Zehn Jahre Creative Commons-Lizenzen

- Sendung vom 29.12.2012, 15:05 bis 15:35 Uhr
Kopieren, downloaden, tauschen - ja, gerne
Zehn Jahre "Creative Commons"-Lizenzen
Von Stefan Römermann
Fast alle Inhalte im Internet sind urheberrechtlich geschützt. Doch viele Bands, Blogger, Fotografen und Netzaktivisten wollen, dass ihre Werke weiterverteilt, kopiert oder heruntergeladen werden. Sie stellen ihre Werke deshalb unter die sogenannte "Creative Commons"-Lizenz.

- Zehn Jahre "Creative Commons"-Lizenz
Eigentlich ist "Creative Commons" längst im Alltag der meisten Internet-Nutzer angekommen. Schließlich nutzt beispielsweise die Online-Enzyklopädie Wikipedia eine "Creative Commons"-Lizenz. Dort darf deshalb nicht nur jeder, der es möchte mitschreiben. Wer Interesse hat, darf außerdem ohne irgendjemanden um Erlaubnis zu fragen, die Inhalte kostenfrei für eigene Zwecke benutzen. Selbst damit Geld zu verdienen, ist erlaubt.
Zehn Jahre Creative Commons von Stefan Römermann [Töne, Texte, Bilder]
Bilder und Texte kommerziell weiterverwenden

- Richter: "Für andere Menschen hilfreich"
"Das heißt, sie können etwas aus der Wikipedia – ein Bild oder einen Text übernehmen und diesen kommerziell weiterverwenden - unter Einhaltung der Lizenz", erklärt Pavel Richter von Wikimedia Deutschland, einem Wikipedia-Förderverein. Das bedeute primär drei Dinge: "Sie müssen sagen, was die Quelle ist, sie müssen sagen, wer der Autor ist. Und Sie müssen es unter die gleiche Lizenz stellen, unter die es vorher auch gestellt war."
Die meisten der Wikipedia-Autoren wollten die Welt mit ihren Artikeln einfach ein kleines bisschen besser machen – indem sie ihr Wissen mit anderen teilen, glaubt Richter. "Es macht Spaß, Dinge die man weiß, so aufzubereiten, dass sie für andere Menschen hilfreich sind. Das ist sehr befriedigend, wenn man etwas geschrieben hat und dann sieht, wie sich das weiterentwickelt, weiter genutzt wird."
"Werke nutzen, ohne zu fragen"

- Filme als "Creative Commons"
Entstanden ist die erste "Creative Commons"-Lizenz vor zehn Jahren in den USA. Der Name bedeutet übersetzt etwa "kreatives Allgemeineigentum". Die Lizenzen sollen einen ordentlichen rechtlichen Rahmen bieten für Gemeinschaftsprojekte wie Wikipedia – aber auch für alle anderen Inhalte, die Urheber gerne im Internet frei verwendbar und kostenlos zugänglich machen möchten.
"Das Problem besteht darin, dass das Urheberrecht erst einmal sagt: Alle Rechte vorbehalten", sagt Markus Beckedahl, Blogger und Sprecher von "Creative Commons" Deutschland. Man müsse immer explizit einen Urheber um Erlaubnis fragen, um sein Werk benutzen zu können. "'Creative Commons'-Lizenzen umgehen das und bieten Urhebern die Möglichkeit zu sagen: Unter bestimmten Bedingungen dürft ihr einfach meine Werke nutzen, ohne mich zu fragen", so Beckedahl.
Nicht der "Versuch den Kommunismus zu etablieren"

- Beckedahl: Ablehnung durch Missverständnisse
Vor allem bei Bloggern sind die freien Inhalte beliebt. Schließlich lässt sich so beispielsweise die eigene Webseite mit kostenlosen Bildern oder Musikstücken vergleichsweise einfach aufhübschen. Viele Politiker, Industrievertreter aber auch beispielsweise Journalistenverbände stehen "Creative Commons" allerdings eher skeptisch gegenüber. Das beruhe aber oft auf Missverständnissen, glaubt Beckedahl. "Creative Commons ist weder der Versuch den Kommunismus zu etablieren, noch sind Creative Commons Lizenzen anti-kommerziell oder wollen das Urheberrecht abschaffen."
Tatsächlich funktioniert die freie Lizenz überhaupt nur dank des geltenden Urheberrechts. Die Pflicht zur Angabe des Autorennamens und auch Strafen bei Verstößen gegen die Lizenzbedingungen ließen sich sonst überhaupt nicht durchsetzen.
20 oder 30 Euro, wenn die Musik gefällt

- Musikerin "Zoe.Leela": "Digitale Schuld"
Dass sich mit Inhalten unter einer "Creative Commons"-Lizenz trotzdem Geld verdienen lässt, beweisen Künstler wie die Berliner Musikerin "Zoe.Leela". Die Songs aus ihrem aktuellen Album "Digital Guild" können ganz legal und kostenlos in Tauschbörsen heruntergeladen werden. Gleichzeitig kaufen aber viele das Album als CD und in Internet-Shops. Wem die Musik gefällt, kann dort freiwillig sogar einen höheren Preis bezahlen, erklärt die Musikerin. "Ich finde es total spannend zu sehen, wie viele definitiv mehr dafür bezahlen. Und das sind dann teilweise auch 20 oder 30 Euro."
Und auch ansonsten sei die Veröffentlichung unter der freien "Creative Commons"-Lizenz für sie als Musikerin eine gute Entscheidung gewesen. Weil ihre Lieder beispielsweise in Podcasts kostenlos benutzt werden dürfen, werden neue Hörer auf sie aufmerksam, die später vielleicht das Album kaufen oder zu Konzertbesuchern werden.




