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Ziffern und Schriftzug "Profit" (Rechte: WDR / picture alliance)
Sendung vom 17.08.2009, 18:05 bis 18:30 Uhr
Bild: Gehaltsabrechnung; Rechte: dpa

 Die Masse macht's

Mittelstandsbauch

Stichwort Wirtschaft

Das besondere an unserem Einkommenssteuersystem ist, dass nicht jeder verdiente Euro gleich besteuert wird. Das würde von den meisten Deutschen als ungerecht empfunden. Wer mehr verdient soll nicht nur mehr Steuern zahlen, er soll auch einen größeren Teil seines Einkommens beim Fiskus abliefern als jemand mit niedrigerem Einkommen - so denkt die Mehrheit und so spiegelt es sich auch in unserem Einkommensteuertarif wider. Um ihn zu verstehen, muss man sich vorstellen, dass jeder verdiente Euro nebeneinander aufgereiht wird in einer Tabelle.

Die ersten 7.834 Euro, die ein Single im Jahr verdient, werden gar nicht besteuert. Das nennt man Grundfreibetrag. Doch danach geht es los: Der erste Euro über dem Grundfreibetrag wird mit 14 Prozent besteuert. Das heißt: Von diesem Euro gehen 14 Cent an die Staatskasse. Von da an langt der Fiskus immer kräftiger zu: Von jedem hinzu verdienten Euro muss ein größerer Teil als Steuer abgeführt werden. In einem Einkommensbereich zwischen rund 7.835 Euro – dem Grundfreibetrag - und 52.551 Euro steigt die Steuerlast besonders stark an. Wer mehr verdient, zahlt zwar mehr Steuern. Die Summe, die er ans Finanzamt abführen muss, steigt aber langsamer.

Den unteren und mittleren Einkommensbereich, in dem die Steuerlast besonders schnell zu nimmt, nennt man Mittelstandsbauch. Wenn man den Steuertarif aufmalt, als Linie die von links unten nach rechts oben ansteigt, versteht man den Begriff: Die Steuerlinie stülpt sich in der Mitte nach oben aus – wie ein Bauch eben. Praktisch bedeutet das: Wer mit seinem Jahreseinkommen in dieser Zone liegt, hat bei Gehaltserhöhung immer auch ein weinendes Auge. Denn der Staat verdient mit, und das überproportional. Die Steuerlast wächst schneller als das Einkommen.

Kritiker meinen: Der Mittelstandsbauch ist leistungsfeindlich, weil von Gehaltssteigerungen netto zu wenig übrig bleibt. Die Union verspricht deshalb in ihrem Wahlprogramm den Mittelstandsbauch abzuflachen. Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Michel Glos von der CSU hat im vergangenen Jahr einmal ausrechnen lassen, was es den Staat kosten würde, wenn der Mittelstandsbauch ganz verschwände: Demnach würde ein gerade ansteigender Tarif rund 25 Milliarden Euro pro Jahr weniger in die Staatskasse spülen. Das sind immerhin rund 10 Prozent des Bundeshaushaltes.    

Autor/in:

Wolfgang Otto

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Stichwort Wirtschaft: Mittelstandsbauch (ein Beitrag von Wolfgang Otto)

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