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Auf den ersten Blick scheint der Roman des neuseeländischen Autors Lloyd Jones einen geradlinigen Verlauf zu nehmen. Es geht um das Thema illegale Einwanderung - festgemacht am Beispiel einer Afrikanerin. Eine junge Frau wird vom Gast des Hotels, in dem sie arbeitet, geschwängert. Zunächst verspricht er ihr ein Leben in Deutschland an seiner Seite - am Ende bleibt sie allein in Tunesien zurück. Er hat das Kind mitgenommen. Und Die Frau im blauen Mantel macht sich auf den Weg, das Kind zu finden. Sie ist bereit, jeden Preis zu zahlen. Sie stiehlt. Sie prostituiert sich. Allmählich wandelt sich beim Lesen das Mitleid in Befremden. Darauf setzt der Autor, der die Geschichte seiner Hauptfigur zunächst von den Menschen, die ihr begegnen, berichten lässt. Ein Erzählkonzept, das seine Raffinesse in dem Moment voll entfaltet, als Lloyd Jones der Protagonistin das Wort erteilt. Plötzlich geraten alle Wahrheiten in diesem packenden, irritierenden Roman ins Schlingern.
Autor/in:
Gabi Rüth
Redaktion:
Ruth Dickhoven
"Die Frau im blauen Mantel" von Lloyd Jones
Originaltitel: Hand me down world
Aus dem Englischen von Grete Osterwald,
316 Seiten € 19,95
Rowohlt Verlag






