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Jeder, der einen Job sucht, kann auch einen finden – und zwar einen bezahlten, Vollzeit oder einen als Selbständiger. Das ist die einfachste Definition der Vollbeschäftigung. Aber sie ist auch unrealistisch. Denn eine Arbeitslosenquote von Null Prozent ist in der Praxis nicht erreichbar. Selbst wenn die Unternehmer händeringend nach neuen Arbeitskräften suchen, gibt es immer Menschen, die umziehen oder die Stelle wechseln und die in dieser Zeit arbeitslos gemeldet sind. Ökonomen nennen das friktionelle Arbeitslosigkeit. Sie ist typisch für einen Arbeitsmarkt, auf dem – wie in Deutschland – ständig Bewegung herrscht.
Hinzu kommt der Strukturwandel. Die Anforderungen der Unternehmen an ihre Beschäftigten ändern sich. Die Arbeitnehmer sind gezwungen, sich anzupassen. Sie müssen sich umschulen lassen, weiterbilden oder sich gleich einen neuen Job suchen – und sind für eine Übergangszeit ebenfalls arbeitslos. Vollbeschäftigung lässt also Raum für eine gewisse Sockelarbeitslosigkeit. Wie hoch die sein darf, daran scheiden sich die Geister.
Zu Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders in den 50ern war eine Arbeitslosenquote von einem Prozent akzeptabel. Ein Jahrzehnt später war sie schon doppelt so hoch. Und nach den diversen Rezessionen und Wirtschaftskrisen der vergangen Jahrzehnte und der damit verbundenen Massenarbeitslosigkeit steig der Wert auf vier, fünf, sogar sechs Prozent an. Nicht zuletzt, weil seit 1967 die Vollbeschäftigung gesetzlich als Ziel der Wirtschaftspolitik festgelegt ist.
Zwar kann die Bundesregierung nur sehr wenig tun, um den Arbeitsmarkt tatsächlich zu beeinflussen – egal, wer gerade an der Macht ist. Aber im politischen Geschäft macht sich eine hohe Arbeitslosenquote nun mal nicht besonders gut. Kein Wunder, dass sich Wirtschafts- und Arbeitsminister beeilen, gute Arbeitsmarktzahlen als Erfolge für sich zu reklamieren - wie gestern Ursula von der Leyen.
Allerdings: Derzeit sehen sowohl Wirtschaftswissenschaftler als auch der Chef der Bundesagentur für Arbeit Vollbeschäftigung erst dann erreicht, wenn die Arbeitslosenquote auf drei, maximal vier Prozent sinkt. Und davon ist die Bundesrepublik mit den aktuellen sieben Prozent noch ein ganzes Stück entfernt.
Autor/in:
Linda Staude






