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Er wurde wie ein Guru verehrt – und war doch ein armes Würstchen: kümmerte sich nicht um seine Kinder und war mit den Frauen zerstritten. Hermann Hesse terrorisierte seine Mitmenschen mit großen Kunstgebärden und schrieb doch selten mehr als aufgepumpte Bekenntnisliteratur. Mit 15 mag man seine Bücher verschlingen; mit 50 sind sie kaum genießbar – nicht gerade ein Merkmal großer Literatur. Besonders peinlich ist die Schar seiner gealterten Anhänger: Die pilgern zu seinen Wirkungsstätten und Museen in Calw, Gaienhofen und Montagnola, ersterben vor Andacht in seinen Gemächern und lechzen nach Hesse-Reliquien in den Vitrinen. Scala ist ihnen treulich und kopfschüttelnd gefolgt.
Autor/in:
Burkhard Müller-Ullrich
Redaktion:
Walburga Manemann
Der Hesse-Kult im 21. Jahrhundert







