Jüdisches Leben in NRW
Thema NRW: Jüdisches Leben in NRW, 03.08.2012 ab 15.05 Uhr
Wo jüdisches Leben erfahrbar wird
Von Marion Menne
Die alte Essener Synagoge bestaunen, die Mikwe in Köln entdecken oder lecker koscher essen gehen - wer sich für jüdisches Leben und die Geschichte des Judentums interessiert, wird in NRW an vielen Orten fündig. Wir haben einige Tipps zusammengestellt.
Die komplette Sendung
Die Mikwe in Köln

- Blick in das rituelle Bad
Ein besonderes Relikt jüdischer Geschichte findet sich in Köln, wo schon in der Römerzeit eine große jüdische Gemeinde existierte. Die jüdische Gemeinde gilt als die älteste nördlich der Alpen. In der Altstadt am Rathausplatz können Besucher die Mikwe begehen, das Ritualbad der Kölner Juden, das um das Jahr 800 gebaut wurde. 15 Meter reicht der Schacht hinunter bis zum Grundwasser. Den Schlüssel zur Mikwe gibt es an der Kasse des Praetoriums, Führungen bietet der Museumsdienst Köln an. In Köln ist auch die Germania Judaica beheimatet, die größte Spezialbibliothek zur Geschichte des deutschsprachigen Judentums (ab der Frühen Neuzeit) in Europa.
Regale voller jüdischer Geschichte [WDR.de]
Germania Judaica in Köln
Museumsdienst der Stadt Köln
Stolpersteine zur Erinnerung an jüdische Hausbewohner

- Plaketten erinnern an ermordete Bewohner
Mittlerweile sind es 35.000 in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas: die Stolpersteine des Frechener Künstlers Gunter Demnig. Seit 1990 lässt Demnig kleine glänzende Messingsteine vor Häusern in den Bürgersteig ein, wo Juden lebten, die in der NS-Zeit vertrieben und getötet wurden. "Hier wohnte…" beginnen die Inschriften. Ein Stein, ein Name, ein Schicksal und eine unübersehbare Erinnerung.
Mit Stolpersteinen durch die Stadt [Mediathek]
Stolpersteine [Scala, 04.11.2008]
Offizielle Seite der Stoplersteine
Baukunstwerk "Alte Synagoge" in Essen

- Alte Synagoge Essen
Der imposante Synagogenbau in Essen ist kein Gotteshaus mehr, sondern ein städtisches "Haus der Kultur", eine Begegnungsstätte mit Ausstellungen zu jüdischen Traditionen und Festen. Der Bau aus dem Jahr 1913 war bei den Pogromen am 9. November 1938 in Brand gesetzt worden und stand nach dem Krieg lange Zeit als mahnende Ruine, bevor die Stadt daraus eine Ausstellungsstätte machte. Auf der Internetseite der "Alten Synagoge" gibt es ein 360-Grad-Panorama des beeindruckenden Baukunstwerks und Informationen zu Führungen, die sich speziell auch an Schulklassen richten.
"Alte Synagoge" - Besucher-Info
Koscher Essen im "Matzen" in Bochum

- Gefilter Fisch mit Rote-Bete-Salat
Serviert wird zum Beispiel "gefilter Fisch", Bagel mit Lachs und natürlich Matzen, das traditionelle ungesäuerte Brot, das dem Restaurant den Namen gab: Das "Matzen" im Gebäude der Synagoge Bochum ist eines der wenigen jüdischen Restaurants in Nordrhein-Westfalen. Gekocht wird koscher, also nach jüdischer Tradition, wonach Fisch und Milch getrennt verarbeitet werden müssen. Wie in den orthodoxen jüdischen Familien gibt es sozusagen zwei Küchen, eine für Milchiges, eine für Fleischiges. Wer nach seinem Fleischgericht einen Milchkaffee bestellt, wird darauf hingewiesen, dass die Kombination nicht koscher wäre – aber der Kaffee-Genuss wird dennoch nicht verwehrt.
Zwischen Klezmer und gefilter Fisch [Mediathek]
Koscher im Kindergarten [WDR.de, 19.04.2008]
Jüdische Gemeinde Bochum: Restaurant
Regionalgeschichte im jüdischen Museum Westfalen

- Jüdischer Willkommensgruß in Dorsten
Zuerst gab es die Forschungsgruppe "Dorsten unterm Hakenkreuz" und die Idee, ein Dokumentationszentrum zu bauen – seit 1992 nun besteht das Jüdische Museum Westfalen in der Stadt Dorsten. Die Initiatoren fühlen sich "mitverantwortlich, die Spuren des jüdischen Lebens in Westfalen aufzufinden und zu bewahren". Neben der Dauerausstellung wurden Wanderausstellungen erarbeitet, die entliehen werden können, etwa zur Geschichte der jüdischen Einwanderer im Ruhrgebiet. Das Museum gibt zwei Mal im Jahr die Zeitung "Schalom" heraus und berichtet darin über jüdisches Leben in der Region, aber auch über die Schoa und Antisemitismus.
Christlich-Jüdische Gesellschaften

- Christen und Juden
Mehr als 80 Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit gibt es in Deutschland - die Düsseldorfer Gesellschaft ist die älteste in NRW. Nach dem Zuzug vieler jüdischer Menschen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion hat es sich der Verein zur Aufgabe gemacht, ihnen beim Einleben zu helfen - mit Sprachkursen und Begegnungen. Organisiert werden zum Beispiel auch Studienreisen nach Israel, Führungen über jüdische Friedhöfe und Lesungen zur jüdischen Geschichte.
Schwerpunkt: Jüdisch-Christlicher Dialog [WDR.de]
Juden und Christen [Planet Wissen, 01.06.2009]
Gesellschaft CJZ Düsseldorf
Koordinierungsrat für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit






