Barbara Schock-Werner: Die Hüterin des Kölner Doms

- Sendung vom 08.08.2012, 20:05 bis 21:00 Uhr
Die Hüterin des Kölner Doms
Die Dombaumeisterin im Tischgespräch mit Maria Ott
Barbara Schock-Werner, die Ende August 2012 in den Ruhestand geht, ist die erste Frau im Amt des Dombaumeisters in Köln. Im WDR 5-Tischgespräch erzählt sie von bewegten Berufsjahren, kleinen und größeren Kämpfen und ihren Plänen für die Zukunft. Eine Chronik zeigt die wichtigsten Stationen aus dem Leben des Doms und seiner Baumeisterin.
1248
In diesem Jahr erfolgt die Grundsteinlegung für den neuen Dom. Ein Neubau wird notwendig, weil sich Köln zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte in Europa entwickelt hat. Denn 1164 brachte Erzbischof Rainald von Dassel die Reliquien der Heiligen Drei Könige in die Stadt.
Dokumentation: Der Dom von Köln [Mediathek, 01.01.2011]
Der lange Weg zur Kathedrale [Quarks&Co, 24.04.2012]
1530
1880
Erst in diesem Jahr werden die charakteristischen beiden Türme fertig und das Bauwerk vollendet. Damals ist der Kölner Dom die größte Kathedrale der Welt.
1945

- Nach dem Zweiten Weltkrieg
Obwohl der Dom bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs von insgesamt 14 Fliegerbomben getroffen wurde, hat er im Vergleich zur umstehenden Bebauung den Krieg relativ gut überstanden.
1947
Barbara Werner wird am 23. Juli 1947 in Ludwigsburg geboren. Sie ist die zweite Tochter der Schneidermeisterin Anneliese Werner und des Feinmechanikermeisters Reinhold Werner.
1963
Nach dem Abschluss der Mädchenmittelschule (entspricht der heutigen Realschule) beginnt Barbara Werner eine Lehre als Bauzeichnerin und macht zwei Praktika bei Zimmermännern und Maurern.
1967
Ihr Gesellenbrief qualifiziert Barbara Werner zu einem FH-Studium: An der "Staatlichen Ingenieurschule für das Bauwesen" in Stuttgart studiert sie Architektur.
1971
An der Universität Stuttgart beginnt sie das Studium der Kunstgeschichte, das sie in Bonn abschließt. Der Titel ihrer Dissertation lautet: "Das Straßburger Münster im 15. Jahrhundert. Stilistische Entwicklung und Hüttenorganisation eines Bürger-Doms".
1978
Die Architektin und Kunsthistorikerin, die nach einer kurzen Ehe Schock-Werner heißt, heiratet 1978 Kurt Löchter. Als Künstlernamen führt sie den alten Doppelnamen weiter, unter ihm sind ihre wissenschaftlichen Publikationen erschienen. Das Ehepaar Löchter hat zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Nach Promotion und Habilitation nimmt die Wissenschaftlerin mehrere Dozenturen an, u. a. an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, an der Fachhochschule für Technik in Stuttgart und an der Universität Erlangen.
1996
Der Kölner Dom wird von der UNESCO als europäisches Meisterwerk gotischer Architektur zum Weltkulturerbe erklärt.
1999

- Barbara Schock-Werner 1998
Als erste Frau wird Barbara Schock-Werner am 1. Januar 1999 Leiterin der Dombauhütte. Offiziell heißt sie nun "Dombaumeisterin von Köln", doch ihr selbst ist die Bezeichnung "Frau Dombaumeister" lieber, denn früher seien als Dombaumeisterinnen die Frauen der Dombaumeister bezeichnet worden.
2004
Die UNESCO setzt den Dom auf die "Rote Liste des gefährdeten Welterbes", als erste Welterbestätte in Deutschland überhaupt. Denn auf der rechten Rheinseite in Köln-Deutz sollen mehrere Hochhäuser gebaut werden. Für die UNESCO bedeutet dies "die Gefährdung der visuellen Integrität des Doms und der einzigartigen Kölner Stadtsilhouette." Nach heftigen Diskussionen werden die Baupläne geändert und der Dom 2006 wieder von der Roten Liste gestrichen. An den UNESCO-Konferenzen im südafrikanischen Durban (2005) und im litauischen Vilnius (2006) beteiligt sich auch Barbara Schock-Werner. Eine Aberkennung des Weltkulturerbes hätte sie als große Blamage empfunden.
2007

- Richter-Fenster: abstrakte Kunst
Das Richter-Fenster wird eingeweiht. Barbara Schock-Werner hatte Maler Gerhard Richter gebeten, einen Entwurf für das neue Fenster im Südquerhaus des Doms vorzulegen. Der renommierte Künstler wurde 2006 beauftragt und arbeitete ohne Honorar, die Materialkosten wurden aus Spenden finanziert. Die abstrakte Gestaltung mit über 11.000 farbigen Glasquadraten wird kontrovers aufgenommen. Während die Kölner es liebevoll "Konfetti-Fenster" taufen, äußert der Kardinal sein Missfallen: Es passe besser in eine Moschee als in den Dom, meint Joachim Meisner. Er hätte lieber figürliche Darstellungen von Märtyrern gehabt.
2009
Die Südseite des Doms wird umgestaltet. Für die besonders bei Touristen beliebte Besteigung des Südturms gibt es nun einen eigenen Zugang.
Lieblingsort von Barbara Schock-Werner [Mediathek, 05.10.2012]
2011

- "Dicker Pitter" mit neuem Klöppel
Die St. Petersglocke im Kölner Dom, die von den Kölnern auch "dicker Pitter" genannt wird, verliert am 6. Januar 2011 kurz vor dem Hochamt am Dreikönigstag ihren 800 Kilogramm schweren Klöppel. Verletzt wird niemand. Ein knappes Jahr später, im Dezember 2011, erhält die größte schwingende Glocke der Welt mit einem Gesamtgewicht von 24.000 Kilogramm einen neuen Klöppel.
2012

- Barbara Schock-Werner 2012
Ende August geht Barbara Schock-Werner nach über zwölf Jahren als Dombaumeisterin in den Ruhestand. Ihr Nachfolger wird Michael Hauck, der zuvor als Dombaumeister am Passauer Dom tätig war.
Wenn bei Sturm die Türme wanken [Leonardo, 24.01.2012]
Die DomCam - Blick auf das Kölner Wahrzeichen [WDR.de]
Südfassade des Kölner Doms bröckelt [WDR.de, 19.03.2012]
Fotoalbum: Ihre Bilder vom Kölner Dom [WDR.de]
Offizielle Website der Dombauhütte
Offizielle Website des Kölner Doms
Stand: 07.08.2012






