Hohle Idole - Studie über TV-Promis

- Sendung vom 03.11.2012, 15:05 bis 15:35 Uhr
Studie: Fernseh-Erziehung zum Gehorsam
TV-Promis als "Hohle Idole"
Von Nikolaus Steiner
Bohlen, Klum, Katzenberger – sie alle haben extrem erfolgreiche TV-Formate und sind Vorbilder, vor allem für junge Zuschauer. Warum ist das so? Die Studie "Hohle Idole" gibt Antworten.

- Casting-Shows: "Erziehung zum Gehorsam"
"Scheiße zu singen ist auch ne Begabung. Aber die suchen wir hier nicht! Das Ding heißt nicht: Deutschland sucht Naturkatastrophen." Mit solchen derben Sprüchen ist Dieter Bohlen, Juror bei "Deutschland sucht den Superstar" und "Das Supertalent" zu einer der bekanntesten Figuren des Privatfernsehens geworden.
"Dieter Bohlen ist zwar krass im Urteil, aber für viele so was wie ein imaginärer Vater", sagt der Journalistik-Professor Bernd Gäbler. Bohlens aggressive Art gegenüber den Casting-Kandidaten würde von vielen Jugendlichen als Aufrichtigkeit gewertet. "Der gilt als ehrlich, weil er hart im Urteil ist".
TV-Promis als Idole

- Bohlen gilt als ehrlich
Dieter Bohlen ist einer der drei TV-Promis, die Bernd Gäbler in seiner Studie "Hohle Idole" für die Otto-Brenner-Stiftung analysiert. Seine zentrale Frage dabei ist, warum bestimmte TV-Promis für viele junge Menschen als Vorbilder, als Idole gelten. Als Beispiele nennt Gäbler Dieter Bohlen, Heidi Klum und Daniela Katzenberger, die er als "hohle Idole" und als "Ikonen der Fernsehunterhaltung" bezeichnet.
"Germany's Next Topmodel" mit Heidi Klum ist für Gäbler dabei ein besonderes Beispiel dafür, worum es in den Casting-Shows letztendlich gehe: Die Erziehung zum Gehorsam. "Ich glaube es gibt kein Format im deutschen Fernsehen, das so sehr sagt: Die Selbstverwirklichung, die Entfaltung der Individualität ist konformistische Anpassung", so Gäbler.
"Ds Prinzip heißt: Du sollst die Erwartungen erfüllen"

- Gäbler: "Mogelpackung"
"Christina, es geht nicht darum, dass du dich ändern sollst, dass du deinen Charakter änderst. Wir glauben aber, dass da noch mehr ist, war wir aber leider immer noch nicht gesehen haben", sagt Klum zu einer Kandidatin, die den Tränen nahe ist. Untermalt wird die Szene mit trauriger Musik und Nahaufnahmen des Gesichtes der jungen Frau.
Für Gäbler ist das eine Mogelpackung. Zwar suggeriere die Show immer wieder, dass es darum gehe schüchterne Schönheiten zur Blüte zu bringen. Aber am Ende ginge es nur darum, dass zu tun, was der Model-Markt verlange. "Das Prinzip heißt: Du sollst Erwartungen erfüllen. Tu alles, was dir befohlen wird vom Markt", so Gäbler.
Ob jemand singen kann, ist zweitrangig

- Gerade Frauen finden sie authentisch
Dieses Prinzip der Unterordnung unter eine Autorität sei in allen Casting-Shows zu beobachten. Gleichzeitig rücke die Präsentation in den Vordergrund: Ob jemand singen kann, ist zweitranging, was zählt, ist die Performance. Das sieht man aber nicht nur bei den Casting-Shows sondern auch bei einem anderen TV-Promi, der Ludwigshafenerin Daniela Katzenberger, die Gäbler ebenfalls in seiner Studie unter die Lupe nimmt.
"Also das erste Styling mit dem rosa BH und dem Schlüpfer das fand ich ganz toll! Alles so pink und wenig an. Und die Haare geil gemacht. Hat mir gefallen", sagt Daniela Katzenberger in einer Folge von "Katzenberger TV". Obwohl man durch solche Sprüchen nicht viel über sie als Person erfährt und sie aussieht wie eine Barbie-Puppe mit blondierten Haaren und Silikonbrüsten, zeigt die Zuschauerforschung, dass Daniela Katzenberger gerade bei Frauen als sehr authentisch und echt rüberkommt.
Sich-Selbst-Vermarkten
Das funktioniere deshalb, meint Gäbler, weil Daniela Katzenberger trotz ihres künstlichen Aussehens immer wieder einen intimen Einblick in ihr Gefühlsleben gewähre. "Sie sagt dem Zuschauer, was sie tatsächlich fühlt und stellt so eine Verbindung zu ihm her. Der Zuschauer kann sagen: Ja, auch ich bin oft in solchen Situationen und fühle mich dementsprechend."
Dieter Bohlen, Heidi Klum, Daniela Katzenberger – sie alle sind Idole für junge Menschen, die zeigen, welche gesellschaftlichen Werte im Moment durchs Unterhaltungsfernsehen transportiert werden. Dabei spiegeln die Casting-Shows Tendenzen unserer Gesellschaft, wie beispielsweise das Sich-Selbst-Vermarkten und Sich-Präsentieren. "Nur: Am Ende muss ich auch was haben können, was ich verkaufen kann", meint Gäbler.




