s
Auch wenn sie längst nicht mehr so wichtig sind wie früher: Immer noch bilden die Ticket-Einnahmen ein Gutteil des finanziellen Rückgrats der Bundesliga-Vereine – nur anders als früher. Mit Champagner-Lounges und VIP-Tribünen versuchen die Clubs den Rahm abzuschöpfen, indem sie dem zahlungskräftigeren Teil der Fans höhere Preise abverlangen. Dagegen regt sich Widerstand aus den Fankurven. Die Vereinsmanager wehren sich: Die Edel-Fans seien diejenigen, die die billigen Stehplätze quersubventionieren. Ein Besuch an der Fußballbasis.
Currywurst statt Kaviar. An der Wurstbude von BVB-Legende Norbert Dickel in der Dortmunder City leben die Fans den echten traditionellen Fußball. Bei Currywurst und Pommes rot-weiß diskutieren die Fans über ihren Verein. Manchmal auch über die reichen Fans, die sich im Westfalenstadion teure VIP-Logen gemietet haben: "Die gucken doch kein Fußball. Essen, trinken und dann tschüß", so eine Einzelmineung an dem kleinen Stehtisch vor der Würstchenbude. Richtige Fans seien das nicht, lautet die Meinung. "Ich kann es mir leider nicht leisten, sonst würde ich da auch zwischendurch mal sitzen", sagt ein anderer. Und der nächste ergänzt: "Ich glaube, dass man allen Fans etwas anbieten sollte."
Verhältnis zwischen den Fans hat sich entspannt
Jeder wie er will. Das Verhältnis zwischen denen auf der Stehtribüne und denen in den VIP-Logen hat sich entspannt. Nicht ganz unschuldig daran: Ein Bayer. Uli Hoeneß. An seine Rede auf einer Jahreshauptversammlung des FC Bayern München erinnert sich hier jeder. Damals war Hoeneß von den Fans auf den Stehplätzen scharf kritisiert worden und reagierte mit einem Wutausbruch: "Was glaubt ihr eigentlich, wer euch alle finanziert? Die Leute in den Logen, denen wir die Gelder aus der Tasche ziehen." Der Marketingchef von Borussia Dortmund, Carsten Cramer, stimmt Hoeneß zu. Auch wenn er das feiner formuliert als der polternde Bayern-Präsident: "Wir in Dortmund haben 28.000 Stehplätze, Sie haben nach wie vor die Möglichkeit, für 14 Euro auf die Südtribüne zu kommen. Dazu brauchen Sie aber andere Bereiche, die sie zu anderen Preisen verkaufen können", erläutert er.
Ein Tisch im VIP-Bereich kostet mehrere 10.000 Euro pro Saison
Das sei im Wesentlichen der Hospitality-Bereich – eben die VIPs, denen in Logen und auf der so genannten Stammtischebene das Geld aus der Tasche gezogen wird. Ein Tisch im VIP-Bereich kostete mehrere 10.000 Euro pro Saison. Nicht nur für Borussia Dortmund eine wichtige Einnahmequelle. "Es gibt eine Statistik der Bundesliga, dass die Hospitality-Erlöse 52 Prozent der gesamten Ticketing-Einnahmen ausmachen", führt BVB-Marketingchef Cramer an. Jährlich nimmt Borussia Dortmund 27 Millionen Euro aus Eintrittsgeldern ein. Ein Großteil davon kommt von den Edel-Fans.
Doch die Geldquelle droht zu versiegen. Die Deutsche Telekom hat beispielsweise ihre VIP-Loge im Münchener Stadion gekündigt. Der Grund: Angst vor Bestechungsvorwürfen, sagt Stephan Althoff, der bei der Telekom zuständig fürs Sponsoring zuständig ist. "Auf der einen Seite ist es uns sehr schwer gefallen, Gäste zu finden, die bereit waren, sich in die Loge einladen zu lassen – und auf der anderen Seite hier im Unternehmen Manager zu finden, die bereit waren, das Risiko der Einladung auszusprechen", so Althoff. Tatsächlich stehen in Frankfurt und Hamburg deshalb schon Logen leer. Das könnten bald die normalen Fans zu spüren bekommen, fürchtet Althoff. "Im Umkehrschluss würde das heißen, wenn dieses Konzept nicht mehr funktioniert, müsste man die Preise auch für die normalen Tickets anheben."
Bei Borussia Dortmund machen sich die Verantwortlichen darüber noch keine Sorgen. Auch wegen der beiden Meisterschaften ist die Nachfrage nach VIP-Plätzen größer als das Angebot.
Autor/in:
Michael Westerhoff







