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Die Vatikanbank ist eine Skandalbank und soll diesen Ruf loswerden. Papst Benedikt XVI hat das zur Chefsache gemacht. Die Vatikanbank, die eigentlich offiziell „Institut für die religiösen Werke“ heißt, machte seit ihrer Gründung 1942 immer wieder negative Schlagzeilen. Schmiergeldaffären, Morde und Geldwäsche standen dabei im Mittelpunkt. Ein trauriger Höhepunkt erschütterte den Vatikan 1982. Damals fand man den Bankier Roberto Calvi erhängt unter einer Londoner Brücke. Unklar blieb bis heute, ob er seinem Leben selbst ein Ende gesetzt hat oder ob die Mafia nachgeholfen hatte. Der damalige Chef der Papstbank, Erzbischof Paul Marcinkus und Calvi sollen gemeinsam Mafiagelder rein gewaschen haben. Marcinkus wurde danach seines Amtes und Titels enthoben und musste fortan – degradiert zum Kaplan – in einer Pfarrei in den USA arbeiten. Unbehelligt - in der Nähe von Chicago.
Die Gemüter erregte auch immer wieder, welche Industriebeteiligungen die Vatikanbank hielt. Zum Beispiel an Rüstungsfirmen oder an einer Pharmafirma, die die Antibabypille herstellte. Obwohl doch der Papst bis heute die Empfängnisverhütung durch die Pille nicht duldet.
Eigentlich ist die Vatikanbank nur so etwas wie die Girozentrale der Römisch-katholischen Kirche im Auftrag des Vatikans. Orden, Stiftungen und andere katholische Einrichtungen unterhalten dort ein Konto. Genaues weiß man nicht, denn bis dato werden keine Bilanzen veröffentlicht. Seit September 2010 ermittelt die Staatsanwaltschaft in Rom erneut gegen die Vatikanbank wegen Geldwäsche. 23 Millionen Euro, die nach Deutschland überwiesen werden sollten. Und von denen man nicht weiß, wem sie gehören. Die wurden erst einmal beschlagnahmt.
Nun wird der Papst aktiv. Veröffentlicht wird eine päpstliche Verlautbarung zur Gründung einer Zentralbank, die gleichzeitig Finanzaufsichtsbehörde sein soll. Benedikt verordnet der Bank mehr Transparenz. Ab sofort sollen die Auflagen der Europäischen Union im Kampf gegen Geldwäsche und die der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD strikt eingehalten werden. Ziel ist es, dass die Finanzen des Vatikans künftig so geführt werden, wie es anderen Banken in Europa auch auferlegt wird. Durchgesetzt hat diese Änderungen der Chefbankier des Vatikans, Ettore Gotti Tedeschi. Ihn hat der Papst 2009 mit dieser Aufgabe betraut. Bis dahin leitete er das Italiengeschäft der spanischen Santanderbank. Außerdem lehrt er an der Katholischen Universität Mailand Finanzethik. Sein Ruf ist tadellos. Er hat damit einen Gezeitenwechsel bei der Führung der Vatikanfinanzen eingeläutet.
Autor/in:
Marita Knipper






