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von Karin Kramer | 16.03.2010 10:46 In Ihrer Sendung wurde der grundsätzliche Zusammenhang der sexuellen Mißbrauchsfällen mit dem Zölibat in frage gestellt. Ich bin fest davon überzeugt, dass wenn ein absolut verpflichtendes Konstrukt, bei dem ein kompletter Bestandteil einer Persönlichkeit ( also die Sexualität )nicht nur ausgeklammert, sondern negiert wird, ein Klima des Schweigens und der Tabuisierung endsteht.Genau das ist das Klima, das sich sexuelle Straftäter zunutze machen um teilweise über Jahre im verborgenen zu agieren. In der Aufrechterhaltung dieses Klimas sehe ich die Schuld der Kirche. Der Papst hat ein Leben lang kein anderes Klima erlebt, es bräuchte einen sehr mutigen Mann, dies zu ändern.
von Ludwig D. | 16.03.2010 10:45 Vielleicht doch noch einmal zur Erinnerung: In der Welt gibt es zur Zeit etwa 400.000 katholische Priester, davon knapp 20.000 in Deutschland; in den 60er Jahren waren es vermutlich noch ein paar mehr. Es dürfte kaum möglich sein, für jeden einzelnen zu jeder Zeit die Hand ins Feuer zu legen. Aber in diesem Forum halten sich anscheinend vorwiegend Personen auf, die nie irgendwelche Übertretungen von Recht und Sitte begangen haben.
Der Verein Dunkelziffer rechnet über die registrierten 15.000 Fälle von sexuellen Übergriffen auf Kinder und Jugendliche in Deutschland hinaus mit der rund zehnfachen Anzahl. Jeder kann wissen, daß dies eben nichts mit dem Verhältnis von Kirche und Staat zu tun hat. Aber war dies nicht eine willkommene Gelegenheit, wieder mal unser altes Süppchen aufzukochen? Wer endlich verstehen will, wie man Massenhysterie erzeugt, findet hier ein sprechendes Beispiel. Als Projektionsfläche für tiefsitzende Ängste bieten sich leider immer dieselben Verdächtigen an.
von Peter Badstübner | 16.03.2010 10:38 Das Schweigen der Priester
Unerträglich – die zuschmierende, beschönigende, verharmlosende, kleinredende Haltung des Herrn Ludwig Ring-Eifel von der kath. Nachrichtenagentur wie auch so mancher Tagesgesprächs-Hörer zum Missbrauchsthema:
Der arme Papst, was soll er denn sagen, oder die arme Kirche, die sich jetzt ob ihrer Verfehlungen im Fegefeuer windet... – sollen wir etwa noch Mitleid mit den Päderasten in der Priestersoutane haben?!? Wohltuend hingegen das Statement des kath. Hörers, der den unverzüglichen Rücktritt dieses Papstes fordert und seinen eigenen Austritt aus der kath. Kirche erwägt!
Was Ratzinger und sein Klerus jetzt zu sagen und zu tun haben, ist, öffentlich anzuerkennen, dass homoerotische Pädophilie ein traditionell-strukturelles Grundproblem ihrer Kirche ist, das sich in der Tat nicht nur aus dem Zölibat erklären läßt, sondern auch und vor allem aus der traditionell zutiefst verlogenen, unmenschlichen Haltung der kath. Kirche zu Eros und Sexualität überhaupt. Und sie sollten sich endlich auch von ihrer verharmlosenden Sicht trennen, die die kath. Missbrauchsfälle nur in der Vergangenheit sieht, als hätten sie nicht auch in den 80ern, 90ern und 2000ern stattgefunden und fänden statt.
Ratzinger und sein Klerus sollten bei dieser Gelegenheit gleich richtig klar Schiff machen und auch zu den anderen Verbrechen der kath. Kirche Stellung beziehen als da sind: Inquisition, Folter, Verfolgung, Unterdrückung und Ermordung von Frauen, weltweite Beteiligung an der Ausrottung indigener Kulturen, Unterdrückung von Humanität und Wissenschaft, Missbrauch des christlichen Credos zu Machtpolitik, Wegsehen beim Holocaust an den Juden sowie auch an Homosexuellen durch das entsprechende Abnick-Konkordat zur Nazizeit und und und... Ein Rücktritt nicht nur des Papstes, sondern des gesamten Klerus der kath. Kirche wäre angesagt – oder andersherum: Möge die kath. Basis, also die Summe der Menschen, die unter dem Dach der kath. Kirche Gutes zu tun versuchen und auch Gutes tun, die Weisheit und die Kraft besitzen, sich von ihrem Klerus zu trennen und ihn zum Teufel zu schicken.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Badstübner
von Toni Rieger | 16.03.2010 10:21 Die Katholische Kirche muss sich nun endlich mal selber fragen, ob sie sich ihren eigenen heren Ansprüchen noch beugen möchte.
Bei der Diskussion auf andere Felder zu zeigen, in denen es zu missbrauchsfällen gekommen ist, zeigt doch eigentlich nur, dass sie sich selber nicht mehr ernst nimmt.
Und wenn hier so getan wird, als ob der Boss eines Betriebes, für die Verfehlungen eines Untergebenen nicht gerade zu stehen hat, die dieser im Namen und Auftrag des Chefs gemacht hat, lässt verdammt tief blicken!
von Christian Esser | 16.03.2010 10:20 Eigentlich gibt es nur wenig dazu zu sagen: Es handelt sich bei den diskutierten Fällen um Straftaten, und nicht die Kirche, sondern die Staatsanwaltschaften sind für Aufklärung zuständig. Die Kirche hat bei der Klärung mitzuarbeiten und/oder Anzeige zu erstatten. Es ist unvorstellbar, dass z.B. ein Sportverein derlei Verdachtsmomente selbst untersucht!!! Es kann daher nur die Forderung gelten, dass sich die Kirche den Ermittlungsbehörden öffnet und bei der Klärung ohne wenn und aber behilflich ist. Sonst haben wir einen Staat im Staate. Noch etwas zum Zölibat: Ich finde diesen völlig überflüssig, glaube aber, dass er nur indirekt eine Verbindung zu Übergriffen darstellt. D.h. der Zölibat könnte Menschen anziehen, die ein zwiespältiges, gestörtes Verhältnis zur Sexualität haben. Ärgerlich bleibt, dass z.Z. noch hinter geschlossenen Kirchentüren (allerdings nicht alleine dort) ein anderes Recht zu gelten scheint, und das ist nicht länger hinnehmbar.