s
Stichwort Wirtschaft
Zertifikate - Große Zockerpapiere für den kleinen Mann
Moderation: Oliver Thoma
Kerstin Altendorf, Pressesprecherin beim Bankenverband, sagt, wer Zertifikate kauft, muss Zertifikate auch verstehen:
O-Ton Kerstin Altendorf - Bankenverband
Wichtig ist, dass man sich als Anleger immer wieder klar macht, das Zertifikat ist in gewisser Form eine Anleihe, und diese Anleihe hat ein so genanntes Emittentenrisiko. Das heißt, derjenige welche, der das Zertifikat herausgibt, ist der Emittent, und wenn der Pleite geht, ist das Zertifikat leider wertlos.
Genau das ist vielen Kleinanlegern bei der Pleite der Lehmanbank 2008 passiert. Manche hatten Glück im Unglück, wie die 77jährige Rentnerin Anneliese Ruppel. Sie hatte 10 000 Euro investiert. Und erstritt sich dann auf dem Kulanzweg, dass ihr die Sparkasse 5000 Euro zurückzahlte. Sie nahm für sich in Anspruch, falsch beraten worden zu sein.
O- Ton Ruppel
Ich war auch auf der Sparkasse und hab mich zurückstufen lassen.
Nun steht in den Unterlagen der Rentnerin, dass man ihr solche Anlagen erst gar nicht mehr anbieten wird.
O-Ton Ruppel
die haben so einen Fragebogen….ich hab mich in die dümmste Kategorie einstufen lassen, dass die mich nie mehr ansprechen, aus Selbstschutz.
Doch wer glaubt, die Finanzkrise 2008 und der Zusammenbruch der Lehmanbank habe die meisten Kleinanleger geheilt. Der irrt. Nach wie vor boomt der Zertifikatehandel. Rund eine halbe Million verschiedene Produkte sind derzeit handelbar. Sprich können erworben werden. Grundwissen Lektion 1:
O-Ton Kerstin Altendorf
Zertifikate haben immer einen Basiswert, auf dem die Anlage beruht….das kann ne Aktie sein, das kann ein Aktienindex sein, Rohstoffe, es können auch Währungen sein.
Etwa auf den japanischen Yen, auf den gerade risikofreudige Anleger nach der dortigen Tsunamikatastrophe spekulieren. Kein sicheres Terrain für den durchschnittlichen Kleinanleger. Was für alle Währungsanleihen gilt. Denn vom Basiswert hängt immer ab, welches Risiko man eingeht. Das geringste Risiko besteht bei einer Anlage in Indexzertifikate. Grundwissen Lektion 2: die sind am einfachsten gestrickt:
O-Ton
weil die einfach einen Aktienindex 1:1 abbilden – und darauf wird ein Zertifikat begeben.
Das reicht vielen Anlegern aber nicht, sie sind bereit, mehr zu zocken und kaufen deswegen auch risikoreichere Zertifikate. Momentan spekulieren viele darauf, dass wir in den nächsten Jahren eine erhöhte Preissteigerungsrate zu verschmerzen haben. Bei Rohöl, Strom und Nahrungsmitteln ist das ja bereits der Fall. Diese Investoren greifen dann zu Zertifikaten, bei denen die Inflationsrate mit ausgeglichen wird. Das sind dann schon kompliziertere Anlagen. Und wenn dauerhaft keine höhere Inflation eintritt, dann hat man bei einem solchen Zertifikat keinen oder nur wenig Gewinn, weil dieser von den Gebühren aufgefressen wird. Denn höhere Risiken sind meist mit höheren Gebühren verbunden, weil die Banken sich ihr Risiko anderseits genau so bezahlen lassen.
Geldinfos und Finanzen vom Bundesverband Deutscher Banken
Weitere Infos gibt es auch auf der Seite von Stiftung Warentest:
www.test.de/themen/geldanlage-banken/test/Zertifikate-und-Anleihen-Banker-tricksen-weiter-1805057-1805145/
Autor/in:
Marita Knipper






