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Ziffern und Schriftzug "Profit" (Rechte: WDR / picture alliance)
Sendung vom 22.03.2011, 18:05 bis 18:30 Uhr
Bild: 3 rote Würfel; Rechte: dpa

 Könnte so oder so ausgehen

Stichwort Wirtschaft

Wie funktionieren Zinswetten?

Moderation: Anne Schneider

Es sind die Jahre 2004 und 2005. Aus den Investmentabteilungen der großen Banken kommen neue Produkte: Spread Ladder Swaps. Frei übersetzt: Zinstausch mit Spreizung und Leiter. Alles klar?

Das dachten zumindest die Kämmerer vieler klammer Städte, die die harmlose Variante eines Swaps - man tauscht kurzfristige gegen langfristige Kreditzinsen – schon aus den 1990er Jahren kannten. Der Vorteil dabei für die Städte: Sie sparten Zinsen. Eine gute Sache bei dem Schuldenberg vieler Kommunen.

Doch das neue Produkt war etwas komplett anderes: Es basiert nicht auf einem Kredit, den die Bank an eine Kommune oder ein Unternehmen gibt. Statt dessen ist der Spread Ladder Swap ein reine Wette - eine komplizierte Wette mit extrem hohen Risiko für die Stadt und einem kleinen und überschaubaren Risiko für die Bank.

Das funktionierte beim Spread Ladder Swap so: Es gibt zwar keinen Kredit, trotzdem vereinbaren die Stadt und die Bank den Austausch von Zinszahlungen Die Bank zahlt während der in der Regel fünfjährigen Laufzeit einen festen Zins an die Stadt. Im Gegenzug zahlt die Stadt einen variablen Zins an die Bank. Die Höhe dieses Zinses ist abhängig davon, ob die Stadt bei einer zugrundeliegenden Wette richtig liegt oder falsch.

Bei dieser Wette geht es um die künftige Entwicklung von kurz- und langfristigen Zinsen. Kurzfristig, das heißt in diesem Fall 2 Jahre, langfristig: 10 Jahre. Normalerweise sind langfristige Zinsen immer deutlich höher als kurzfristige. Im Jahr 2005 wetten viele Städte darauf, das dies auch weiterhin so bleibt. Doch im Rahmen der Finanzkrise kommt es zu einer inversen Zinstruktur. Im Klartext: Die kurzfristigen und die langfristigen Zinsen sind in etwa gleich hoch. Nun greifen die für die Städte ungünstigen
Vertragsbedingungen: Jedes halbe Jahr erhöht sich der Zinssatz und damit die Zahlung von Stadt an Bank deutlich, teils dramatisch – das ist der Ladder, zu deutsch die Leiter. Die Zinszahlungen addieren sich, klettern die Leiter immer weiter hoch. Und raus aus den Verträge kommen die Städte nicht, denn nur die Bank hat in der Regel ein einseitiges Kündigungsrecht.

Viele Kommunen ziehen daraufhin vor Gericht. Der Vorwurf: Falschberatung. Es ist Eile geboten, weil bei den meisten Geschäften Ende 2008 die Klagefrist endet. Darum beginnen im Jahr 2008 viele Prozesse. Auf der einen Seite stehen Kommunen - und auch viele mittelständische Unternehmen, denn auch an die wurden Spread Ladder Swaps verkauft. Auf der anderen Seite stehen große Banken. Von denen sind viele bei diesem Spiel dabei, die Nummer eins jedoch ist auch hier die Deutsche Bank.

Autor/in:

Ulrich Ueckerseifer

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