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Premiere in Köln: "Herr Puntila und sein Knecht Matti" von Bertolt Brecht
Wer ein "Herr" ist, muss hart sein - und nur wenn er nicht mehr zurechnungsfähig ist, darf er seinen Untergebenen die weichen, lustvollen Seiten präsentieren. So lautet jedenfalls die Brecht'sche Chef-Philosophie seines Herrn Puntila. Im nüchternen Zustand ist er ein kalter Stratege, aber im betrunkenen Zustand verlobt er sich gleich mit vier Frauen, plaudert mit seinem Chauffeur Matti vertraulich von Kerl zu Kerl und will seiner Tochter den Mann zum Gatten geben, den sie sich wünscht. 1940 schrieb Bertolt Brecht sein "Volksstück" über den kapitalistisch verdorbenen Gutsbesitzer Puntila im finnischen Exil. Am Schauspiel Köln inszeniert jetzt Komödienspezialist Herbert Fritsch diese Posse über einen Menschen, der stets das Gute will und stets das Böse tut.
Fazit: Regisseur Herbert Fritsch treibt dem Brecht das Weltverbessern mit Blödeleien aus, und lässt dessen Schwank Puntila turboschnell mit Brüll- oder Fistelstimmchen und Dialektverfremdungen sprechen. Das ist leider vielfach akustisch unverständlich, so dass vom dialektisch-wortgewitzten Volksstück nur eine schrille Klamotte bleibt.
Autorin: Nicole Strecker
Premiere am: 27.01.2012 Ausverkauft!
Weitere Vorstellungen am 30.01. sowie am 01., 24. und 25. Februar 2012
Aufführungsort: SCHAUSPIEL KÖLN, Offenbachplatz, 50677 Köln
Premiere in Düsseldorf: "Castor et Pollux" von Jean-Philippe Rameau
Zum Abschluss des Barockopernzyklus mit Werken des französischen Komponisten Jean-Philippe Rameau an der Rheinoper Düsseldorf inszeniert und choreographiert Ballettchef Martin Schläpfer das Stück um die Brüder Castor und Pollux, die vom Göttervater Jupiter in einer spektakulären Aktion an den Sternenhimmel befördert werden, auf dass sie auf ewig beieinander seien: bekannt bei uns als das Sternbild "Zwilling". Schläpfer arbeitet im Team mit der Stuttgarter Künstlerin rosalie, die für Kostüme und Bühnenbild verantwortlich zeichnet und Generalmusikdirektor Axel Kober sowie der Neuen Düsseldorfer Hofmusik zusammen. Das Zusammen-und das Wechselspiel der verschiedenen darstellenden Künste, die Verbindung von Instrumentalmusik, Gesang, Handlung und Tanz machen die Faszination der Ballettoper "Castor et Pollux" aus.
Fazit: Eine Inszenierung wie auf dem Broadway des 17. Jahrhunderts. Lang andauernd, aber rundum gelungen: reichlich zu hören und zu sehen. Einziger Wunsch: mehr Tanz, Herr Schläpfer!
Autorin: Ulrike Burgwinkel
Premiere: 28.01.2012
Weitere Vorstellungen: 31.01., 02., 04., 15., 18., 23, und 26.02.2012 jeweils 19:30 Uhr
Aufführungsort: Deutsche Oper am Rhein, Heinrich-Heine-Allee 24, 40213 Düsseldorf
Premiere in Bochum: "Zoff in Chioggia" von Nuran David Calis
Der Theaterautor und -regisseur Nuran David Calis ist dafür bekannt, literarische Stoffe zu überschreiben und selbst zu inszenieren. Im Schauspielhaus Bochum nimmt er sich Carlo Goldonis Komödie "Viel Lärm in Chiozza" vor, das – 1761 geschrieben – von Liebeswirren und Streitereien in einem italienischen Fischerdörfchen handelt. Calis verlegt "sein" Chioggia ins Jetzt: ein Ort, wo das Leben hart wie im "Boxring" ist, wo es keine Sicherheiten, keine planbare Zukunft gibt. "Chioggia" nennt sich aber auch eine Bar, für welche die Figuren arbeiten. Doch sie läuft schlecht. Schließt sie, landen die Figuren auf der Straße. Die Lösung scheint einfach: gemeinsam an einem Strang ziehen. Doch einige wollen raus aus Chioggia und das Glück in der Fremde suchen. Calis inszenierte das Stück mit Schauspielern, Jugendlichen und Street-Art-Tänzern aus dem Ruhrgebiet.
Fazit: Nuran David Calis gelingt eine glaubwürdige Umschreibung der Goldoni-Komödie in die Gegenwart. Mit vielen guten Regieideen zeigt er, dass gerade die oft kritisierten Internetmedien jungen Menschen aus Randgesellschaften Chancen bieten. Allerdings werden die 17 Darsteller mit offenen Bühnenumbauten, Gesangs- und Tanzeinlagen so sehr auf Trab gehalten, dass von der schauspielerischen Substanz leider zu viel verloren geht.
Autor: Thomas Frank
Premiere: 28.01.2012
Weitere Vorstellungen: 02., 10. und 16.02. jeweils um 19.30 Uhr
Aufführungsort: Schauspielhaus Bochum, Königsallee 15, 44789 Bochum
Redaktion:
Frank Höller






