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So mancher Verbraucher will es einfach nicht glauben, was die Statistiker da ausrechnen: Dass Heizöl und Benzin billiger geworden sind, das mag ja noch angehen. Aber der Rest? Der Unterschied zwischen der offiziellen Inflationsrate und der, die jeder im eigenen Portemonnaie spürt – der sogenannten gefühlten Inflation hat zum einen mit Psychologie zu tun und zum anderen mit der Methode, über die die Statistiker an ihre Daten kommen.
Zugrunde liegt nämlich ein standardisierter Warenkorb. Jeden Monat sind für das Statistische Bundesamt 600 Leute unterwegs, die in immer denselben Geschäften in knapp 200 Gemeinden Preise ermitteln. Preise von Waren, die von vielen Verbrauchern häufig gekauft werden. Lebensmittel wie Milch, Eier, Obst und Gemüse gehören genauso dazu wie Kleider und Schuhe, Fernseher, Waschmaschinen, Computer oder Autos. Hinzu kommen Mieten und Nebenkosten, und auch Dienstleistungen wie etwa der Besuch beim Friseur werden erfasst. Insgesamt kommen so rund 300.000 Einzelpreise zusammen. Die gehen allerdings nicht alle gleichmäßig in die Inflationsrate ein. Schließlich muss der deutsche Durchschnittshaushalt jeden Tag Essen kaufen, während teure Anschaffungen wie Möbel oder Stereoanlagen nur alle paar Jahre mal auf dem Wunschzettel stehen.
D.h. die Einzelpreise werden gewichtet: Je mehr die Verbraucher für eine bestimmte Warengruppe ausgeben, desto bedeutender ist sie und desto größer ihr Anteil an der Inflationsrate. Ganz oben auf der Liste stehen deshalb also die Kosten für Wohnen und Heizen, für die die Bundesbürger jeden dritten Euro ausgeben müssen. Auch Transportkosten sind ein dicker Posten mit über 13 Prozent der Ausgaben, während Lebensmittel nur mit vergleichsweise mageren 10 Prozent zu Buche schlagen. Zwar wird der Warenkorb ständig angepasst: Wird ein Artikel nicht mehr so häufig nachgefragt, fliegt er raus und wird durch einen beliebteren ersetzt. Aber trotzdem ist er nur ein Durchschnittswert. Jeder einzelne stellt seinen eigenen Einkaufszettel nach einem persönlichen Warenkorb zusammen, der mit dem vom statistischen Normalverbraucher unter Umständen nicht sehr viel gemeinsam hat.
Was merkt etwa ein Vegetarier davon, dass die Fleischpreise sinken? Besonders deutlich war dieser Unterschied zwischen gemessener und gefühlter Inflation nach der Einführung des Euro, als jeder über den Teuro lamentierte, während die offizielle Statistik nur moderate Preiserhöhungen registrierte. Derzeit geht der Trend in die andere Richtung – die Preise sinken, für eine Weile und im statistischen Durchschnitt.
Autor/in:
Linda Staude
Stichwort Wirtschaft: Verbraucherpreisindex (ein Beitrag von Linda Staude)







