s
Die gute Wirtschaftslage wirkt sich nur in wenigen Branchen schon positiv auf die Höhe des Weihnachtsgelds aus. Ein wirklich dickes Plus beim Weihnachtsgeld bekommen zum Beispiel die Beschäftigten in der Stahlindustrie – nämlich 5,7 Prozent mehr als 2009. Das sind in der mittleren Vergütungsgruppe knapp 130 Euro Weihnachtsgeld mehr in der Lohntüte als im vergangenen Jahr. Denn der Tarifabschluss für die Stahlindustrie ist erst nach der Krise festgezurrt worden. Deshalb war da schon ein ziemlich kräftiger Schluck aus der Lohnpulle drin. Und weil das Weihnachtsgeld – wie in den meisten anderen Branchen – auch in der Stahlindustrie ein bestimmter Prozentsatz des normalen Lohns ist, den es noch mal obendrauf gibt, macht sich die schöne Lohnerhöhung natürlich auch noch mal positiv beim Weihnachtsgeld bemerkbar. Nicht ganz so positiv sieht es für Beschäftigte im Einzelhandel aus. Sie werden zwar im Weihnachtsgeschäft wahrscheinlich Rekordumsätze einfahren - kriegen aber nur 1,5 Prozent oder ganze 20 Euro mehr Weihnachtsgeld als im vergangenen Jahr. Das liegt daran, dass ihr Tarifvertrag schon im Sommer 2009 ausgehandelt worden ist – und da stand noch alles im Zeichen der Krise, deshalb war mehr wohl einfach nicht drin. Die Polizisten, die im Moment im Dauereinsatz sind, um die Bürger auf Flughäfen, Bahnhöfen und Weihnachtsmärkten vor Terrorangriffen zu schützen, bekommen ganze 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei einem verheirateten Beamten mit einem Kind ist das ein Miniplus von 12 Euro. Und keinen Cent mehr Weihnachtsgeld als 2009 bekommen die Beschäftigten in ganzen sieben von 23 Branchen. Das hat die Hans-Böckler-Stiftung, das Forschungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes, ermittelt. Zu den Branchen die leer ausgehen gehört das Bankgewerbe – was in Anbetracht der Bankenkrise nicht sonderlich überrascht – aber zum Beispiel auch die chemische und die Metallindustrie. Es kommt jedoch auch darauf an, wie hoch der Prozentsatz vom Lohn oder Gehalt ist, den es als Weihnachtsgeld gibt. Der ist ausgerechnet im Bankensektor besonders hoch. Die Beschäftigten bekommen hier nämlich einen vollen Monatslohn als Jahressonderzahlung. Bei den Polizisten auf dem Weihnachtsmarkt beträgt das Weihnachtsgeld dagegen nur 30 Prozent des Monatssalärs. Und in manchen Branchen gibt es höchstens eine Schachtel Pralinen. Gebäudereiniger kriegen zum Beispiel keinen Cent Weihnachtsgeld, das ist so im Tarifvertrag geregelt. Und trifft damit ausgerechnet diejenigen, die sowieso nicht grade üppig verdienen.
Autor/in:
Anne Schneider






