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Sie heißen Moody’s, Standard & Poors und Fitch: Die großen Ratingagenturen sollen eigentlich eine Art Finanz-TüV sein. Sie bewerten die Qualität von Wertpapieren und tun damit das, was auch jede Bank um die Ecke mit ihren Schuldnern macht: Genau hinschauen, ob der Schuldner wirtschaftlich stark ist und seine Schulden auch bestimmt zurückzahlen kann oder ob es Risiken gibt. Vom Ergebnis dieser Prüfung hängt ab, ob der Kredit bewilligt wird und wenn ja, zu welchem Zinssatz.
So macht es die Bank um die Ecke mit ihren Kunden, den Hausbauern und Geschäftsleuten, und so machen es die Ratingagenturen mit ihren Kunden, den Investmentbanken. Die sind es, die neue Wertpapiere schaffen, zum Beispiel Staatsanleihen. Bewertet werden Staatsanleihen und andere Wertpapieren nach einer aufwändigen Einteilung von A bis D mit insgesamt 20 Einzelnoten. Die beste ist dreimal A, diese Note haben deutsche Staatsanleihen, weshalb die Bundesrepublik einen Kredit mit 10 Jahren Laufzeit für nur 3 % Zinsen bekommt. Alles unter A ist schlecht, die neue Bewertung von Griechenland lautet: BB+. Heißt im Fachjargon: „Spekulative Anlage. Bei Verschlechterung der Lage ist mit Ausfällen zu rechnen“ - oder im Klartext: Ramsch. Die Folge für Griechenland: Keine privater Investor wird dem Land bei dieser Bewertung noch Kredit geben.
Mit ihren Bewertungen entscheiden die Ratingagenturen über das Schicksal von Unternehmen und ganzen Staaten. Vielen europäische Regierungen wollen diese Dominanz brechen und fordern den Aufbau einer eigenen Ratingagentur, angesiedelt bei der Europäischen Zentralbank. Ob das so kommt, ist noch nicht klar.
Derweil stehen die drei großen amerikanischen Agenturen auch aus anderen Gründen unter Druck. Der Hauptvorwurf: Sie hätten sich bewusst den Wünschen der Investmentbanken gebeugt und deren Wertpapiere - die Rede ist von den berüchtigten Subprime-Papieren, die zum Ausbruch der Finanzkrise führten - fahrlässig mit der Bestnote AAA bewertet.
Grund für dieses Handeln: Die Ratingagenturen wurden von den Unternehmen bezahlt, deren Wertpapiere sie bewerteten - ein riesiger Interessenkonflikt. Ein amerikanischer Staatsanwalt hat die Agenturen aus diesem Grund im März 2010 verklagt. Mögliches Urteil: Schadensersatzahlungen und Bußgelder von mehreren hundert Millionen Dollar. Die Diskussion um die Macht der Ratingagenturen ist übrigens alles andere als neu: Schon Mitte der 1990er Jahre schrieb ein Kolumnist der New York Times: „Es gibt zwei Weltmächte: Die USA und die Rating-Agentur Moody’s. Und glauben Sie mir, es ist nicht immer klar, wer mehr Macht besitzt.“
Stichwort Wirtschaft: Rating-Agenturen - der Beitrag zum Nachhören






