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Alle Deutschen, die älter als 60 Jahre sind, haben zusammen ein Nettovermögen von zwei Billionen Euro – das ist eine Zahl mit 12 Nullen. Ein Riesenvermögen, für das sich die Wirtschaft eigentlich interessieren müsste. Tut sie aber nicht. Das hat Michael Cirkel vom Institut Arbeit und Technik in Gelsenkirchen festgestellt.
O-Ton: Man könnte formulieren: Im Prinzip dürfen Senioren bei uns kaufen, aber es sollte am besten niemand merken.
Dabei sind es vor allem die Alten, die das Geld zum Ausgeben haben. Nach Erkenntnissen des nordrhein-westfälischen Familienministeriums stehen 80% der über 55jährigen finanziell gut bis sehr gut da, und damit erheblich besser als junge Familien. Positiv für die Wirtschaft wirkt sich auch aus, dass die Alten von heute anders denken als die Alten von gestern – sie wollen ihr Geld nicht für Kinder und Enkel sparen, sie wollen sich auch mal was gönnen, gut essen, schicke Kleider kaufen, Kosmetika, und vor allem, unterwegs sein. Gekauft werden spezielle Seniorenprodukte allerdings am liebsten, wenn sie nicht als seniorentauglich gekennzeichnet sind. Zum Beispiel Autos.
O-Ton: Wenn Sie sich ein Auto angucken, das unter dem Label Minivan oder Familienauto verkauft wird, hoher Einstieg, weit öffnende Türen, gut verstellbares Lenkrad, hoher Sitzabstand, hohe Zuführung, lauter Kleinigkeiten, die hilfreich sind für Familien, für die auch, aber auch für ältere Menschen, die sich nicht mehr gut drehen können, nicht mehr so gelenkig sind, nicht mehr flexibel sind.
Auch wenn es nicht eigens beworben wird - bei Nahrungsmitteln, Textilien und Reisen sind die Alten längst Marktführer – die Hälfte des Umsatzes tätigen hier die über 50jährigen, obwohl sie nur ein Drittel der Gesamtbevölkerung stellen. Allerdings sorgt der demografische Wandel dafür, dass immer mehr Verbraucher ins Seniorenalter kommen. Deshalb ist unter Marketingstrategen längst die Rede vom „Konsummotor Alter“, von der „Generation Silber“, von den „Happyenders“ und den „Bestagers“. Der demografische Wandel wird auch für ein anderes Konsumverhalten sorgen – wenn es so bleibt, wie es jetzt ist. Danach geben über 75-Jährige doppelt so viel für Gesundheitspflege aus wie 20- bis 49-Jährige, aber nur halb so viel für Verkehrsmittel. Aber es werden sich alle Branchen auf die Alten einstellen müssen, nicht nur die Autoindustrie und die Hersteller von Kosmetika.
Stichwort Wirtschaft, Autorin: Ulla Foemer





