s
Stichwort Wirtschaft
Genossenschaften - Gemeinsam wirtschaften macht stark
Moderation: Frank Wörner
Friedrich Wilhelm Raiffeisen war einer der ersten, der eine Genossenschaft im modernen Sinne gründete – 1862 entstand auf seine Initiative der „Heddesdorfer Darlehnskassenverein“, quasi der Urvater der heutigen Raiffeisenbanken.
Schon im Mittelalter hatte es Vorläufer gegeben, Beerdigungsgenossenschaften zum Beispiel, oder Vereine, die die Hinterbliebenen von Bergleuten versorgten - aus denen entstanden dann die Knappschaften. Mitte bis Ende des 19. Jahrhundertes erlebten die Genossenschaften aber einen wahren Boom.
Gewerbefreiheit und Bauernbefreiung im Zuge der industriellen Revolution erzeugten große Not. Handwerker erkannten, dass sie sich besser standen, wenn sie ihre Rohstoffe gemeinsam einkauften, Bauern taten sich zusammen, um Agrarprodukte gemeinsam zu vermarkten, Arbeiterverbände riefen Konsumgenossenschaften ins Leben. Gemeinsam erreichen, was allein nicht zu schaffen ist – diese Devise gilt bis heute. Allen Genossenschaften gemeinsam war und ist: die Mitglieder sind zugleich Eigentümer und Nutznießer.
Nach dem 2. Weltkrieg überlebte der Genossenschaftsgedanke in Westdeutschland allerdings praktisch nur noch im Bankensektor, im Agrarbereich und im Wohnungsbau. Damit verblassten auch weitgehend die sozialpolitischen Ziele, die ihre Gründerväter im Sinn gehabt hatten – wie Solidarität, Mitbestimmung und Mitverantwortung.
Erst in den 80er Jahren erinnerte sich die so genannte Alternativwirtschaft an diese politisch inspirierte Rechtsform. Seitdem erfreuen sich Genossenschaften wieder wachsender Beliebtheit. Allein in den letzten drei Jahren sind mehr als 500 Neugründungen erfolgt. Zum Beispiel, wenn niedergelassene Ärzte zusammenarbeiten, Waldbesitzer das Holz gemeinsam verkaufen, Bioläden sich zu Einkaufsgemeinschaften zusammenschließen.
Zur Zeit gibt es rund 7.500 genossenschaftliche Unternehmen mit über 20 Millionen Mitgliedern. Das Beispiel soll Schule machen, auch im Sinne der Vereinten Nationen – in den Entwicklungsländern werden zum Beispiel Spar- und Kreditgenossenschaften gefördert, die benachteiligten Personengruppen den Zugang zu sicheren Finanzdienstleistungen ermöglichen sollen.
Autor/in:
Ulla Foemer







