurde die Seite so oft aufgerufen, dass das Event zum bislang erfolgreichsten Radio-Livestream in der ARD Mediathek wurde. Die Nutzer verfassten etwa 4.000 Kommentare. Aus dem Testprojekt soll ein festes Angebot werden, auch eine Ausweitung auf andere Sendungen hält man für denkbar. "Mit diesem Mitmachangebot gelingt es der ARD, Hörfunkreportagen und Onlineangebote so miteinander zu verknüpfen, dass für die Nutzer ein neues, interaktives Fußballerlebnis entsteht", sagt Wolfgang Schmitz, Vorsitzender der ARD-Hörfunkkommission und WDR-Hörfunk-Direktor.

"Die Fußballfans können sich aktiv beteiligen, die Spiele direkt kommentieren und dadurch die Champions League noch spannender erleben". Die Übertragung der Rückspiele verlief allerdings nicht ganz so erfolgreich. Dieses Mal beteiligten sich weniger Hörer. Ein Grund dafür dürfte die Live-Übertragung des Spiels von Manchester City gegen den Dortmund im ZDF gewesen sein. An solchen Tagen findet sich das Radio - und bislang auch das Social Radio – traditionell im Hintertreffen. Noch ist die Übermacht des linearen TV-Konsums zu groß.





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