s
Wenn der Normalbürger Geld braucht, gehen er zu seiner Hausbank. Wenn nichts mehr auf dem Konto ist, gibt’s dort auch Kredit – für größere Anschaffungen oder zur Überbrückung eines finanziellen Engpasses.
Eine ähnliche Funktion erfüllt die staatliche Zentralbank, nicht für die normalen Privatkunden, aber für die Banken. Wenn die Geld brauchen, können sie es von der Zentralbank bekommen. Als Kredit. Im Gegenzug müssen sie dafür Zinsen zahlen. Wie hoch der Zins für die Geschäftsbanken ist, das wird in regelmäßigen Abständen von den Chefs der Zentralbank amtlich festgelegt. Diese Entscheidungen sind bedeutsam: Denn je nach dem, ob der Zinssatz sinkt oder steigt, werden Kredite billiger oder teurer. Im ersten Schritt für die Geschäftsbanken, aber im zweiten Schritt auch für die normalen Kunden, also die Konsumenten und die Unternehmer. Denn der Zinssatz der Zentralbank gibt in etwa vor, zu welchem Zins die Geschäftsbanken wiederum ihr Geld weiter verleihen können.
Mit dem Zins versuchen die staatlichen Zentralbanken das Wirtschaftsgeschehen zu steuern: Wenn die Geschäfte schlecht laufen, in einer Rezession, senken sie die Zinsen, damit es für die Konsumenten leichter wird auf Pump zu kaufen und Unternehmer mehr Kredite aufnehmen können, um ihr Geschäft auszuweiten.
Umgekehrt in der Boomphase: Wenn die Wirtschaft auf Hochtouren läuft, versucht die Zentralbank Kredite teurer zu machen und Geld aus dem System zu nehmen. Damit will sie einer Überhitzung der Konjunktur entgegen wirken, weil die meistens mit hohen Preissteigerungen einher geht. Die Länder, in denen mit dem Euro gezahlt wird, haben sich zum Beispiel verabredet, dass die Preissteigerung nie mehr als 2 Prozent pro Jahr ausmachen sollte. Darauf muss die Europäische Zentralbank also bei ihrer Zinspolitik achten.
Autor/in:
Wolfgang Otto
Beitrag Leitzinsen






