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von Gerd Weghorn | 12.03.2010 10:28 Die hier diskutierte These lautet: die Ablehnung von schwulen Fußballspielern sei ein Resultat von Homophobie, also einer Angst vor der eigenen Lust an gleichgeschlechtlichem Sex.
Die staatliche Ächtung der männlichen Homosexualität in Deutschland basierte auf der strikten Rollenzuschreibung von Mann als Ernährer einer Familie, also Frau und Kindern.
Sie war also ein Erziehungsprogramm, das mit Bestrafung nach § 175 BGB die Familien der Oberschicht - und nur hier ist Homosexualität verbreitet bzw. ein "Problem" - am Aussterben hindern sollte, was dann dazu führte, dass die - eigentlich auch unvermeidliche -Trennung zwischen Liebes- und Sexleben (pro Tag gehen in Deutschland 4 Mio Männer in den Puff) von den homosexuellen Familienvätern praktiziert wird.
Dass Homosexualität ein Oberschichtenphänomen ist, das wissen zumindest die Proleten in der Nordkurve, denn mit den Ab- und Ausgrenzungsmetaphern "schwul" oder "vom anderen Ufer" wird in Wirklichkeit nur der Klassenunterschied betont.
von Martin | 12.03.2010 10:20 Die Anruferin, die auf die heutige Situation in den Schulen hinwies, wo das Schwulsein zu den allerschlimmsten Beleidigungen zählt, hat 100%ig Recht: die Toleranz gegenüber Schwulen nimmt in der Jugend leider nicht zu, sondern nimmt im Gegenteil ab. In einer Zeit, wo man überall nach Sündenböcken und Diskriminierungsopfern sucht, Beispiel: die unsägliche Kampagne gegen Hartz IV Bezieher, sind auch die Schwulen, auch wenn es nicht offiziell gesagt werden darf, potentielle Kandidaten bzw. in den Schulen sind sie es ja schon. Ich frage mich, warum nichts geschieht, um pädagogisch gegenzusteuern. Ach ja: Assauers Äußerung ist völlig unmöglich und diese getarnte Schwulenfeindschaft, die besonders ekelhaft ist in meinen Augen.
von Dagmar Wippermann | 12.03.2010 10:16 Eine Etage höher: spielen Fußballspieler Fußball (und unterhalten damit die Massen) oder werden sie als Sexsymbole missbraucht?
Wenn ersteres, dann dürfte die sexuelle Orientierung keine Rolle spielen.
Wenn letzteres, dann haben die Fans es sich selbst zuzuschreiben.
Sollten sie mit frauenhauenden Altmachos mehrheitlich gemeinsame Sache (im Un-Geiste) machen, dann legt das "Gesinnungswandel" im pädagogischen Sinne nahe. Das als Aufgabe ist sicherlich eine Herkulesarbeit. Aber sie muss einfach geleistet werden, um sich in erster Linie als Mensch und nicht als Sexuali"täter" zu begreifen.
Ein weites Feld, sozusagen.
von Lexau | 12.03.2010 10:05 Wieso meinen eigentlich so einige Heterosexuelle, wie z.B. Herr Asauer, die "armen Schwulen" schützen zu müssen? Natürlich wird es nicht leicht werden, wenn sich endlich mal Spieler outen - aber wenn dies nicht geschieht und dabei vom DFB, von Fanclubs und den Mitspielern unterstützt wird, dann ändert sich nie was in der allgemeinen Akzeptanz von Schwulen und Lesben!
Man kann und muss auch Fußballfans zutrauen, Schwule zu akzeptieren. Und wenn es viele sind, dann wird's tatsächlich leichter. Ich finde, Schwule und Lesben in der Öffentlichkeit haben da auch eine gewisse Verantwortung für die Homosexuellen - auch wenn's schwer fällt.
Übrigens: Schul und Scwuchtel und auch Lesbe gilt bei vielen Jugendlichen immer noch als Schimpfwort - auch da sollte mal nachhaltig gegen gesteuert werden!
von René Baumann-Jacobs | 12.03.2010 10:03 Rudi Assauer ging zu einer Zeit zur Schule, in der nicht über das Thema Homosexualität gesprochen wurde. So wie heute.
Es ist schon bestürzend, dass in Nordrhein-Westfalen das Thema Homosexualität nicht in den Lehrplänen verankert ist. Weder im Biologie-Unterricht, noch in den Sozialwissenschaften.
In den "Richtlinien zur Sexualerziehung NRW" gab es einen wertvollen Absatz zur "Sexuellen Orientierung und Identität". Seit 2005 ist diese Richtlinie ersatzlos gestrichen.