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Ziffern und Schriftzug "Profit" (Rechte: WDR / picture alliance)
Sendung vom 20.05.2010, 18:05 bis 18:30 Uhr
Bild: Tochter hält liebevoll das Gesicht der Mutter (und umgekehrt); Rechte: dpa

 Liebevolle Hilfe

Stichwort Wirtschaft

Familienpflegezeit – Die neuen Pläne der Ministerin

Moderation: Oliver Thoma

2,2 Mio Menschen sind pflegebedürftig, in zehn Jahren werden es schon 3 Mio Menschen sein. Denn mit der Alterung der Bevölkerung nimmt auch das Risiko von schweren Erkrankungen und Behinderungen zu. Deshalb will Bundesfamilienministerin Kristina Schröder einen Rechtsanspruch auf eine zweijährige Pflegezeit schaffen. Während dieser Zeit arbeitet der pflegende Angehörige nur zur Hälfte, er bekommt aber 75 % seines Gehalts. Danach muss er wieder voll arbeiten, bekommt aber nur 75 % des Gehalts, bis das Verhältnis wieder ausgeglichen ist. Bei diesem Vorhaben handelt es sich um eine Fortentwicklung des Pflegezeitgesetzes von 2008. Das räumt jedem Beschäftigten zehn Tage unbezahlter Auszeit für die Pflege ein. Dieses Gesetz wird allerdings so gut wie gar nicht genutzt – das hat Prof. Gerhard Bäcker von der Universität Duisburg-Essen in einer aktuellen Studie herausgefunden.  

O-Ton Bäcker
Der erste und für uns sehr überraschende Eindruck ist, dass die weit überwiegende Zahl der von uns befragten Betriebe berichten, dass sie entweder dieses Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege nicht oder nur ganz gering haben. Und dass die gesetzlichen Regelungen wenig bekannt sind und noch weniger in Anspruch genommen werden.    

Auszeiten zur Pflege sind selbst in Großbetrieben bisher nur Einzelfälle. Was vermutlich vor allem an den pflegenden Angehörigen selbst liegt.  

O-Ton Bäcker
Es sind weit überwiegend Frauen mittleren und höheren Alters und weit überwiegend Frauen, die entweder teilzeitbeschäftigt sind oder im Rahmen der geringfügigen Beschäftigung im Rahmen von 400 Euro Jobs beschäftigt sind.  

Es werden also nur wenige pflegende Angehörige überhaupt von dieser neuen Möglichkeit profitieren. Trotzdem sind die Vertreter der deutschen Wirtschaft unisono dagegen. Eines der wichtigsten Argumente nennt Alexander Böhne von der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände.  

O-Ton Böhne
Im Grunde genommen haben wir natürlich auch eine sehr gute Teilzeitregelung, die es vielleicht für Arbeitnehmer auch gar nicht notwendig macht, auf dieses Gesetz zurückzugreifen.  

Für Staat und Gesellschaft wäre es aber eine denkbar kostengünstige Lösung. Die Pflegekasse zahlt für die Pflegestufe 1 bei ambulanter Pflege 225 € pro Monat, bei stationärer Pflege sind über 1 000 € fällig. Da die weitaus meisten Pflegebedürftigen zur Zeit noch von ihren Angehörigen betreut werden, setzen die Politiker alles daran, dass das auch in Zukunft so bleibt.  

Autor/in:

Ulla Foemer

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