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Mit Krediten ist das manchmal eine merkwürdige Sache: Wer sie am dringendsten braucht, bekommt sie nicht. So kann es auch ganzen Staaten gehen. Jüngste Beispiele: Griechenland und Irland. Beide Länder gelten als überschuldet. Das heißt: Anleger leihen ihnen nur noch äußerst ungern Geld, weil sie Angst haben, dieses Geld nicht mehr wieder zu bekommen. Mit Griechenland und Irland waren erstmals Staaten aus der Eurozone in einer solch prekären Lage. Deshalb haben die anderen Euroländer beschlossen, ihnen aus der Kreditklemme zu helfen. Dafür wurde der Euro-Rettungsschirm ins Leben gerufen. Die wichtigste Institution dabei ist der Euro-Stabilisierungsfonds (EFSF). Bei ihm können sich Euroländer Geld leihen, wenn sie es woanders zu erträglichen Bedingungen nicht mehr bekommen. Der Trick dabei: Für den Euro-Stabilisierungsfonds haften alle 17 Staaten der Eurozone. Das bedeutet ein hohes Maß an Sicherheit für die Geldgeber. Deshalb bekommt der Fonds Kredit zu verhältnismäßig niedrigen Zinsen. Dieses Geld gibt der Fonds dann an bedürftige Euro-Staaten weiter. Die bekommen es mit einem Zinsaufschlag – aber immer noch billiger als auf dem freien Kapitalmarkt. Irland ist der erste Staat der Eurozone, der Kredite beim Euro-Stabilisierungsfonds beantragt hat. 17,7 Mrd. Euro wurden der Regierung in Dublin zu gesagt. Insgesamt kann der Fonds bis Mitte 2013 rund 250 Mrd. Euro verleihen. Rechnet man die möglichen Kredite aus anderen Töpfen dazu, stehen sogar 750 Mrd. Euro an Rettungsgeld bereit. Derzeit beraten die EU-Länder, wie diese Summe aufgestockt werden kann. Deutschland als stärkstes Land der Eurozone muss für 23 Prozent der ausgegebenen Kreditsumme haften. Das bedeutet im Ernstfall: Wenn Irland seine Schulden nicht zurückzahlen kann, würde die Bundesrepublik rund 4 Mrd. Euro verlieren. Im günstigsten Fall macht Deutschland aber ein gutes Geschäft. Wenn Irland seine Kredite zurückzahlt, entsteht kein Schaden. Im Gegenteil: Weil Irland relativ hohe Zinsen zahlt, macht der Euro-Stabilisierungsfonds sogar Gewinn. Dieser Überschuss wird an die Bürgen verteilt – 23 Prozent davon gehen an Deutschland.
Autor/in:
Wolfgang Otto






