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Premiere in Köln: "Othello" von Feridun Zaimoglu
Er ist zu alt und zu schwarz für eine Frau wie Desdemona – das glauben jedenfalls seine Neider, und leider glaubt Othello das auch selbst. Und so kann sein Gegenspieler Jago ihm Stück für Stück den Stachel des Zweifels ins Herz rammen – und am Ende aus einem Liebenden einen Mörder machen. Vor einigen Jahren hat der türkischstämmige Schriftsteller Feridun Zaimoglu das populärste Eifersuchtsdrama der Theatergeschichte vom Pathos befreit und in einen heutigen "voll krassen" Sprachsound übersetzt. Im Kölner Theater der Keller hat Regisseur Stefan Nagel Zaimoglus Aktualisierung inszeniert – als ganz zeitgemäße Tragödie über Rassismus, Minderwertigkeitskomplexe und Mobbing.
Fazit: Regisseur Stefan Nagel und seine hochmotivierten Schauspieler setzen ganz auf die Gewalt der Sprache. Dabei gewinnen sie der Zoten-Rotzigkeit der Vorlage nicht nur viel Witz, sondern auch ein erstaunliches Emotionsspektrum ab und zeigen: in einer misstrauischen, von Schwulen, Frauen- und Fremdenfeindlichkeit geprägten Gesellschaft hat jede noch so schale Intrige ein leichtes Spiel.
Autorin: Nicole Strecker
Premiere: 16.12.2011
Die nächsten Aufführungen: 23.12., 28.12., 29.12., jeweils 20.00 Uhr
Premiere in Düsseldorf: "Puppen" von Kevin Rittberger
Ein Fleischer, der auch ohne Fleisch hinter der Auslage steht, eine Frau, die ständig vom Schwindel überfallen wird, eine Frisörin, die keine Haare schneiden
kann, ein Chor, der die Arbeit abschafft und Klandestino, der eine Kriminellenkarriere erdichtet. Das sind die Figuren, die in „Puppen“ aufeinandertreffen. Sie sind Teile einer Welt im Zerfall, in der sich alle Gewohnheiten und Sicherheiten auflösen. Doch gerade in der Krise eröffnet sich ein Raum für Utopien. Kevin Rittberger inszeniert das selbst geschriebene Stück als "musiktheatralische Installation". Er selbst inszeniert den Text, der Musiker Hauschka komponiert eine Ouvertüre, der Fotograf und Musiker Stefan Schneider schafft einen musikalisch-visuellen Live-Act.
Fazit: In einer spannenden Mischung aus verschiedenen Genres gelingt Kevin Rittberger ein irritierendes Szenario einer kollabierenden Gesellschaft, mit der die Figuren sich nicht mehr identifizieren können. Doch "Puppen" verharrt nicht im Destruktiven, sondern sucht in der Krise nach Utopien. Über den Gestus des "Happenings" bindet die Aufführung den Zuschauer geschickt mit ein und animiert ihn dazu, überhaupt über bessere Lebenswelten nachzudenken.
Autor: Thomas Frank
Premiere: 15.12.11
Die nächsten Aufführungen: 19.12., 20.12., 22.12., jeweils 19.30 Uhr
Premiere in Bielefeld: "Die schöne Helena" von Jacques Offenbach
Der trojanische Königssohn Paris als Apfel schmatzender Bauer, Helena als abgetakelte Diva, Orest, Agamemnon und Achill als dümmliche Witzblattfiguren? Dieses Personal tummelt sich im Theater Bielefeld als letztes Aufgebot eines sparwütigen Intendanten, um den Betrieb in Gang zu halten. Dazu spielt Jacques Offenbach auf in einer seiner bekanntestes Operetten nach lustvoll durch den Wolf gedrehten Motiven aus Homers Ilias
Fazit: Ein durchgedrehter, aber immer spannender Abend. Die Rechnung geht auf, nicht zuletzt dank guter Solisten und Jacques Offenbachs hinreißend cancanisierender Brio-Musik.
Autor: Michael Struck-Schloen
Premiere: 11.12.11
Die nächsten Aufführungen: 08.01., 15.00 Uhr;
17.01., 20.01., jeweils 20.00 Uhr
Redaktion:
Frank Höller







